Der indische Premierminister Narendra Modi. | Bildquelle: AP

Premier Modi wiedergewählt Der "Beschützer Indiens" bleibt im Amt

Stand: 24.05.2019 22:06 Uhr

Indiens Premier Modi führt das Land weitere fünf Jahre - von seinen Anhängern wird er als starker Anführer gefeiert. Denn Modi weiß sich zu präsentieren und Versäumtes in den Hintergrund zu rücken.

Von Sebastian Manz, ARD-Studio Neu-Delhi

"Heute bezeugen wir, dass Bürger aus dem ganzen Land diesem Bettler die Hände gefüllt haben. Ich neige mein Haupt vor Indiens 1,3 Milliarden Menschen."

Indiens alter und neuer Premierminister Narendra Modi lässt sich von Tausenden Anhängern in Delhi feiern. Die Menschen tragen Modi-Masken und Accessoires - das ist in den vergangenen fünf Jahren zum Ritual geworden.

Twitter statt Pressekonferenz

Der 68-jährige Modi hat es geschafft, sich als der starke Anführer eines selbstbewussten Indiens zu verkaufen. Er gilt als Meister der politischen Kommunikation. Wie US-Präsident Donald Trump lässt er meist sein Twitter-Konto für sich sprechen, anstatt Pressekonferenzen zu geben.

Er meidet Situationen, in denen er angreifbar wäre. Vielleicht auch deshalb hat ihn die Mehrheit der Wähler nicht dafür verantwortlich gemacht, dass er so manches Wahlversprechen nicht gehalten hat. Und der Mann mit dem weißen Haar und dem gestutzten Vollbart hatte viel versprochen, um mit seiner hindu-nationalistischen Partei BJP vor fünf Jahren zum ersten Mal die Wahl zu gewinnen.

Erster Wahlsieg war große Überraschung

Dass er damals die absolute Mehrheit im Parlament errang, war eine Riesenüberraschung. Modis persönliche Geschichte ist Teil seines Erfolgs. Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen, hat als Kind mit seinem Vater Tee verkauft. Das macht ihn für viele Menschen nahbar und glaubhaft.

Er gilt als arbeitswütig. Vertraute sagen, er schlafe nur vier Stunden pro Nacht, fröne keinem Laster und mache stattdessen Yoga. Modi sagt von sich selbst:

"Ich habe eine Mission in meinem Leben: Diese Mission lautet, meinem Land zu dienen."

Mit Modi kam der Ruck nach rechts

Unter seiner Regierung ist das säkulare Indien nach rechts gerückt. Als Heranwachsender schloss er sich einer Hindu-Burschenschaft an, die für ihre extremistischen Tendenzen bekannt ist. Fortan widmete Modi sein Leben der Politik und das mächtige Netzwerk der Hindu-Nationalisten bildet seine Machtbasis.

Seine Regierungsbilanz fällt jedoch durchwachsen aus. Zwar ist die Wirtschaft mit sieben Prozent recht ordentlich gewachsen. Doch sein Versprechen, für mehr Jobs zu sorgen, konnte Modi nicht halten.

Anhänger Modis feiern die Wiederwahl des Premiers. Sie tragen Modi-Masken. | Bildquelle: AFP
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Sie sind ein Ritual geworden - die Modi-Masken der Anhänger des Premiers.

Eine Sonde auf dem Mars, Raketen auf Terroristen

Dafür gelang es ihm, einige Prestigeprojekte umzusetzen: Eine indische Raumsonde etwa landete auf dem Mars und ein Satellitenabwehrsystem wurde erfolgreich getestet. Die Nation war stolz.

Und Modi arbeitete weiter an seinem Image als starker Mann: "Ich habe den Mut bewiesen", sagte er etwa in einer Rede, "militärisch zuzuschlagen - zu Lande, in der Luft und im All. Ich bin Euer Wächter."

Als erster Regierungschef seit 45 Jahren ließ Modi im Februar Bomben auf Pakistan abwerfen. Angeblich um dort Terroristen zu treffen, die Indien bedrohen würden.Es liege in seiner Natur, sagte Modi in einer Rede an die Nation, "ich nehme Rache und werde jeden einzelnen Terroristen töten".

Nachsicht gegenüber Lynchmorden

Der Hindu-nationalistische Kurs Modis bereitet vor allem den 180 Millionen Muslimen im Land Sorge. Ihr Leben ist schwieriger geworden, seit Modi regiert. Es hat in den vergangenen Jahren Dutzende Lynchmorde an Muslimen gegeben, denen vorgeworfen wurde, Kühe geschmuggelt oder getötet zu haben. Gläubigen Hindus sind Kühe heilig. Die Lynchmobs kommen oft ungestraft davon.

Bei einem Großteil der hinduistischen Mehrheit kommt Modis Kurs dagegen gut an. Das hat das Wahlergebnis eindeutig bestätigt.

Narendra Modi - der Beschützer Indiens
Sebastian Manz, ARD Neu-Delhi
24.05.2019 21:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Mai 2019 um 05:40 Uhr.

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