Dieses Standbild aus einem Video der NASA zeigt Sergej Prokopjew, Kosmonaut aus Russland, wie er einen Sirius-Nanosatelliten von der Internationalen Raumstation in den Orbit entlässt. | Bildquelle: dpa

"Icarus-Projekt" zu Tierbeobachtung Antenne an ISS installiert

Stand: 16.08.2018 08:05 Uhr

Mehr als sieben Stunden dauerte der Außeneinsatz an der ISS - dann konnten die Kosmonauten die Installation der "Icarus"-Antenne vermelden. Ziel des Projekts ist es, die Bewegungen der Tiere besser nachzuvollziehen.

In einem mehrstündigen Außeneinsatz an der Außenhülle der ISS ist russischen Kosmonauten die Installation einer Antenne für das Projekt "Icarus" geglückt. Damit haben sie das deutsch-russische Projekt zur Tierbeobachtung entscheidend vorangebracht. "Icarus" ist ein wissenschaftliches Mammutvorhaben, mit dem die Forscher das Leben auf der Erde ganz neu verstehen wollen. Ziel ist es, Bewegungen von Tieren besser zu erfassen.

Mehr als sieben Stunden dauerte es, bis die Raumfahrer Oleg Artemjew und Sergej Prokopjew die Antenne montiert hatten. Sie ist entscheidend für das Projekt. Forscher wollen Tiere mit daumennagelgroßen und nur fünf Gramm schweren Mini-Sendern ausstatten und mit Hilfe der ISS beobachten. Davon erhoffen sie sich Aufschluss etwa über Wanderungen von Zugvögeln, was zum Artenschutz beitragen soll.

Zudem soll "Icarus" in Zukunft auch als Frühwarnsystem für Naturkatastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüche dienen. Das Projekt könnte die These stützen, dass Tiere etwa vor dem Ausbruch von Naturkatastrophen unruhig werden oder ihr Verhalten ändern. Auch Schädlingsplagen könnten wirksamer bekämpft werden. Störche rasten auf ihrem Zug nach Süden etwa in der Nähe von großen Heuschreckenschwärmen - mithilfe von "Icarus" sollen diese lokalisiert werden, erklärte der wissenschaftliche Leiter des Projektes, Professor Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell.

Auch Fledermäuse und Meeressäuger sollen beobachtet werden

Auch der Naturschutzbund (NABU) knüpft Hoffnungen an das Projekt. "Wir erhoffen uns Klarheit darüber, welchen Zugweg die heimischen Vögel wählen, damit wir unsere Schutzbemühungen an den Rastplätzen gezielt ausrichten und wissenschaftlich abgesicherte Vogelschutzforderungen an die EU-Kommission stellen können", sagte Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Die Naturschützer haben gemeinsam mit einem maltesischen Partnerverband Turteltauben mit Sendern ausgerüstet, die mit der Antenne auf der ISS interagieren sollen.

Der NABU erhofft sich ferner, etwa Auswirkungen des Klimawandels auf Zugtiere beobachten zu können und Erkenntnisse etwa zur Übertragung von Krankheiten zu gewinnen. Neben Vögeln sollen auch Fledermäuse, Meeressäuger, Fische und Schmetterlinge beobachtet werden.

Das eigentliche Projekt soll Anfang 2019 starten. Die Vorbereitungen dafür dauerten fast zwei Jahrzehnte. Beteiligt sind neben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos vor allem die Max-Planck-Gesellschaft, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Universität Konstanz. Die deutschen Partner finanzieren die Entwicklung der Technik, die Russen kümmern sich um den Transport und die Installation im All.

Es ist der erste Außeneinsatz für den Bordingenieur Prokopjew. Der Kosmonaut war gemeinsam mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst im Juni auf der ISS rund 400 Kilometer über der Erde angekommen. Gerst überwachte den Außeneinsatz seiner russischen Kollegen vom Inneren der Raumstation.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. August 2018 um 03:00 Uhr.

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