Das geistliche Oberhaupt des Iran, Khamenei, leitet Mitte Januar 2020 erstmals seit acht Jahren wieder das Freitagsgebet. | Bildquelle: AP

Freitagsgebet im Iran Khamenei warnt vor "Clown" Trump

Stand: 17.01.2020 12:23 Uhr

Das geistliche Oberhaupt des Iran, Khamenei, hat erstmals seit 2012 das Freitagsgebet geleitet. Neben dem Appell an die eigene Bevölkerung, zusammenzustehen, gab es scharfe Worte für den "Clown" Trump und die EU.

Inmitten der politisch angespannten Lage im Iran hat der oberste geistliche Führer des Landes, Ayatollah Ali Khamenei, erstmals seit acht Jahren das traditionelle Freitagsgebet geleitet. In seiner Rede rief er zur nationalen Einheit auf, nachdem es in dem Land seit rund einer Woche massive Protesten gegen die Regierung und deren Kurs gegeben hatte.

Anlass der Proteste war die Reaktion der iranischen Führung nach dem Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs, durch den 176 Menschen ums Leben kamen. Erst nach tagelangem Dementi hatte der Iran eingeräumt, die eigenen Revolutionsgarden hätten die Maschine versehentlich abgeschossen.

Irans geistliches Oberhaupt Khamenei leitet Freitagsgebet und beschwört Einheit des Landes
tagesschau 20:00 Uhr, 17.01.2020

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Khamenei stellt sich hinter Revolutionsgarden

Khamenei bezeichnete den Abschuss während des Freitagsgebets erneut als "tragischen Unfall", stellte sich aber gleichzeitig hinter die Revolutionsgarden. Sie stünden für die Sicherheit des Landes, betonte Khamenei. Die "Feinde des Iran" würden jedoch versuchen, das Unglück zu nutzen, um die Revolutionsgarden zu schwächen. Allerdings rief Khamenei dazu auf, solche Unfälle künftig durch höhere Sicherheitsmaßnahmen zu verhindern.

Die regierungskritischen Proteste würden am politischen Kurs der Staatsführung nichts ändern, sagte Khamenei weiter: "Das iranische Volk liebt und will den Widerstand gegen die Weltmächte und keine Kapitulation, auch 41 Jahre nach der Revolution."

Die Revolutionsgarden hatten den Abschuss damit erklärt, die Passagiermaschine mit einem Marschflugkörper des US-Militärs verwechselt zu haben. Am 8. Januar hatte das iranische Militär zwei US-Stützpunkte im benachbarten Irak bombardiert. Mehrere US-Soldaten wurden verletzt. Mit den Angriffen hatte der Iran auf die Tötung des Generals Kassem Soleimani durch die USA reagiert. Nach den Bombardements der US-Stützpunkte hätten die Revolutionsgarden eigenen Angaben zufolge einen Vergeltungsschlag der US-Regierung befürchtet.

Trump "betrüge" Iraner

Nach den Angriffen hatten die USA und der Iran auf Signale der Deeskalation gesetzt. Im Freitagsgebet übte Khamenei jedoch erneut scharfe Kritik am US-Präsidenten. Donald Trump sei "ein Clown", der vorgebe, iranische Demonstranten zu unterstützen, sie aber letzten Endes "betrügen" und ihnen einen "giftigen Dolch" in den Rücken rammen werde. Mit der Tötung Soleimanis hätten die USA ihre "terroristische Natur" offenbart. Die Attacken des Iran auf die Stützpunkte hätten den USA einen "Schlag ins Gesicht" versetzt, sagte Khamenei.

Auf EU sei kein Verlass

Doch Khamenei richtete seine Kritik auch an die EU. Hintergrund ist der Streit um das Atomabkommen, aus dem die USA 2018 einseitig ausgestiegen waren. Seitdem hatte der Iran mehrfach gedroht, die Vereinbarungen des Abkommens nicht mehr einhalten zu wollen. Zuletzt hatte die iranische Regierung infolge von Soleimanis Tod betont, sie fühle sich nicht mehr an den 2015 vereinbarten Atomdeal gebunden. Am Dienstag hatten Deutschland, Großbritannien und Frankreich darum den sogenannten Streitschlichtungsmechanismus ausgelöst, der den Iran zu weiteren Verhandlungen zwingen soll, um das Abkommen doch noch zu retten.

Doch den drei EU-Staaten könne man nicht trauen, warnte Khamenei nun in der iranischen Hauptstadt Teheran. "Wir haben keine Angst vor diplomatischen Verhandlungen", so das geistliche Oberhaupt, doch unter Druck wolle man nicht verhandeln. Auf die EU-Länder sei kein Verlass. Und Khamenei betonte, der Westen werde den Iran "nicht in die Knie zwingen".

Khamenei beschimpft Trump und Europäer
Karin Senz, ARD Istanbul
17.01.2020 13:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Januar 2020 um 12:00 Uhr.

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