Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: dpa

Dreiergipfel zu Syrien Erdogan warnt vor Blutbad in Idlib

Stand: 07.09.2018 14:55 Uhr

Die Präsidenten von Russland, der Türkei und dem Iran sind zusammengekommen, um über Idlib zu beraten. Erdogan warnte vor den Folgen eines Angriffs und rief zu einem Waffenstillstand auf - Putin widersprach.

Zum Auftakt des Syrien-Gipfels in Teheran hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einem "Blutbad" in der Rebellenhochburg Idlib gewarnt. "Ein Angriff auf Idlib wird zu einer Katastrophe, einem Massaker und einer riesigen humanitären Tragödie führen", sagte er bei seinem Treffen mit Russlands Staatschef Wladimir Putin und dem iranischen Präsidenten Hassan Rouhani. Die Staatschefs wollen bei dem Gipfel über die Konsequenzen einer syrischen Offensive auf Idlib und mögliche Alternativen beraten.

Erdogan rief zu einem Waffenstillstand in Idlib auf, dem Putin jedoch sofort widersprach: Mit der islamistischen Nusra-Front und dem Islamischen Staat (IS) werde nicht verhandelt. Der russische Präsident pochte darauf, die Hoheit der Regierung in Damaskus im ganzen Land wiederherzustellen. Zuvor hatte er gesagt, er befürchte in Idlib Provokationen seitens der eingekesselten syrischen Regierungsgegner bis hin zum Einsatz von Chemiewaffen.

Die Türkei unterstützt seit langem die Rebellen in Syrien. Der Iran und Russland stützen dagegen den syrischen Machthaber Bashar al-Assad, der mit ihrer Hilfe seit 2015 den Großteil des Landes zurückerobert hat und nun auch Idlib wieder einnehmen will.

Syrien-Gipfel in Teheran
tagesschau 17:00 Uhr, 07.09.2018, Natalie Amiri, BR

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Rouhani: Kampf gegen Terrorismus "unvermeidbar"

Wie Putin forderte auch Irans Präsident Rouhani, dass der Kampf fortgesetzt werde, bis alle Militanten aus Syrien vertrieben seien. Den Kampf gegen den Terrorismus in Idlib bezeichnete er als "unvermeidbar". Nur so könnten "Frieden und Stabilität" wieder Einzug halten, sagte er. Zugleich betonte Rouhani, dass dieser Kampf "nicht zum Leiden der Zivilisten oder einer Politik der verbrannten Erde" führen dürfe. Teheran, Moskau und Ankara hätten stets das Ziel verfolgt, den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden, die Rückkehr der Flüchtlinge zu ermöglichen und umgehend den politischen Prozess und den Wiederaufbau im Land zu beginnen.

Zuvor hatte der türkische Präsident Erdogan jeweils Einzelgespräche mit dem Rouhani und Putin geführt. Über Details der Gespräche wurde bisher nichts bekannt.

Menschen haben ihr Hab und Gut auf Autos gepackt und flüchten aus Idlib. | Bildquelle: AFP
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Menschen haben ihr Hab und Gut auf Autos gepackt und flüchten aus Idlib.

Angriffe der russischen Luftwaffe

Kurz vor dem Beginn des Gipfeltreffens hatte die russische Luftwaffe nach Angaben von Aktivisten erneut Stellungen der Rebellen und Dschihadisten in der Provinz bombadiert. Die Kampfflugzeuge hätten Verteidigungsstellungen der Dschihadistenallianz Hajat Tahrir al-Scham und der islamistischen Rebellengruppe Ahrar al-Scham bei Hobait im Südwesten von Idlib angegriffen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Dabei seien ein Kämpfer und ein Schäfer getötet und 18 weitere Menschen verletzt worden, erklärte die oppositionsnahe Organisation. Für Medien sind diese Angaben kaum zu überprüfen. 

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

In dem Gebiet, das die syrische Armee von den Rebellen zurückerobern will, leben etwa drei Millionen Zivilisten, darunter viele Kinder. Russland und der Iran sind für einen Angriff, die Türkei ist dagegen. Die UN, die USA und europäische Staaten warnen vor einem Blutbad und massiven Flüchtlingswellen, sollte Syrien den Plan durchziehen.

Kompromiss zwischen Putin und Erdogan?

Die Provinz im Nordwesten Syriens ist das letzte große Gebiet des Bürgerkriegslandes, das noch von Rebellen beherrscht wird. Dominiert werden diese von dem Al-Kaida-Ableger Haiat Tahrir al-Scham (HTS), der früheren Al-Nusra-Front. Moskau und Teheran sind der Meinung, dass ohne einen Angriff auf die Terrorgruppen in Idlib der Friedensprozess und ein Wiederaufbau Syriens nicht möglich seien.

Beobachter in Teheran spekulieren, dass Putin und Erdogan einen Kompromiss schließen könnten. Der Iran werde dabei keine große Rolle spielen. Die arabische Tageszeitung "Al-Hayat" meldete unter Berufung auf syrische Oppositionskreise, dass Russland und die Türkei bereits eine Einigung zu Idlib gefunden hätten. Demnach soll die Türkei die Aufgabe übernehmen, Terrororganisationen in Idlib zu bekämpfen und dafür ausreichend Zeit bekommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. September 2018 um 14:00 und um 15:00 Uhr.

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