Interpol-Präsident Meng Hongwei | Bildquelle: AFP

Nach China-Reise Interpol-Präsident vermisst gemeldet

Stand: 05.10.2018 14:07 Uhr

Interpol-Präsident Meng ist offenbar in China verschwunden. Nach einer Reise in die Volksrepublik Ende September sei er von seiner Frau als vermisst gemeldet worden, teilte die französische Justiz mit.

Der Präsident der internationalen Polizeiorganisation Interpol, Meng Hongwei, wird vermisst. Die französische Justiz nahm nach eigenen Angaben Ermittlungen zum Verschwinden des 64-jährigen Chinesen auf. Mengs Frau hatte die Behörden alarmiert, da seit einer China-Reise des Interpol-Präsidenten Ende September jedes Lebenszeichen von ihm fehle. Interpol hat seinen Sitz in Lyon, deswegen nahm sich die französische Justiz des Falls an.

Nach Angaben des französischen Radiosenders "Europe 1" reiste Meng am 29. September von Frankreich nach China. Seitdem fehle von ihm nach Angaben seiner Frau jede Spur. "Er ist nicht in Frankreich verschwunden", betonte ein Ermittler.

Interpol teilte mit, man sei sich der Medienberichte über das "angebliche Verschwinden" Mengs bewusst. "Dies ist eine Angelegenheit für die zuständigen Behörden in Frankreich und China." Für die Führung des Alltagsgeschäfts sei der Generalsekretär Jürgen Stock verantwortlich. Interpol werde sich nicht näher zu der Angelegenheit äußern.

Das Interpol-Logo in der Eingangshalle des Hauptquartiers in Lyon | Bildquelle: AP
galerie

Die Behörde mit Sitz in Lyon wird seit 2016 von Meng geleitet.

Erster Chinese an der Interpol-Spitze

Meng war im November 2016 als erster chinesischer Regierungsvertreter an die Spitze von Interpol gewählt worden. Seine Amtszeit läuft noch bis 2020. Zuvor war der studierte Jurist in China stellvertretender Minister für Öffentliche Sicherheit und war unter anderem für den Kampf gegen den Terrorismus und den Drogenhandel sowie Grenzkontrollen zuständig.

Seine Wahl an die Spitze von Interpol wurde als Zeichen bewertet, dass China seine Anti-Korruptions-Kampagne auch auf das Ausland ausweiten wollte. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International äußerten Bedenken, dass Peking Interpol nutzen könnte, um Dissidenten und Geflohene im Ausland festzunehmen.

Über Interpol arbeiten 192 Mitgliedstaaten zusammen gegen das internationale Verbrechen. Die Organisation unterstützt maßgeblich den Kampf gegen den Terrorismus, gegen Cyber-Attacken und das organisierte Verbrechen.

Interpol-Chef Meng Hongwei als vermisst gemeldet
Marcel Wagner, ARD Paris
05.10.2018 19:02 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Oktober 2018 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: