Frauen mit Atemschutzmasken in Teheran | Bildquelle: ABEDIN TAHERKENAREH/EPA-EFE/REX

Corona im Iran Zum Virus kommt das Misstrauen

Stand: 27.02.2020 14:07 Uhr

Der Iran ist eines der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Länder. Die Zahl der Toten erhöhte sich um zwei auf 26. Binnen 24 Stunden stieg die Zahl der Fälle um 106 auf 245. Und nicht nur das: Von dort aus soll das Virus auf die Nachbarländer übergegriffen haben. Viele Iraner trauen den offiziellen Zahlen nicht.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Das iranische Fernsehen zeigt kleine Info-Filme. Da schwebt ein Coronavirus wie durchs All über den Bildschirm. Zeichentrickfiguren waschen sich die Hände, niesen und liegen mit Fieberthermometer im Bett. Die Regierung versucht aufzuklären.

Iradsch Harirtschi ist stellvertretender Gesundheitsminister und eigentlich Beauftragter für Corona im Iran. Bei einer Pressekonferenz vor ein paar Tagen sitzt er vor den Mikrofonen mit Schweiß auf der Stirn. Immer wieder muss er husten. Kurz darauf postet er ein Video: "Ich möchte sie darüber informieren, dass ich mich mit dem Coronavirus infiziert habe, die Tests waren positiv. Ich bin in Quarantäne und jetzt auch in Behandlung. Mir geht es alles in allem nicht schlecht. Ich habe Fieber, aber so Gott will, wird es zurückgehen."

Iradsch Harirtschi (l), stellvertretender Gesundheitsminister des Iran, wischt sich bei einer Pressekonferenz neben Ali Rabibei, Regierungssprecher des Iran, den Schweiß von der Stirn. | Bildquelle: dpa
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Mittlerweile in Quarantäne: Irans Vize-Gesundheitsminister Harirtschi war bei der Pressekonferenz schon sichtbar geschwächt.

Kampagnen im Fernsehen und an Hauswänden

Die iranische Führung gibt sich offen, informiert nicht nur im Fernsehen, sondern auch über SMS und auf Plakatwänden an den Straßen. Die sind beispielsweise in der Hauptstadt Teheran allerdings in diesen Tagen doch deutlich leerer. Menschen tragen Schutzmasken vor dem Mund, was in der Hauptstadt wegen der schlechten Luft durchaus normal ist. Aber es sind deutlich mehr, die versuchen, sich so vor dem Virus zu schützen.

Rouhani spricht vom "Virus der Angst"

Viele trauen der Führung nicht. Ein Twitter-User sieht das Selbstbekenntnis des stellvertretenden Gesundheitsministers nur als Ausrede an, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Oder aber er versuche so, ängstliche Menschen zu beruhigen, schreibt er weiter. Ein anderer wirft der Führung vor, es gebe keine Kontrolle und keine Vorsichtsmaßnahmen. Das Virus verbreite sich im ganzen Land, und iranische Beamte und Geistliche würden sich entsprechenden wissenschaftlichen Ansätzen widersetzen.

Und immer wieder werden die offiziellen Zahlen zu Toten und Infizierten hinterfragt. Präsident Hassan Rouhani reagiert darauf bei einer Pressekonferenz: "Das Virus der Angst, der Zweifel und des mangelnden Vertrauens unter den Menschen ist schlimmer als das Coronavirus", sagt er.

Tiefes Misstrauen seit dem Flugzeugabschuss

Dieses Misstrauen sitzt bei Vielen seit Januar tief, nachdem die Führung sie über die ukrainische Passagiermaschine belogen hatte. Sie hatte das Flugzeug über Teheran abgeschossen, das aber erst nicht zugegeben. Schon bei den Parlamentswahlen Ende letzter Woche war abzulesen, dass viele Iraner nicht hinter ihren Politikern stehen. Nicht mal annähernd die Hälfte war hingegangen.

Rouhani warnt, das Virus dürfe nicht zur Waffe der Feinde werden: "Vor Kurzem haben sich welche aus der obersten Führung der USA zum Coronavirus im Iran geäußert, während sie selber damit kämpfen. Und 16.000 Menschen sind da an der Grippe gestorben. Aber sie reden nicht über ihre eigenen Toten, sondern schauen auf den Iran."

Infografik Verbreitung neues Coronavirus Stand 27.2.2020, 9:00 Uhr
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Die Karte zeigt die aktuelle Verbreitung des Coronavirus am 27.02.2020, 9:00 Uhr

Nachbarländer schließen Grenzen

Viele fragen sich, warum sich das Virus so stark im Land ausbreitet. Angeblich hat es noch sehr lange Direktflüge zwischen China und dem Iran gegeben. Ein Nachbarland nach dem anderen macht die Grenzen dicht, offenbar zu spät. Im Irak wurde ein Iraner positiv getestet.

Der stellvertretende Gesundheitsminister Harirchi versucht in seinem Video vom Krankenbett zu beruhigen: "Wir werden dieses Virus in den nächsten Wochen besiegen, seien Sie dessen sicher. Ich meine das von ganzem Herzen. Und passen Sie auf sich auf."

Die auffällig hohe Rate an Sterbefällen unter den Infizierten beunruhigt allerdings viele Iraner zusätzlich.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2020 um 13:00 Uhr.

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