Zwei Frau gehen über die Trümmer eines zerstörten Hauses in der Stadt Sare Pole Sahab in der iranischen Provinz Kermanschah im Westen des Landes. | Bildquelle: AFP

Erdbeben im Iran Häuser, die zur Todesfalle werden

Stand: 14.11.2017 20:54 Uhr

Nach dem Erdbeben im Iran hadern viele Betroffene mit der offiziellen Unterstützung. Dennoch: In vielen Bereichen funktioniert das Krisenmanagement verhältnismäßig gut. Präsident Rouhani sagte den Menschen einen raschen Wiederaufbau zu.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Jetzt rückt auch das große Gerät an. Bagger schieben die Schuttberge beiseite. 12.000 Häuser soll das Erdbeben zerstört haben. Von manchen sind einfach die Außenwände abgefallen. Es soll sich um Sozialbauten handeln aus der Zeit des früheren iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Er hatte damals ein landesweites Wohnbauprogramm mit dem Namen "Mehr", zu Deutsch "Güte" aufgelegt. Wut kocht hoch, die Güte ist zur Todesfalle geworden. Für Arme sei nicht erdbebensicher gebaut worden, schimpfen einige.

Ahmadinedschads Nachfolger Hassan Rouhani flog in die Krisenregion. "Wir müssen untersuchen, warum das mit manchen Gebäuden passiert ist, die nicht einmal alt sind und teilweise staatlich errichtet wurden", sagte Rouhani. "Wir können hier zwei Häuser nebeneinander sehen. Das staatlich Errichtete hat Schäden, das andere, das die Leute mit ihren eigenen Händen, privat gebaut haben, ist noch heil. Es ist also klar, dass ein Problem besteht." Rouhani versicherte, die Schuldigen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.

Dem Epizentrum am nächsten

Auch das einzige Krankenhaus in Sare Pole Sahab - die Kleinstadt in der Provinz Kermanschah im Westen des Landes war dem Epizentrum am nächsten - hatte den enormen Erschütterungen nicht Stand gehalten. Viele fragen sich, warum das relativ neue Krankenhaus nicht erdbebensicher gebaut worden war.

Ärzte behandeln Verletzten nun in mobilen Lazaretten des Militärs, aber auch einfach unter freiem Himmel. Zwei Nächte verbrachten viele Betroffene nun schon draußen am Lagerfeuer. "Das Mindeste, was wir wollen, ist ein Zelt, damit unsere Familien etwas Schutz haben", sagte ein Mann.

Der iranische Krisenstab versprach, alle würden zumindest ein Zelt und Decken bekommen, auch die Menschen in den kleinen Bergdörfern. Ob aber tatsächlich auch wirklich alle abgelegenen Häuser schon Hilfe erreicht hat, ist nicht klar. Das Erdbebengebiet ist groß.

Viele tausend Verletzte

Rouhani versuchte zuzuhören. Ein Mann erzählte ihm, dass zwölf Menschen aus seiner Familie keine Unterkunft hätten. "Ich weiß, ich kenne die Probleme, die ihr schildert", sagte Rouhani.

Die Strom- und Gasversorgung ist weitgehend wiederhergestellt. Wo es mit fließend Wasser noch nicht klappte, waren Tankwagen mit Trinkwasser unterwegs. In vielen Bereichen funktionierte das Krisenmanagement verhältnismäßig gut, hörte man nicht nur von staatlicher Seite. Außerdem taten sich Privatleute zusammen, um Hilfe zu organisieren. Dem Aufruf zur Blutspende folgten viele Iraner, sodass es keinen Mangel an Blutkonserven gibt - trotz der vielen tausend Verletzten.

Anteilnahme im Land ist groß

Die Anteilnahme im Land ist groß, sagte auch Rouhani: "Im Namen des gesamten iranischen Volkes möchte ich den Menschen in Kermanschah mein Beileid aussprechen. Heute steht die gesamte Bevölkerung Kermanschah bei. Es gibt keinen Iraner, der heute nicht an die Betroffenen hier denkt."

Die Regierung erklärte den Tag seines Besuches zum Tag der Trauer. Rouhani blickte aber schon nach vorn. "Ich will allen, die gelitten haben, versichern: Die Regierung wird ihre ganze Macht nützen, um Ihre Probleme so schnell wie möglich zu lösen." Unter anderem soll es staatliche Kredite und Zuschüsse geben.

Während die einen schon an neue Wohnungen dachten, gingen in einzelne Orten die Bergungsarbeiten noch weiter - in der Hoffnung, vielleicht doch unter den vielen Trümmern noch Überlebende zu finden - zwei Tage nach dem schweren Erdbeben.

Über dieses Thema berichteten am 14. November 2017 Deutschlandfunk um 18:37 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.

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