Iran Atomanlage Arak | Bildquelle: AP

Verstoß gegen Abkommen Iran will Uran-Anreicherung erhöhen

Stand: 02.01.2021 13:36 Uhr

Der Iran hat angekündigt, weiter gegen das internationale Atomabkommen zu verstoßen. Das Land will seine Uran-Anreicherung deutlich ausweiten. Damit würde die im Abkommen von 2015 festgelegte Schwelle deutlich überschritten.

Der Iran hat nach Angaben der UN-Atomaufsicht IAEA offiziell angekündigt, klar gegen das internationale Atomabkommen verstoßen zu wollen. Teheran habe mitgeteilt, Uran auf einen Reinheitsgrad von bis zu 20 Prozent anzureichern und damit die im Abkommen von 2015 festgelegte Schwelle deutlich zu überschreiten, sagte ein Sprecher der Behörde.

Die Aufbereitung soll demnach in der unterirdischen Anlage in Fordow stattfinden. Damit solle ein kürzlich vom Parlament verabschiedetes Gesetz erfüllt werden. Das Gesetz fordert demnach die Produktion und Lagerung von "mindestens 120 Kilogramm an 20-prozentig angereichertem Uran pro Jahr". Wann die Anreicherungsaktivität beginnen soll, gab Teheran nicht bekannt. 

Anreicherung bis 4,5 Prozent

Der russische Vertreter bei der IAEA, Michail Uljanow, hatte zuvor auf Twitter unter Berufung auf IAEA-Chef Rafael Grossi über die Pläne des Irans berichtet. Ein Diplomat sprach von einem "weiteren Schlag" für das Atomabkommen.

Der Atompakt von 2015 sieht vor, dass der Iran Uran bis maximal 3,67 Prozent anreichern darf. Ziel der Vereinbarung ist es zu verhindern, dass das Land an Kernwaffen gelangt. US-Präsident Donald Trump hatte das Abkommen jedoch im Mai 2018 einseitig aufgekündigt und setzte neue Sanktionen gegen das Regime in Teheran in Kraft. Der Iran ignorierte ab 2019 daraufhin seine ursprünglichen Verpflichtungen und reicherte Uran auf bislang 4,5 Prozent an. Waffenfähiges Uran muss bis auf 90 Prozent angereichert sein.

Experte dämpft Hoffnungen

Die anderen Unterzeichner des Abkommens - China, Frankreich, Deutschland, Russland und Großbritannien - setzen große Hoffnungen auf den künftigen US-Präsidenten Joe Biden. Der Demokrat hatte bereits angekündigt, den Pakt retten zu wollen. Der Direktor des in Schweden ansässigen, renommierten Sipri-Friedensforschungsinstituts, Dan Smith, dämpfte allerdings die Hoffnungen auf Biden als Vermittler.

"Eine erfolgreiche Wiederaufnahme des Abkommens könnte mehr politisches Kapital kosten, als Biden bereit ist zu investieren", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Auch im Iran sei die Stimmung gekippt, weil das Abkommen nicht gehalten habe, was es versprochen hatte, führte Smith aus. Weder sei der Iran vollständig an den Welthandel angebunden worden, noch hätten sich internationale Investoren in größerer Zahl ins Land getraut. 

Drohungen gegen die USA

Im Iran wurden derweil die Spannungen mit den USA weiter geschürt. Der Chef der Revolutionsgarden, Hossein Salami, gelobte bei einem Besuch der strategisch wichtigen Golfinsel Abu Musa, auf jede "Aktions des Feindes" zu reagieren. Ein Jahr nach dem tödlichen US-Drohnenangriff auf den iranischen General Kassem Soleimani vergewisserte sich Salami der militärischen Stärke des Landes und drohte mit einem "entschiedenen und starken Schlag". 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Januar 2021 um 09:00 Uhr.

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