Indische Marssonde erreicht Umlaufbahn "Wir haben Geschichte geschrieben"

Stand: 24.09.2014 09:37 Uhr

Es ist ein Triumph für die Weltraumforscher und für Premier Modi: Indien habe das "fast Unmögliche erreicht", jubelte Modi. Die Sonde "Mangalyaan" hat die Umlaufbahn des Mars erreicht und schon wenige Stunden später erste Aufnahmen gemacht. Die Mission kostete nur 60 Millionen Euro.

Von Jürgen Webermann, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Das war der Moment, auf den sie zehn Monate lang gewartet haben: Kurz vor halb fünf heute früh deutscher Zeit meldet die Marssonde "Mangalyaan", dass sie die Umlaufbahn des roten Planeten erreicht hat.

Mittendrin zwischen den feiernden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Raumfahrtzentrum im indischen Bangalore war Premierminister Narendra Modi. Er ließ sich diesen Moment natürlich nicht entgehen. "Indien hat den Mars erreicht. Wir haben Geschichte geschrieben - wir haben das fast Unmögliche erreicht", jubelte Modi. "Ich gratuliere allen Wissenschaftlern und allen indischen Mitbürgern."

Wissenschaftlerinnen feiern im Raumfahrtzentrum im indischen Bangalore, dass die Sonde Mangalyaan die Umlaufbahn des Mars erreicht hat.
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Wissenschaftlerinnen feiern im Raumfahrtzentrum in Bangalore, dass die Sonde die Umlaufbahn erreicht hat.

Indiens Premier Modi gratuliert dem Chef der Raumfahrtmission, Radhakrishnan.
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Indiens Premier Modi gratulierte dem Chef der Raumfahrtmission, Radhakrishnan.

Die Wissenschaftler der Weltraumbehörde ISRO haben tatsächlich allen Grund, stolz zu sein. Sie schafften es gleich im ersten Anlauf zum Mars - als erstes Land aus Asien. Japan und China waren mit ähnlichen Versuchen gescheitert.

Mission kostet weniger als 60 Millionen Euro

"Mangalyaan" kostet zudem nicht mal 60 Millionen Euro und damit weniger als der Hollywood-Weltraumfilm "Gravity". Die derzeitige amerikanische Marsmission ist gleich zehn Mal teurer. "Wenn wir die Mission auch erfolgreich abschließen, dann wird Indien wahrgenommen als Mitglied im Eliteclub derjenigen Länder, die das erreicht haben und erreichen können", sagt der Astronom Sandeep Bhattacharya.

"Mangalyaan" machte bereits erste Bilder vom Mars, um sie nach Bangalore zu funken. Amitabh Panday, einer der ISRO-Wissenschaftler, betont, dass es Indien nicht nur ums Prestige gehe, sondern auch um die Sache - um Grundlagenforschung auf dem roten Planeten. "Wir werden den Mars so studieren wie andere auch. Was ist mit Wasservorkommen? Wie sind die Wetterbedingungen? Kann man dort irgendwie leben oder ist es möglich, den Planeten irgendwie zu besiedeln?" In 20 bis 30 Jahren werde es bemannte Missionen zum Mars geben, betont Panday. Da möchte Indien vorne mitspielen.

Viel Lob, aber auch viel Kritik

"Mangalyaan" hat vor allem in der indischen Mittelklasse ein riesiges Interesse ausgelöst. Alle Nachrichtenkanäle haben Sondersendungen vorbereitet. Allerdings löst die Sonde auch intensive Diskussionen aus, so wie die zwischen den beiden Studenten Shashank und Pramveer aus Neu-Delhi: "Indien hat so viel Armut. Die muss das Land erst einmal bekämpfen. Was haben denn unsere Leute davon, wenn wir zum Mars fliegen?", kritisiert Shashank. "Für mich bedeutet das keinen Fortschritt - nicht, solange wir Analphabeten im Land haben und Kinder an Unterernährung sterben. Ganz ehrlich: Zum Mars können wir auch später noch fliegen."

Sein Kommilitone Pramveer ist in dieser Frage anderer Meinung: "Für Indien geht es auch um Ruhm und Ehre", sagt er. "Und Entwicklung sollte es in allen Bereichen geben, also auch in der Weltraum-Wissenschaft."

In Bangalore im Weltraumzentrum sind sie nach der kurzen Feier längst wieder gespannt, ob Mangalyaan wirklich Bilder und Daten liefern wird. Zu den ersten Gratulanten gehörte übrigens die amerikanische Konkurrenz, die NASA.

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