Hunter Biden neben seinem Vater Joe | Bildquelle: REUTERS

Ukraine-Affäre Biden junior zeigt sich zerknirscht

Stand: 15.10.2019 19:39 Uhr

Hunter Biden hat eingeräumt, seine Aktivitäten in der Ukraine und China falsch eingeschätzt zu haben. Das habe seinem Vater geschadet. Aktuell gerät Trump-Anwalt Giuliani immer stärker in die Kritik.

Der Sohn von Präsidentschaftsbewerber Joe Biden, Hunter Biden, hat eingräumt, die Wirkung seiner Geschäftsbeziehungen in der Ukraine und China falsch eingeschätzt zu haben. "Habe ich einen Fehler gemacht? Im Großen und Ganzen vielleicht", sagte er in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC. Und ergänzte: "Aber habe ich aus ethischer Sicht einen Fehler begangen? Auf keinen Fall."

Er habe nicht vorausgesehen, wie sehr die Kritiker seines Vaters seine eigenen Aktivitäten gegen diesen einsetzen würden. "Ich habe einigen sehr unmoralischen Leuten Gelegenheit gegeben, auf illegale Weise zu versuchen, meinem Vater zu schaden", sagte Biden junior. Dies sei ein Fehler gewesen, für den er die Verantwortung übernehme. Allerdings betonte er, niemals etwas Illegales getan zu haben.

Biden: "Habe von meinem Namen profitiert"

Hunter Biden räumte ein, bei seinem Erfolg als Geschäftsmann vom Namen seines Vaters profitiert zu haben. Viele Dinge seien nicht passiert, hätte sein Nachnamen nicht Biden gelautet.

Der US-Demokrat Joe Biden spricht in Las Vegas über die amerikanischen Waffengesetze. | Bildquelle: AFP
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Der US-Demokrat und Präsidentschaftsbewerber Joe Biden.

Hunter Biden war seit Beginn der Ukraine-Affäre nicht öffentlich in Erscheinung getreten. US-Präsident Donald Trump versuchte, ihn mit Nachrichten auf Twitter wie "Wo ist Hunter?" herauszufordern. Am Sonntag brach er erstmals sein Schweigen und kündigte an, er werde am 31. Oktober von seinem Posten als Aufsichtsratsmitglied bei der chinesischen Investmentfirma BHR zurücktreten. Hunter Biden gehörte von 2014 bis 2019 dem Verwaltungsrat des ukrainischen Gaskonzerns Burisma an. Trump verdächtigt die Bidens ohne Nennung irgendwelcher Belege, in Korruptionsvorgänge in der Ukraine wie in China verwickelt gewesen zu sein.

Heftige Konflikte im Weißen Haus

Immer deutlicher wird, wie umstritten diese Strategie Trumps im Weißen Haus war. Laut US-Medien war Trumps früherer Nationaler Sicherheitsberater John Bolton wegen des Drucks der US-Regierung auf Kiew so beunruhigt, dass er von einem "krummen Ding" sprach und einen Anwalt des Nationalen Sicherheitsrates einschaltete. Die "New York Times" beruft sich auf Aussagen von Trumps früherer Russland-Chefberaterin Fiona Hill, die am Montag rund zehn Stunden hinter verschlossenen Türen vor den Abgeordneten des Repräsentantenhauses zur Ukraine-Affäre ausgesagt hatte.

Bolton habe einen "heftigen Wortwechsel" mit dem US-Botschafter für die EU, Gordon Sondland, gehabt. Sondland soll gemeinsam mit Trumps umstrittenen persönlichen Anwalt Rudy Giuliani die Pläne geschmiedet haben, Druck auf die Ukraine auszuüben, um belastendes Material gegen die Bidens zu erhalten. Giuliani und seine zahlreichen Reisen in die Ukraine bezeichnete Bolton demnach als "Handgranate, die noch jeden in die Luft sprengen wird".

Giuliani erklärte laut "Washington Post" am Montag, er kenne Hill nicht und könne sich "keinen Reim darauf machen, worüber sie spricht". Das Außenministerium habe all seine Kontakte mit der Ukraine organisiert, sagte er demnach weiter. Trump hatte Bolton, einen außenpolitischen Hardliner, im September gefeuert. Hill schied aus den Diensten der US-Regierung aus, kurz bevor Trump am 25. Juli sein brisantes Telefonat mit dem neuen ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj führte, in dem er dem ukrainischen Präsidenten die Freigabe von Finanzhilfen im Gegenzug zu Ermittlungen gegen Biden angeboten haben soll. Von dem Telefonat berichtete ein Whistleblower. Trump droht ein Amtsenthebungsverfahren, das derzeit vom Repräsentantenhaus vorbereitet wird.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 16. Oktober 2019 um 05:42 Uhr im ARD-Morgenmagazin.

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