Smartphone mit geöffneter Uber-App vor einem Parkplatz in Neu-Delhi

Nach Vergewaltigungsvorwürfen Neu-Delhi verbietet Taxi-Dienst Uber

Stand: 08.12.2014 14:57 Uhr

Nach der mutmaßlichen Vergewaltigung einer Kundin durch einen Fahrer des Online-Fahrdienstvermittlers Uber haben die Behörden der indischen Hauptstadt Neu-Delhi den Betrieb des Dienstes verboten. Uber dürfe ab sofort keine Fahrten in der Stadt anbieten, erklärte die Stadtverwaltung. Zuvor hatte die Polizei einen Fahrer festgenommen, der am Freitag eine Kundin vergewaltigt haben soll.

Der Mann war schon vor drei Jahren wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung inhaftiert, später aber freigelassen worden. Die Polizei erklärte, sie prüfe rechtliche Schritte gegen Uber, weil das Unternehmen den Fahrer und dessen Vergangenheit nicht überprüft habe. Nach Angaben von Polizeichef Mathur Verma sind in Neu-Delhi Sicherheitschecks für Fahrer von Bus- und Taxiunternehmen verpflichtend - also für Unternehmen, die Fahrer anstellen, und sie nicht wie Uber nur vermitteln.

Uber sagt Unterstützung zu

Uber-Chef Travis Kalanick sagte, der Vorfall in Neu-Delhi sei schrecklich. "Wir werden alles tun, ich wiederhole alles, um den Täter vor Gericht zu bringen." Die Überprüfung von Fahrern sei aber in Delhi "derzeit bei der Erteilung von Lizenzen für Transportdienste nicht vorgesehen". Kalanick bot dem Opfer und seiner Familie Unterstützung an.

Uber vermittelt über eine Smartphone-App vor allem private Fahrer. Von deren Entgelt für die Fahrt kassiert Uber einen Anteil. Mit ihrem Angebot ist die Firma zu einer Konkurrenz für herkömmliche Taxis geworden. Diese kritisieren, dass Uber die für sie geltenden Lizenzierungsbestimmungen umgehe.

Die Frau, Mitarbeiterin in einem Finanzunternehmen, hatte den Angaben zufolge am Freitag nach einem Geschäftsessen über die Uber-App das Taxi gerufen. Während der Fahrt sei sie eingeschlafen und in einer abgeschiedenen Gegend der Stadt Mathura in dem geparkten Auto aufgewacht. Der Taxifahrer habe sie bedroht und vergewaltigt, berichtete die Nachrichtenagentur PTI.

Anhängerinnen der indischen Kongresspartei demonstrieren nach der mutmaßlichen Vergewaltigung einer Kundin des Taxi-Vermittlers Uber in Neu-Delhi.
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Anhängerinnen der indischen Kongresspartei demonstrieren nach der mutmaßlichen Vergewaltigung einer Kundin des Taxi-Vermittlers Uber in Neu-Delhi.

Debatte über Gewalt gegen Frauen

Die Tat hat die Debatte über Gewalt gegen Frauen in Indien erneut angefacht. Die Antikorruptionspartei AAP protestierte nach Angaben der indischen Agentur IANS vor dem Haus des Innenministers Rajnath Singh. Sie forderten den Minister demnach auf, strenger mit dem Taxi-Vermittler Uber umzugehen. Mindestens 100 Demonstranten seien festgenommen worden. Der Vorfall ereignete sich fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der tödlichen Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Neu Delhi. Der Fall hatte international Entsetzen ausgelöst, in Indien gab es wochenlang Proteste.

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