Eis-Stupa

Indisches Hochgebirge Ein künstlicher Eisberg für die Wüste

Stand: 07.12.2019 16:29 Uhr

Die indische Hochgebirgswüste ist stark vom Klimawandel betroffen. Den Bauern in der Region Ladakh geht das Wasser aus. Ein Wissenschaftler hat eine Lösung gefunden: künstliche Eisberge.

Von Peter Gerhardt, ARD-Studio Neu-Delhi

Schneebedeckte Berge, wilde Flüsse, sattes Grün und rundgeschliffene graue Steinberge: Die Hochgebirgswüste von Ladakh gehört zu den eindrucksvollsten Landschaften der Erde. Je nach Tages- und Jahreszeit wechseln die Farben. Es ist ein Schauspiel, das dem Besucher das bisschen Atem raubt, das einem auf 4000 Metern Höhe noch geblieben ist. "Aber Ladakh ist ein unglaublich verletzliches Ökosystem", sagt Sonam Wangchuk. Es ist "eines, das vom Klimawandel betroffen ist, wie kaum eine andere Region der Welt".

Denn Ladakh geht das Wasser aus. Wangchuk deutet auf einen kahle, 6000 Meter hohe Bergspitze. "Dort gab es bis vor ein paar Jahren noch Gletscher." Wie in den Alpen auch, schmelzen im Himalaya die Gletscher immer schneller weg. Das liegt daran, dass es wärmer geworden ist. Aber es liegt auch daran, dass deutlich weniger Regen fällt.

Eis-Stupa | Bildquelle: Peter Gerhardt
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Bis zu 50 Meter hoch, mit 700.000 Liter Wasser - die künstlichen Eisberge in der indischen Hochgebirgswüste.

Riesige Kegel

"Gletscher gibt es fast nur noch in den ganz hohen Regionen", sagt Wangchuk. Doch die fangen erst später im Jahr an zu schmelzen. Für die Bauern bedeutet das, dass im Frühjahr das Wasser fehlt, um die Felder zu bewässern. Im heißen Sommer schmelzen Schnee und Eis dann umso schneller. Dann ist es aber zu spät für das ausgesäte Getreide. Dafür hat Wangchuk eine Lösung gefunden: Künstliche Eisberge in der Form von riesigen Kegeln.

Im Herbst sind er und seine Männer überall in Ladakh unterwegs. Die Gletscher sind noch vom Sommer erwärmt, die Schmelzwasserbäche führen viel Wasser. In einem großen Schlauch leiten sie das Wasser ab und versprühen es. Die Lufttemperatur ist bereits unter null Grad. Daher friert der feine Wassernebel sofort. Nach und nach türmt sich ein riesiger Eisberg auf: Bis zu 50 Meter, 700.000 Liter Wasser. "Das geht ganz ohne Energie. Wir nutzen das Gefälle", erklärt Wangchuk. "Eis-Stupas" nennen sie die künstlichen Berge, denn mit ihrer Kegelform erinnern sie an Stupas, buddhistische Tempel, die überall in Ladakh zu finden sind.

Künstliche Eisberge im Himalaya
Weltbilder, 29.11.2019, Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi

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Hartes Leben

Weiter unten im Tal sind sie dankbar für die künstlichen Eisberge. Ladakh ist etwas größer als Niedersachsen. Doch nur rund 240.000 Menschen leben hier. Landwirtschaft wird hier noch betrieben wie vor Hunderten von Jahren. Zwei Yaks ziehen einen Pflug. Dahinter ein Mann und eine Frau. Ernste Gesichter. Das Leben hier auf 3000 Metern Höhe ist hart. Sie bauen Getreide an und Aprikosen. Durch die hohe UV-Strahlung im Sommer bekommen diese ein ganz intensives Aroma und sind in ganz Indien beliebt.

Bis vor kurzem sind sie hier ganz gut zurecht gekommen, mit dem Schmelzwasser aus den Bergen. Doch das ist vorbei. "Letztes Jahr war es katastrophal", erzählt die Bäuerin Stanzin Dolkar. "Da hatten wir gar kein Wasser. Dieses Jahr im Januar gab es zum Glück viel Schnee. Und dann haben wir jetzt auch die Eis-Stupa. Deshalb ist es viel besser." Mit Schaufel und Hacken leiten sie im Frühjahr das Schmelzwasser aus dem künstlichen Eisberg über die Felder. Das hilft über die wasserarme Zeit.

Sonam Wangchuk | Bildquelle: Peter Gerhardt
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Er ist der Herr der künstlichen Eisberge: Sonam Wangchuk. Vor fünf Jahren begann er das Projekt der Eis-Stupas.

"Hier in Ladakh wächst nichts, was Menschen nicht angepflanzt haben", sagt Wangchuk. Leben ist hier nur möglich in den Tälern, die vom Schmelzwasser erreicht werden. "Mit den Eis-Stupas wollen wir dazu beitragen, dass die Menschen hier weiterhin ein Auskommen haben." Wangchuk stammt von hier. Er hat in Frankreich Bergbau studiert, seinen Doktor gemacht. Vor zehn Jahren ist er zurückgekehrt nach Ladakh. 

"Wir müssen erfinderisch sein"

Vor fünf Jahren begann er das Projekt der Eis-Stupas. Schon vorher hatten Ingenieure experimentiert mit großen Wasserbassins, in denen sie Schmelzwasser auffingen und frieren ließen. "Aber ein See hat eine zu große Oberfläche. Das Eis schmilzt im Frühjahr zu schnell, dann verdunstet das Wasser und der Rest versalzt". Deshalb die Idee mit den Eiskegeln.

"Wir müssen erfinderisch sein, wenn wir mit dem Klimawandel leben wollen“, sagt er. 13 Eis-Stupas haben sie im vergangenen Jahr errichtet. Viel zu wenige, um ganz Ladakh mit Wasser zu versorgen, das ist auch Wangchuk klar. "Wir bräuchten Hunderte, vermutlich", sagt er. "Aber immerhin, es ist ein Anfang."

Über dieses Thema berichtete der NDR in der Sendung "Weltbilder" am 14. Mai 2019 um 23:30 Uhr.

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