Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou vor dem Gericht in Vancouver. | Bildquelle: REUTERS

Festgenommene Huawei-Managerin Meng kämpft gegen Auslieferung

Stand: 21.01.2020 01:31 Uhr

Seit Monaten prüft Kanada, ob die 2018 festgenommene Huawei-Finanzchefin Meng an die USA ausgeliefert werden soll. Jetzt hat die offizielle Anhörung vor einem Gericht in Vancouver begonnen. Der Fall birgt diplomatischen Zündstoff.

Vor einem Gericht im kanadischen Vancouver hat die offizielle Anhörung zu einer möglichen Auslieferung der in den USA gesuchten Finanzchefin des chinesischen Konzerns Huawei, Meng Wanzhou, begonnen. Sie will sich mit aller Kraft gegen eine Auslieferung in die USA wehren.

Die US-Behörden werfen Meng Verstöße gegen die Iran-Sanktionen vor. Die 47-Jährige traf mit einer elektronischen Fußfessel am Knöchel vor Gericht ein. Sie war Anfang Dezember 2018 auf Betreiben der USA festgenommen worden. Die Tochter von Huawei-Firmengründer Ren Zhengei lebt seit einem Jahr unter strengen Auflagen in einem ihrer zwei Anwesen in Vancouver.

Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou verlässt ihr Haus in Vancouver | Bildquelle: AFP
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Während ihres Hausarrests muss Meng eine elektronische Fußfessel tragen.

China fordert sofortige Freilassung

Ihre Anwälte bezeichnen das Vorgehen gegen ihre Mandantin als "illegal". Für Mengs Vater sind die Vorwürfe eine US-Verschwörung, um Huawei zu schaden. Die US-Regierung sieht die chinesische Firma als Sicherheitsrisiko an. China drängt Kanada zur sofortigen Freilassung von Meng und bezeichnet den Fall als "ernsten politischen Vorfall". Die USA und Kanada würden ihr "bilaterales Auslieferungsabkommen missbrauchen", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums.

Kanada prüft seit Monaten, ob die Managerin an die USA ausgeliefert werden soll. Die USA werfen ihr Betrug und den Bruch der Sanktionen gegen den Iran vor. Bei einer Auslieferung und Verurteilung würden ihr in den USA laut Anklage 30 Jahre Haft wegen "Verschwörung zum Betrug von Finanzinstitutionen" drohen.

Vor Gericht soll nun in den kommenden fünf Tagen geklärt werden, ob die US-Vorwürfe gegen Meng auch in Kanada als Straftat gelten. Meng soll laut den US-Behörden der britischen Bank HSBC nicht die Wahrheit über Huaweis Beziehung zu dessen iranischer Tochterfirma gesagt haben. Sehen die Richter den Vorwurf auch unter kanadischem Gesetz als Straftatbestand, dann würde das Verfahren im Juni weitergeführt werden.

Kanada zwischen den Stühlen

Der Fall hatte Kanada in den Mittelpunkt des globalen Machtkampfes zwischen den USA und China gerückt. Peking setzt das Land sowohl wirtschaftlich als auch politisch unter Druck. Es beschränkte die Lieferung landwirtschaftlicher Waren nach China und nahm kurz nach der Festsetzung Mengs zwei Kanadier wegen Spionageverdachts fest, was von vielen Seiten als Vergeltungsmaßnahme gesehen wurde. China sieht die Freilassung Mengs als "Vorbedingung" für verbesserte bilaterale Beziehungen.

Gleichzeitig warnen die USA vor der Nutzung von Huawei-Technik beim Ausbau des G5-Netzes, weil dies der chinesischen Spionage dienen könnte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Januar 2020 um 03:00 Uhr.

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