Eine "Global Hawk"-Drohne der USA beim Landeanflug auf eine Basis in Japan | Bildquelle: AP

Drohnen-Abschuss über dem Iran US-Armee bestreitet Grenzverletzung

Stand: 20.06.2019 19:18 Uhr

Nach dem Abschuss einer US-Drohne durch den Iran diskutieren Experten, wie es zu dem Vorfall kommen konnte - und wie die USA darauf reagieren sollen. Die Angst vor einer weiteren Eskalation wächst.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

"Macht Euch keine Sorgen", sagte US-Präsident Donald Trump, zugeschaltet per Telefon in seiner Lieblings-Talkshow "Hannity" im US-Sender Fox News. Alles sei unter Kontrolle.

"Der Iran ist ein anderer Staat als zur Zeit meiner Amtseinführung. Damals sah es so aus, als gebe es kein Halten. Jetzt haben sie Probleme. Wir werden sehen, was passiert. Ich sag mal, an Eurer Stelle würde ich mir keine Sorgen machen."

Das war gestern. Heute schreibt der Präsident, der Iran habe einen großen Fehler begangen. Das Pentagon wirft dem Iran vor, ein unbemanntes Spionageflugzeug des US-Militärs über internationalen Gewässern, in der Meerenge von Hormus abgeschossen zu haben.

Streit über Abschussort

Der Iran und die USA haben widersprüchliche Angaben zur Position der US-Drohne vor ihrem Abschuss veröffentlicht. US-Luftwaffengeneral Joseph Guastella sagte, die Drohne sei rund 34 Kilometer von der Küste Irans entfernt und damit in internationalem Luftraum gewesen.

Der iranische Außenminister Jawad Sarif veröffentlichte danach Koordinaten, die zeigen sollen, wo die Drohne abgeschossen wurde. Sie liegen rund 15 Kilometer vor der iranischen Küste und damit schon in dessen Hoheitsgewässern. Sarif schrieb auf Twitter, Wrackteile der Drohne seien ebenfalls in iranischen Hoheitsgewässern sichergestellt worden und veröffentlichte eine Zeichnung, die den Flugweg der Drohne zeigen soll.

dpa

"Keine Provokation"

Den USA ist dieser Punkt besonders wichtig: Washington widerspricht dem Vorwurf, das Militär habe die iranischen Grenzen verletzt. Es habe vor dem Abschuss keine Provokation von US-Seite gegeben, erklärte Navy Captain Bill Urban vom Central Command.

Der Drohnen-Experte des US-Fernsehsenders Fox-News, Brett Velicovich, sagte, es mache keinen Sinn, diese Drohne über iranischem Gebiet einzusetzen, sie hätten keine Funktion zur Tarnung. "Aber gleichzeitig ist die Kamera der Drohne so leistungsstark, dass wir sie über internationalen Gewässern einsetzen können und trotzdem auf den Iran schauen können. Und das ist wahrscheinlich hier der Fall."

Der ehemalige Navy-Admiral James Stavridis betont im Fernsehsender CBS vor allem die Größe des Spionagefliegers: "Dessen Flügel haben eine Spannweite von bis zu 40 Metern, wie Geschäftsflieger in Größe einer mittleren Passagiermaschine." Die Drohne könne bis zu 20.000 Kilometer fliegen und koste 120 Millionen US-Dollar.

Experten unschlüssig über Reaktion

Daran schließt sich die Frage an, wie das US-Militär auf den Abschuss reagieren soll. Eine Antwort bleiben bisher alle Experten schuldig. Im Programm von CNN meldet sich Mark Hertling zu Wort - auch er ist ehemaliger Militär. "Der Iran versucht sein Gebiet zu verteidigen", sagt Hertling.

"Die USA wollen die Meerenge von Hormus offen halten für etwa 30 Prozent des weltweiten Handels mit Erdöl. Und es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, was eine verhältnismäßige Reaktion wäre - zwischen Untätigkeit und einem offenen Krieg, den es in dieser Lage geben kann."

Biden befürchtet Eskalation

Joe Biden | Bildquelle: AFP
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Der Demokrat Joe Biden kritisierte Trumps Iran-Politik scharf.

Ein möglicher Präsidentschaftskandidat der demokratischen Partei, der frühere Vizepräsident Joe Biden, beschuldigte Trump, für die Eskalation mit dem Iran verantwortlich zu sein. Das Ende des Iran-Atomdeals mache eine militärische Konfrontation wieder wahrscheinlicher, heißt es in einer Stellungnahme seiner Kampagne.

Eine Lösung hat auch er nicht. Vielmehr versucht Biden die Aufmerksamkeit umzulenken: Er steht in der Kritik, weil er ehemalige Senatskollegen in Schutz nahm, die Verfechter der Rassentrennung waren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Juni 2019 um 20:00 Uhr.

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