Pilot Sullenberger spricht über Flug 1549 "Das Beten haben die Passagiere übernommen"

Stand: 10.02.2009 00:23 Uhr

Amerika liebt Menschen wie Chesley Sullenberger. Der Pilot musste mit einer Passagiermaschine auf dem Hudson-Fluss in New York notlanden, nachdem die Triebwerke ausgefallen waren. 155 Passagieren rettete er damit das Leben. Der "Held vom Hudson" schildert, wie er im Cockpit von Flug 1549 eine Katastrophe verhindert hat.

Von Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkstudio New York

Chesley Sullenberger
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Chesley B. Sullenberger - Der "Held vom Hudson"

Nach dem doppelten Vogelschlag sei ihm sofort klar gewesen, dass dieses der erste Flug in seiner 42-jährigen Pilotenkarriere werde, der nicht mit einem unbeschädigten Flugzeug auf einer Landebahn endet. Tief in seinem Innern sei er entsetzt gewesen: "Warum muss das ausgerechnet mir passieren?" Doch schnell habe sich Sullenberger wieder ausschließlich auf seinen Job konzentriert, sagte er. Und dieser war diesmal erheblich schwieriger als sonst.

Sekunden nach dem Notruf, mit dem er dem Tower seine Rückkehr zum New Yorker Flughafen La Guardia ankündigte, habe er erkannt, dass er dies mit seinem antriebslosen Airbus nicht mehr schaffen würde. Auch ein Ausweichen zum Flughafen Teterboro in New Jersey habe er abgelehnt, weil der Versuch sowohl für die Insassen als auch für Menschen am Boden zu einer Katastrophe hätte führen können.

"Das schaffen wir nicht"

Dem Tower meldete er per Funkspruch kurz und knapp: "Das schaffen wir nicht." Die einzige ausreichend große und ebene Fläche für eine Notlandung sei der Hudson-Fluss gewesen, auf den die Maschine nun im Gleitflug zuraste.

Innerhalb von wenigen Sekunden habe Sullenberger sich auf die vier Grundregeln für eine erfolgreiche Notwasserung konzentrieren müssen: "Ich musste die Tragflächen beim Aufsetzen genau waagrecht halten, die Flugzeugnase musste leicht nach oben gerichtet sein. Die Sinkgeschwindigkeit beim Aufsetzen mussten Menschen und Maschine überstehen können und das Aufsetzen musste knapp oberhalb unserer Mindestgeschwindigkeit liegen, aber nicht darunter."

Sullenberg über die letzten Minuten von Flug 1549
T. Schmidt, ARD New York
09.02.2009 21:50 Uhr

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"Das Beten haben die Passagiere übernommen"

Der abgestürzte Airbus A 320 im Hudson
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Alle Insassen überlebten die Notwasserung auf dem Hudson.

"Gar nicht so schlecht", habe er nach der Notlandung zu seinem Co-Piloten gesagt, und dann hätten sie sich weiter an die Arbeit gemacht. Selbst in den kritischen Minuten von Flug 1549 habe Sullenberger nicht an ein Stoßgebet gedacht. Er habe sich so sehr auf die Landung konzentriert, dass er an nichts anderes habe denken können. Er gehe aber davon aus, dass das Beten jemand hinter ihm in der Passagierkabine übernommen habe.

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