Ein zerstörtes Krankenhaus in der Region Idlib. (Archiv) | Bildquelle: AFP

Idlib Thema im UN-Sicherheitsrat Deutsche Helferin macht ihrem Ärger Luft

Stand: 29.05.2019 02:11 Uhr

Eindringlich hat die stellvertretende UN-Nothilfekoordinatorin Müller im UN-Sicherheitsrat gefordert, Zivilisten in der syrischen Region Idlib zu schützen. Seit einem Monat werden dort Kliniken beschossen.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Syrien. Schon wieder Syrien. 270.000 Menschen sind in Idlib auf der Flucht. Seit Monatsbeginn gibt es 160 tote Zivilisten, 25 Angriffe auf Krankenhäuser. Es ist die fünfte Sitzung des UN-Sicherheitsrates allein in diesem Monat, und die UN-Helfer wollen nicht länger hilflos sein:

"Sie alle hier kennen die Zahlen dieses Krieges", sagt die stellvertretende Nothilfekoordinatorin, die Deutsche Ursula Müller. Sie sagt es mit solchem Nachdruck, dass die Routiniers des Elends im Saal aufschauen. Und dann zählt sie auf, was alle wissen. Die Gewissheiten von acht Jahren Krieg: "Sie wissen, dass die Hälfte der syrischen Bevölkerung aus dem Land geflohen ist oder im Land auf der Flucht."

Die stellvertretende UN-Nothilfekoordinatorin Ursula Müller bei einem Besuch in Myanmar | Bildquelle: NYUNT WIN/EPA-EFE/REX
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Müller will, dass im Konflikt um Idlib eine Lösung gefunden wird. (Archiv, bei einem Besuch in Myanmar)

"Hunderttausende getötet, Millionen verletzt"

Natürlich wissen es alle. Aber Müller will, dass die Welt weiß, dass es alle schon lange wissen hier im Sicherheitsrat: "Sie wissen, dass Hundertausende Syrer getötet wurden, Millionen wurden verletzt."  Natürlich wissen sie es hier. "Und sie wissen auch", ergänzt Müller, "dass derzeit drei Millionen Syrier in Idlib ins Kreuzfeuer geraten sind, einige leben unter Bäumen und Plastikplanen irgendwo im Nirgendwo".

Erst vergangene Woche deutete ihr Kollege Mark Lowcock an, dass Krankenhäuser nicht zufällig, sondern möglicherweise mit Absicht aus der Luft bombardiert werden. Müller, die Frau, die Nothilfe organisiert, aber vor lauter Not nicht mehr helfen kann, wendet sich an den Sicherheitsrat. Nicht mehr bittend, sondern anklagend: "Kann dieser Sicherheitsrat nicht irgendetwas tun, wenn Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser zur Kriegstaktik werden, die keinen mehr aufregen?"

Sie schaut in die Runde, als wollte sie jeden der 15 UN-Botschafter am halbrunden Tisch persönlich verantwortlich machen für die Unfähigkeit des Gremiums, mit einer Stimme einen acht Jahre langen Krieg zu beenden. Und Müller ist noch nicht fertig: "Gibt es da nichts mehr zu sagen oder zu tun, wenn Fassbomben willkürlich über Wohnbezirken abgeworfen werden, ein klarer Bruch internationalen Rechts und geltender Resolutionen?"

"Menschengemachtes Desaster"

Müller, die Nothilfekoordinatorin, hat viele Fragen. Eine aber, sagt sie zum Schluss, sie sei die entscheidende Frage: "Was werden sie tun, um die Zivilisten in Idlib zu schützen? Es ist das jüngste Beispiel eines bekannten, vorhersehbaren, Menschen gemachten Desasters, das vor unseren Augen passiert."

Nach Müller redeten 15 UN-Botschafterinnen und Botschafter. Zu sagen aber hatten sie nichts wirklich Neues. Russland sprach vom Kampf gegen Terroristen in Idlib. Syrien von einer Einmischung in syrische Angelegenheiten. Der deutsche Botschafter vom Respekt vor internationalem Recht. Die fünfte Sitzung des Sicherheitsrates zum Thema Syrien in diesem Monat und die Frage blieb unbeantwortet: "Was werden Sie tun?"

Idlib Thema im UN-Sicherheitsrat
Georg Schwarte, ARD New York
29.05.2019 00:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Mai 2019 um 05:30 Uhr.

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