Junge Demonstranten verlassen die Hong Kong Polytechnic University im Bezirk Kowloon nach Zusammenstößen mit der Polizei an der Universität, in der sie sich verbarrikadiert haben.  | Bildquelle: dpa

Hongkong Hunderte Aktivisten verlassen belagerte Uni

Stand: 19.11.2019 05:17 Uhr

Rund 600 der Aktivisten, die sich seit Tagen in einer Hongkonger Uni verschanzten, haben das Gebäude verlassen und wurden festgenommen. Noch immer harren aber viele Demonstranten aus.

Rund 600 Demonstranten in Hongkong haben die von der Polizei belagerte Polytechnische Universität inzwischen verlassen. 400 der Aktivisten seien daraufhin umgehend festgenommen worden, teilte Regierungschefin Carrie Lam mit. Die 200 anderen seien unter 18 Jahre alt und daher nicht in Gewahrsam genommen worden, müssten jedoch mit einer späteren Strafanzeige rechnen.

Rund 100 Regierungskritiker hielten sich noch im Unigebäude versteckt, sagte Lam. Man werde weiterhin jedes Mittel anwenden, um die verbliebenen Protestierenden davon zu überzeugen, den Campus so schnell wie möglich zu verlassen. Ziel sei, den ganzen Einsatz auf friedliche Weise zu beenden, ergänzte Lam.

Hochschulen als Brennpunkte der Demonstrationen

Seit nunmehr drei Tagen umzingeln Sicherheitskräfte das Gebäude der Polytechnischen Universität, die von Demokratieaktivisten besetzt wird. Überhaupt haben sich Hochschulen zu Brennpunkten der seit mehr als fünf Monate andauernden Proteste in Hongkong entwickelt. Zuletzt setzten gewaltbereite Protestierende Brandbomben sowie Pfeil und Bogen ein und zündeten Brücken an, um Bereitschaftspolizisten von Campussen fernzuhalten. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Wasserwerfern.

Kritik an Aufhebung des Vermummungsverbots

China hat derweil darauf bestanden, die alleinige Autorität über Hongkongs Verfassung zu besitzen. Der chinesische Volkskongress sei die einzige Institution, die Entscheidungen über die Verfassung der Sonderverwaltungszone treffen könnte, sagte Parlamentssprecher Zang Tiewei laut staatlichen chinesischen Medien. Hintergrund ist das Urteil des Obersten Gerichts in Hongkong, das das im Rahmen der seit Monaten andauernden Proteste verhängte Vermummungsverbot am Vortag aufgehoben hatte. Laut Zang hat nur der Nationale Volkskongress das Recht, darüber zu entscheiden, ob ein Gesetz mit der Verfassung Hongkongs übereinstimmt.

Das Urteil habe Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam und die Stadtregierung "stark geschwächt". Die Regierung Hongkongs hatte Anfang Oktober auf ein Notstandsgesetz aus der britischen Kolonialzeit zurückgegriffen und ein Vermummungsverbot verhängt, um zu verhindern, das Demonstranten Gesichtsmasken tragen. Das Oberste Gericht Hongkongs hatte das Gesetz am Montag für verfassungswidrig erklärt. In der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong gibt es seit Monaten Massenproteste gegen die pro-chinesische Regierung, die immer häufiger in Gewalt umschlagen. 

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 19. November 2019 um 06:03 Uhr und 08:03 Uhr.

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