Tanker Stena Impero (Archivbild) | Bildquelle: AP

Straße von Hormus Iran bringt erneut Öltanker auf

Stand: 20.07.2019 01:37 Uhr

Die iranischen Revolutionsgarden haben einen britischen Öltanker in der Straße von Hormus am Persischen Golf gestoppt und umgeleitet. Die Regierung in London verurteilte die Aktion scharf und drohte mit ernsten Konsequenzen.

Erneut ist die Straße von Hormus Schauplatz des Konfliktes zwischen westlichen Staaten und dem Iran geworden: Nach Angaben des britischen Außenministers Jeremy Hunt beschlagnahmte der Iran zunächst zwei Schiffe in der Meerenge und verschärfte damit die Lage in der Region erheblich. Die iranischen Behörden hätten ein unter britischer und ein unter liberianischer Flagge fahrendes britisches Schiff festgesetzt. Eines der beiden Schiffe konnte später weiterfahren.

"Die Festsetzungen sind unakzeptabel", sagte Hunt. Die Freiheit des Schiffsverkehrs sei unerlässlich. "Wir sind absolut deutlich, dass es sehr ernste Konsequenzen geben wird, wenn diese Situation nicht schnell gelöst wird", so der Außenminister im Gespräch mit dem britischen Nachrichtensender SkyNews. Militärische Optionen würden nicht erwogen. "Wir halten nach einem diplomatischen Weg Ausschau, um diese Situation zu lösen."

Zu einem iranischen Hafen geleitet

Zunächst hatten die iranischen Revolutionsgarden den Öltanker "Stena Impero" festgesetzt. Dieser habe gegen "internationale maritime Regeln" verstoßen, hieß es auf der Website der Revolutionsgarden. Daher sei das Schiff beschlagnahmt und in den Hafen der Provinzhauptstadt Bandar Abbas geleitet worden.

Laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA soll die "Stena Impero" ihren Funktransponder abgeschaltet und Warnungen ignoriert haben. Dies sei gegen die maritimen Vorschriften am Golf. Außerdem soll der Tanker auch umweltschädigende Materialien am Bord haben, die derzeit von der Umweltbehörde in Bandar Abbas untersucht würden.

Das Schiff gehört der schwedischen Firma "Stena Bulk". Das Unternehmen bestätigte den Zwischenfall und teilte mit, dass sich mehrere unbekannte kleinere Boote und ein Hubschrauber der "Stena Impero" genähert hatten, als sich das Schiff in internationalen Gewässern befunden habe.

Zweites gestopptes Schiff wieder unterwegs

Wenig später sei der Tanker "Mesdar" der britischen Norbulk Shipping UK, die unter der Flagge von Liberia fährt, beschlagnahmt worden, so die britische Regierung.

Laut der iranischen Agentur Tasnim wurde die "Mesdar" jedoch nicht aufgebracht, sondern lediglich vorübergehend gestoppt. Das Schiff durfte demnach nach einer Sicherheitsverwarnung seine Fahrt fortsetzen.

Norbulk Shipping bestätigte, dass bewaffnete Kräfte das Schiff inzwischen wieder verlassen haben. "Stena Bulk" erklärte, das Unternehmen habe derzeit keinen Kontakt zur Besatzung der "Stena Impero". An Bord befinden sich nach Unternehmensangaben 23 Crew-Mitglieder. Es gebe keine Nachrichten über Verletzte. Man stehe in engem Kontakt zu den britischen Behörden.

US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX
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US-Präsident Donald Trump sagte, dass der Iran "nichts als Ärger" mache. "Wir werden mit dem Vereinigten Königreich sprechen."

Trump will sich eng mit Großbritannien abstimmen

Im Persischen Golf nahmen zuletzt die Spannungen deutlich zu. In den vergangenen Wochen hatte es mehrere Sabotageakte an Öltankern gegeben. Die USA werfen dem Iran vor, hinter den Zwischenfällen zu stecken.

US-Präsident Donald Trump sagte bezogen auf den jüngsten Vorfall, dass der Iran "nichts als Ärger" mache. Er denke aber, dass die Konfrontation mit Teheran sich "nett" lösen lassen werde. Der Iran sei in großen Schwierigkeiten, die Wirtschaft breche zusammen. "Es ist sehr einfach für uns, das noch viel schlimmer zu machen."

Trump sagte er wolle sich eng mit Großbritannien abstimmen. "Wir werden mit dem Vereinigten Königreich sprechen", sagte Trump am Freitag vor Journalisten. Er werde mit der Regierung in London zusammenarbeiten, fügte er hinzu

Washington beschuldigte den Iran, gezielt gegen Großbritannien vorzugehen. "Uns sind Berichte bekannt, laut denen iranische Kräfte einen britischen Öltanker beschlagnahmt haben", erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, Garrett Marquis. "Das ist das zweite Mal in etwas mehr als einer Woche, dass das Vereinigte Königreich Ziel eskalierender Gewalt durch das iranische Regime ist." Die USA würden weiterhin mit ihren Verbündeten zusammenarbeiten, "um unsere Sicherheit und Interessen gegen das bösartige Verhalten des Iran zu verteidigen", fügte er hinzu.

Iranischer Tanker in Gibraltar festgesetzt

Unter dem Vorwurf illegaler Öllieferungen an Syrien liegt seit Anfang des Monats in Gibraltar ein Supertanker an der Kette. Die Öllieferung aus dem Iran soll gegen EU-Sanktionen gegen Syrien verstoßen. Der Iran protestierte gegen die Beschlagnahme, bestellte mehrmals den britischen Botschafter ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Am Dienstag drohte der oberste iranische Führer Großbritannien mit Konsequenzen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 19. Juli 2019 um 21:45 Uhr.

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