Mitarbeiter einer Spritzenfabrik in Indien stehen in Schutzkleidung an Arbeitstischen. | Bildquelle: AFP

UN-Rede von Premier Modi Indien will bei Impfstoffproduktion helfen

Stand: 27.09.2020 14:30 Uhr

Fast sechs Millionen Menschen haben sich in Indien mit dem Coronavirus infiziert. Das Land hofft auf einen schnellen Impfstoff - und will seine Produktionskapazitäten der ganzen Welt zur Verfügung stellen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Indien will seine pharmazeutischen Produktionskapazitäten in den Dienst der weltweiten Suche nach einem Corona-Impfstoff stellen. Das Land sei der größte Hersteller von Impfstoffen weltweit, sagte Premierminister Narendra Modi in seiner Video-Botschaft an die virtuelle UN-Generalversammlung.

Indiens Kapazitäten für die Herstellung und Lieferung von Impfstoffen werde dafür eingesetzt, der gesamten Menschheit bei der Bewältigung der Corona-Krise zu unterstützen, so Modi. Indien sei bereits in der dritten Phase klinischer Tests für einen Impfstoff gegen Covid-19 und werde auch seinen Nachbarländern helfen, entsprechende Kühlkapazitäten für Lagerung und Transport von Impfstoffen auszubauen.

Indiens Premierminister Narendra Modi hält eine Rede vor der virtuellen UN-Generalversammlung. | Bildquelle: AP
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In seiner Video-Botschaft an die UN kündigte Indiens Premier Modi Hilfe für die Nachbarländer an.

Fast sechs Millionen Corona-Infizierte

Während in Indien erneut fast 90.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages registriert wurden und die Zahl der Corona-Fälle die Sechs-Millionenmarke fast erreicht hat, laufen die Tests für einen Impfstoff auf Hochtouren. Man könne den Andrang von Freiwilligen kaum bewältigen, sagte Professor Sanjay Rai vom größten staatlichen Krankenhaus in Delhi, dem All India Institute of Medical Sciences (AIIMS), der Tageszeitung "Times of India". Es kämen täglich Hunderte E-Mails.

Der potenzielle indische Impfstoff mit dem Namen Covaxin werde jedoch frühestens im ersten Quartal 2021 zur Verfügung stehen, so Satyajit Rath, vom Nationalen Institut für Immonulogie. Auch bei erfolgreichen klinischen Tests, benötigten die Genehmigungsprozesse Zeit. "Eine Immunisierung mit einem Impfstoff, der ordnungsgemäß getestet und zugelassen wurde, kann frühestens Anfang nächsten Jahres erwartet werden", sagte Rath. "Ich hoffe, ich liege falsch, aber das ist im Moment meine Einschätzung."

Russischer Impfstoff wird in Indien getestet

Am weitesten fortgeschritten ist der sogenannte Oxford-Impfstoff, Covishield, der ebenfalls in Indien getestet wird. Genauso wie ein russischer Impfstoff, der unter dem Namen Sputnik V auf den Markt gebracht werden soll. Die indische Pharma-Firma Dr. Reddy's aus Hyderabad und der russische Staatsfonds hatten vor rund zwei Wochen eine entsprechende Zusammenarbeit vereinbart.

Danach soll der Impfstoff, dessen schnelle Zulassung in Russland international Kritik ausgelöst hatte, in Indien in die sogenannte dritte Testphase gehen. Sobald die indischen Behörden dem Impfstoff SputnikV die Freigabe erteilen, könnten 100 Millionen Impfdosen ausgeliefert werden, hieß es.

Impfung aller Inder würde rund zwei Jahre dauern

"Wer soll das bezahlen?", wunderte sich der Chef des Serum Institute of India, Adar Poonawalla, dessen Institut den Oxford-Impfstoff testet. Ob die Regierung bereit sei, 80.000 Crore Rupien, umgerechnet 10 Milliarden Euro, zur Verfügung zu stellen, um jedem in der Bevölkerung eine Impfung zu verabreichen, fragte er auf Twitter.

Eine Impfdosis werde voraussichtlich 1.000 Rupien, umgerechnet 12 Euro, kosten, so Poonawalla in einem Interview mit dem indischen Fernsehsender NDTV. Bei 30 Millionen Impfdosen, die pro Monat hergestellt werden könnten, werde es bis zu zwei Jahre dauern, alle 1,3 Milliarden Inder gegen Corona zu impfen.

Indien - Impfstoff Produktionskapazitäten für alle
Bern Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
27.09.2020 12:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete SWR2 in der Sendung "Impuls" am 17. September 2020 um 16:05 Uhr.

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