Interpol-Präsident Meng Hongwei | Bildquelle: AP

Auf China-Reise Rätsel um verschwundenen Interpol-Chef

Stand: 06.10.2018 12:23 Uhr

Wo ist Interpol-Chef Meng Honwei? Sein Verschwinden bei einem Besuch in seinem Heimatland China bleibt rätselhaft. Die Behörden schweigen, Social-Media- Einträge werden zensiert.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

In China gibt es bisher keine offiziellen Reaktionen auf das Verschwinden von Meng Hongwei. Die vollständig staatlich kontrollierten Medien erwähnen das Thema mit keinem Wort. Auf chinesischen Social-Media-Plattformen werden Einträge mit dem Namen des Interpol-Präsidenten inzwischen zensiert. Die Zeitung "South China Morning Post" aus der Sonderverwaltungszone Hongkong berichtet, dass Meng vergangene Woche nach Ankunft in China von Ermittlern festgenommen worden sei.

Das zuständige Ministerium in Peking antwortete bisher nicht auf zahlreiche Medienanfragen dazu, was allerdings nichts mit dem konkreten Fall zu tun haben muss. Chinas Behörden antworten grundsätzlich selten auf kritische Fragen.     

Ermittlungen wegen Korruption?

Gestern war bekannt geworden, dass die Frau von Meng Hongwei den Interpol-Präsidenten bei der französischen Polizei als vermisst gemeldet hat. Die internationale Behörde hat ihren Sitz in Lyon. Die Polizei in Frankreich bestätigte, dass sie in dem Fall ermittelt.

Das "Wall Street Journal" zitierte einen französischen Behördenmitarbeiter mit den Worten: Meng sei in jedem Fall in China eingetroffen. Was danach passiert sei, wisse man nicht. Politische Beobachter innerhalb und außerhalb Chinas vermuten, dass die chinesische Anti-Korruptionsbehörde Meng festgesetzt hat.

Das Interpol-Logo in der Eingangshalle des Hauptquartiers in Lyon | Bildquelle: AP
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Die Behörde mit Sitz in Lyon wird seit 2016 von Meng geleitet.

Der 64-Jährige ist seit 2016 Präsident von Interpol. Davor hatte er mehrere hochrangige Posten in Chinas Sicherheitsapparat inne. Möglicherweise haben die Pekinger Anti-Korruptionsermittler Hinweise auf Vergehen während dieser Zeit.

Interne Gegner werden geheim festgehalten

Kritiker werfen Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping vor, mit Hilfe der Anti-Korruptionsbehörde immer wieder interne Gegner aus dem Weg zu räumen. Nicht nur im Kampf gegen Korruption kommt es in China regelmäßig vor, dass Menschen ohne Anklage festgenommen werden und verschwinden. Ihre Angehörigen werden nicht informiert.

Dies trifft nicht nur auf einfache Bürger zu. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die bekannteste Schauspielerin des Landes, Fan Bingbing, wegen Vorwürfen der Steuerhinterziehung mehrere Wochen lang geheim festgehalten worden war.

Interpol-Chef bleibt verschwunden
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
06.10.2018 11:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Oktober 2018 um 20:00 Uhr.

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