Regierungskritische Demonstranten gehen auf einer Straße während eines Protests, halten Regenschirme und schwenken Flaggen.  | Bildquelle: dpa

Hongkongs Widerstandsbewegung Donald Trump, das Demokratie-Vorbild

Stand: 17.12.2019 03:29 Uhr

US-Präsident Trump hat in Hongkong viele Fans. Denn nach Ansicht weiter Teile der Pro-Demokratie-Bewegung ist er die einzige Instanz auf der Welt, die dem Allmachtstreben Chinas Grenzen setzen kann.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai, zzt. Hongkong

Amerikanische Flaggen, Protest-Plakate mit "USA!"-Beschriftung, Demonstrantinnen und Demonstranten mit Donald-Trump-Wahlkampf-Käppis: Regelmäßig sieht man sie bei Kundgebungen der Hongkonger Protestbewegung. Manchmal, so wie hier bei einer Demo am Thanksgiving-Feiertag Ende November, wird bei Protestkundgebungen in Hongkong sogar die amerikanische Hymne gesungen.

Angesprochen auf die Bedeutung der USA für die Hongkonger Protestbewegung antwortet eine 28-jährige Demonstrantin voller Rührung und den Tränen nahe:

"Wir versuchen alles, um unserer Regierung und dem Rest der Welt zu zeigen, dass wir das, was uns versprochen wurde, verdienen: Freiheit und Demokratie. Und die Amerikaner hören uns zu. Deswegen ein großes Dankeschön an den Präsidenten, die Senatoren und die Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses."

Donald Trump, der Held

Spätestens seit US-Präsident Donald Trump im November zwei Gesetze des Kongresses unterzeichnet hat, die die Hongkonger Demokratiebewegung offen unterstützen, sehen ihn viele in der Bewegung als Helden. Für den Hongkonger Autoren und Kolumnisten Gordon Poon sind Trump und auch die Mitglieder des US-Parlaments politische Verbündete im Kampf gegen die autokratische Staatsführung in Peking.  

"Ich mag die Amerikaner gar nicht mal besonders. Und ich wedle hier auch nicht mit der US-Flagge herum. Aber ganz nüchtern betrachtet braucht es die Amerikaner, um der Tyrannei langfristig und friedlich ein Ende zu setzen."

Dass in Europa die meisten Intellektuellen mit Donald Trump und führenden Vertretern der republikanischen Partei nichts anfangen können, weiß Gordon Poon. Das sei bedauerlich und lenke vom eigentlichen Problem ab. Denn Europas bedeutendster Rivale sitze nicht in Washington, sondern in Peking.

Kritik nicht an China, sondern an der kommunistischen Führung

Es gehe ihm bei seiner Kritik nicht um das Land China, mit seiner Jahrtausende alten Zivilisation, betont Poon. Vielmehr gehe es ihm ausschließlich um die seit 1949 regierende kommunistische Führung.

Ein Demonstrant in Hongkong hält eine US-amerikanische Flagge. | Bildquelle: dpa
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Unter den Hongkonger Demonstranten gilt die US-Flagge als Symbol der Hoffnung auf Freiheit.

Wie viele andere Intellektuelle in Hongkong ist Gordon Poon der festen Überzeugung: Die einzigen, die dem weltweit wachsenden Einfluss der chinesischen Staats- und Parteiführung noch entgegentreten, das seien die Amerikaner.

"Wir sind nicht so naiv, zu glauben, dass sich die USA aufopfern für uns, für die Hongkonger Demokratiebewegung. Aber klar ist: Die USA sind immer noch eine sehr starke Weltmacht: politisch, wirtschaftlich, kulturell und militärisch. Sie sind der einzige Trumpf, um die Tyrannen in Peking zu schlagen."

Demokratische Werte 

"Hongkong und Amerika teilen dieselben Werte, vor allem Freiheit und Menschenrechte", sagt ein 22-jähriger Demonstrant bei einem Protest gegen den wachsenden Druck der chinesischen Zentralregierung.

"Es geht nicht nur um Herrn Trump. Wichtig sind auch Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses, die uns helfen. Nancy Pelosi etwa, Senator Marco Rubio und andere. Wenn wir hier bei der Demo also die US-Flaggen wehen lassen, wollen wir der US-Regierung und dem Kongress zeigen, dass wir deren Hilfe brauchen im Kampf gegen die Pekinger Kommunisten."

In den chinesischen Staatsmedien tauchen die Bilder von US-Flaggen und Trump-Plakaten bei den Hongkong-Protesten überdurchschnittlich häufig auf. Denn sie bestätigen das Narrativ der chinesischen Staats- und Parteiführung: Diese behauptet seit Beginn der Proteste, dass die Massendemos vom westlichen Ausland gesteuerten seien, allen voran von den USA.

Insofern kommen die pro-amerikanischen Sympathiebekundungen der Hongkonger Protestbewegung der chinesischen Führung vermutlich sogar gelegen.

Widerstand gegen China: Hongkongs Intellektuelle stehen auf Trump
Steffen Wurzel, z.Z. ARD Hongkong
17.12.2019 06:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Dezember 2019 um 06:15 Uhr.

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