Impeachment gegen Trump "Zirkus, Schauprozess, linke Phantasien"

Stand: 11.02.2021 17:44 Uhr

Mit verstörenden Videoaufnahmen des Sturms auf das US-Kapitol haben die Ankläger im Amtsenthebungsverfahren gegen Ex-Präsident Trump ihre Vorwürfe untermauert. Amerikas Rechte zeigt sich davon wenig beeindruckt.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Die Empörung bei liberalen Medien wie dem US-Fernsehsender CNN ist groß. Denn der Schock über das, was am 6. Januar am Kapitol in Washington geschah, sitzt immer noch tief. Stundenlang zeigten die demokratischen Ankläger im Impeachment-Prozess gegen Donald Trump zum Teil verstörendes Videomaterial, das belegen soll, dass er es war, der die Randalierer zur Gewalt anstachelte.

Ganz anders berichten die rechten US-Medien über das Amtsenthebungsverfahren. Dort zeigt sich, dass die Reihen nach wie vor geschlossen hinter Trump stehen. Der republikanische Senator von South Carolina und langjährige Trump-Vertraute, Lindsey Graham, bezeichnete die Beweisführung der Demokraten im TV-Sender Fox News als bizarr.

"Die Stimmen für 'nicht-schuldig' werden immer mehr. Die meisten Republikaner fanden die Darstellung der Impeachment-Manager beleidigend und absurd", sagte Graham und fügte hinzu, dass die Beweisführung der Ankläger keinen Sinn ergebe. Sie unterstellten dem ehemaligen Präsidenten, er habe den Sturm aufs Kapitol von langer Hand geplant - und das sei unsinnig, so der 65-jährige Republikaner.

Amerikas Rechte verteidigt Trump

"Die Impeachment-Kläger haben diese lächerliche Idee, diese absurde Theorie, dass Donald Trump die Webseiten der Proud Boys und andere rechtsradikaler Gruppierungen überwacht hat", sagte Graham. "Und dass er wusste, dass diese Gewalt passieren würde, und sie deswegen dazu ermutigt hat. Das ist verrückt."

In einem Telefongespräch mit Ex-Präsident Trump soll Graham diesem gesagt haben, das Impeachment-Verfahren sei vorbei. Der Fernsehsender Fox News brach die Übertragung des Verfahrens mittendrin ab. Andere rechte Medien sprechen von "Schauprozess" und "linken Phantasien". Und eine Kommentatorin der "Washington Times" schreibt, mit dem Verfahren beabsichtige man nur, alle 74 Millionen Trump-Wähler zu bestrafen und zu demütigen.

Verurteilung Trumps höchst unwahrscheinlich

Heute haben die Ankläger im Impeachment-Verfahren noch einmal acht Stunden Zeit, um darzulegen, dass Trump die Randalierer aufgehetzt hat. Ab morgen sind dann die Trump-Anwälte dran. Einer von ihnen, David Schoen, wiederholte auf Fox News das Argument, dass dieser Prozess die Nation weiter spalte anstatt zu versöhnen.

"Sie reden die ganze Zeit über Einheit und Heilung. Aber indem sie diese Videos immer und immer wieder zeigen, tragen sie nichts zur Heilung bei", sagte Schoen. "Ganz im Gegenteil. Sie reißen die Wunden der amerikanischen Öffentlichkeit wieder auf."

Dass der Senat Ex-Präsident Trump wirklich verurteilen wird, gilt als nahezu ausgeschlossen. Dafür müssten sich 17 Republikaner den Demokraten anschließen und Trump für schuldig erklären. Und dazu wird es aller Voraussicht nach nicht kommen.

Amerikas Rechte zeigt sich unbeeindruckt vom Impeachment-Verfahren
Claudia Sarre, ARD Washington
11.02.2021 16:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 11. Februar 2021 um 10:13 Uhr.

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Claudia Sarre, NDR

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