Grenzgebiet zwischen China und Indien in Ladakh  | Bildquelle: AP

Indien und China Tote bei Zusammenstoß im Himalaya

Stand: 17.06.2020 06:53 Uhr

An der Grenze zwischen Indien und China im Himalaya sind Soldaten beider Staaten aneinander geraten. Dabei sollen mindestens 20 indische Militärs ums Leben gekommen sein. Der Grenzverlauf in der Region ist umstritten.

Bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen chinesischen und indischen Soldaten hat es nach Angaben der indischen Armee Tote auf beiden Seiten gegeben. Demnach starben mindestens 20 indische Soldaten.

17 von ihnen seien gestorben, nachdem sie schwer verwundet wurden sowie Temperaturen von unter null Grad und großer Höhe ausgesetzt waren. Auch auf chinesischer Seite habe es Tote gegeben, hieß es in Neu-Delhi ohne weitere Details.

Umstrittene Grenzregion

Der Vorfall habe sich Montagnacht in der umstrittenen Grenzregion Ladakh im Himalaya ereignet. China machte die indischen Soldaten für den Zusammenstoß verantwortlich. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, sagte, indische Truppen hätten am Montag zwei Mal die Grenze übertreten und chinesische Soldaten "provoziert und angegriffen". Daraufhin sei es zu einer "schweren körperlichen Auseinandersetzung" gekommen.

Krieg um Grenzverlauf

Ranghohe Militärvertreter der beiden Nachbarländer würden sich treffen, um die Situation zu entschärfen, erklärte das indische Militär. Ähnliche Gespräche hatte es erst unlängst gegeben, offenbar konnten sie aber die Spannungen in der Region nicht mindern.

Grenzgebiet zwischen China und Indien in Ladakh | Bildquelle: AP
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So idyllisch weite Teile des Himalayas auch wirken mögen - in der Region schwelt nicht nur der heikle Grenzkonflikt zwischen Indien und China, sondern auch zwischen Indien und Pakistan.

Der Verlauf der 3500 Kilometer langen Grenze ist zwischen beiden Staaten an einigen Stellen umstritten. 1962 hatten beide Staaten einen kurzen Krieg um ihre Grenze im Himalaya geführt, den China gewann. Peking beansprucht heute etwa 90.000 Quadratkilometer eines Gebiets, das sich unter der Kontrolle Neu-Delhis befindet. Entlang der Grenze kommt es immer wieder zu Zwischenfällen.

Im Mai kam es an Demarkation im indischen Bundesstaat Sikkim zu handgreiflichen Auseinandersetzungen und Steinwürfen. Daraufhin überschritten nach indischen Angaben chinesische Soldaten die Demarkationslinie in der weiter westlich gelegenen Region Ladakh. Als Reaktion verlegten beide Seiten Tausende Soldaten an die Grenze. 

USA rufen zu friedlicher Lösung auf

Die USA riefen China und Indien derweil zu einer friedlichen Beilegung des Grenzkonflikts auf. Ein Sprecher des US-Außenministeriums betonte, dass die Entwicklung in der Grenzregion von der US-Regierung genau beobachtet werde. Er sprach den Angehörigen der getöteten indischen Soldaten sein Beileid aus. 

Sowohl China als auch Indien hätten den Wunsch nach einer Entschärfung der Lage zum Ausdruck gebracht, so der Sprecher weiter. Präsident Donald Trump hatte kürzlich seine Vermittlung zwischen den beiden Atommächten angeboten.

China wittert Untergrabung seiner Integrität

Hintergrund der jüngsten Spannungen könnte die Entscheidung Indiens vom vergangenen Jahr sein, das vor allem von Buddhisten bewohnte Ladakh von dem übrigen, mehrheitlich muslimischen Jammu und Kaschmir abzutrennen und zu einem eigenen Bundesgebiet zu erklären, um seine Kontrolle zu verstärken. China hat dagegen scharf protestiert und von einer "Untergrabung" seiner territorialen Integrität gesprochen.

Mit Misstrauen beobachtet Peking ferner, wie sein Rivale Indien stärker an die Seite der USA und ihrer Verbündeten rückt, während Trump seine antichinesische Politik verschärft. Auch wird Anstoß an dem Bau von Straßen und Brücken in dem umstrittenen Grenzgebiet auf indischer Seite genommen. Umgekehrt hat aber auch China seine Bautätigkeiten ausgeweitet, was Indien wiederum kritisiert.

Drei indische Soldaten getötet
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
16.06.2020 11:31 Uhr

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