Ein Mann mit Mund-Nasen-Schutz geht an einem Wandgemälde in Neu-Delhi, Indien, vorbei. | Bildquelle: AFP

Corona-Pandemie in Indien Vorbereitungen für weltgrößte Impfkampagne

Stand: 30.11.2020 13:29 Uhr

1,3 Milliarden Menschen leben in Indien. Sie alle sollen eine Corona-Impfung bekommen - das verspricht zumindest Regierungschef Modi. Dabei gibt es noch kein zugelassenes Vakzin.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi, zzt. in Hamburg

Die Vorbereitungen für den Start der größten Impfkampagne der Welt laufen auf Hochtouren. Indiens Premierminister Narendra Modi besuchte am Wochenende das Serum Institute, wo in Zusammenarbeit mit dem britischen Hersteller AstraZeneca der sogenannte Oxford-Impfstoff gegen das Coronavirus hergestellt wird. Anfang nächsten Jahres sollen die ersten Impfungen verabreicht werden, versprach der Regierungschef.

"Wenn der Impfstoff erst einmal zur Verfügung steht, werden wir dafür sorgen, dass alle damit geimpft werden können", so Modi. Eine Corona-Impfung für jeden Staatsbürger - "das ist unsere Mission". Mehr als 1,3 Milliarden Einwohner hat Indien. Für jeden wären zwei Impfdosen nötig.

Das Serum Institute in Pune will nach eigenen Angaben schon in Kürze die Notfall-Zulassung für das Präparat beantragen. Noch lägen aber keine verbindlichen Bestellungen vor, sagte der Chef des Instituts, Adar Poonawalla, der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir haben noch nichts Schriftliches darüber, wie viele Impfdosen die Regierung zu kaufen beabsichtigt. Aber das Gesundheitsministerium hat ja schon erwähnt, dass sie bis Mitte nächsten Jahres 300 bis 400 Millionen Impfdosen verabreichen wollen."

Lage in Neu-Delhi besonders schlimm

Unterdessen hat sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Indien offenbar stabilisiert. Erneut gab es knapp 40.000 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden. Insgesamt liegt die Zahl der bestätigten Corona-Fälle bei fast 9,5 Millionen. Knapp 140.000 Menschen sind in Indien bereits im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung gestorben.

Besonders schlimm ist die Lage in Neu-Delhi. Allein in der Hauptstadt gab es im November rund 2000 Corona-Todesfälle. Die Lage sei außer Kontrolle, klagt Jyot Jeet Singh von der Shunty Group, einer Hilfsorganisation, die Krankentransporte für Bedürftige anbietet und Verstorbene zu den Krematorien bringt. "Die Kranken müssen ins Krankenhaus gebracht werden, die Leichen zum Krematorium. Es ist ein totales Chaos in der Stadt. Das System ist zusammengebrochen, die Gesundheitsbehörden in Delhi haben das nicht mehr unter Kontrolle."

Mit Strafen gegen Masken-Verweigerer

25 Leichen pro Tag hat die NGO in diesem Monat transportiert. Normalerweise seien es im Durchschnitt sieben, so Jitender Singh Shunty: "Die Lage in Delhi ist wirklich schlimm. Es sterben einfach zu viele Menschen im Zusammenhang mit Corona." Vor allem Ältere mit Gesundheitsproblemen wie Diabetes, Lungenerkrankungen, Nieren- oder Herzproblemen seien betroffen. "Normalerweise bringen wir sie aber zum Krankenhaus und nicht zum Krematorium."

Während auf den Märkten der indischen Hauptstadt trotz der Pandemie Hochbetrieb herrscht, rufen die Behörden verzweifelt dazu auf, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Kürzlich wurden die Strafen für Masken-Verweigerer drastisch angehoben - auf 2000 Rupien, umgerechnet knapp 25 Euro. Das ist mehr als der durchschnittliche Tageslohn für einen einfachen Arbeiter.

Indien - Vorbereitungen für größte Impfkampagne der Welt
Bernd Musch-Borowka, ARD Neu-Dehli
30.11.2020 12:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. November 2020 um 13:22 Uhr.

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