Shamima Begum | Bildquelle: LONDON METROPLITAN POLICE/HANDOU

Britische IS-Anhängerin in Syrien "Ich möchte nicht mehr hier leben"

Stand: 18.02.2019 15:31 Uhr

Eine damals 15-jährige Britin schloss sich 2015 dem IS an. In Syrien hat sie gerade ein Kind zur Welt gebracht. Nun will sie zurück in ihre Heimat und sorgt dort für heftige Debatten.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio London 

"Sympathy? You must be kidding." "Verständnis? Du machst wohl Scherze", titelt das Boulevardblatt "The Sun" in großen Lettern auf Seite eins. "Jihadi Bride: I had a good time." "Die Dschihadistenbraut: Ich hatte eine gute Zeit", ist auf der ersten Seite des "Daily Mirror" zu lesen.

Die 19-jährige Shamima Begum hat vier Jahre in Syrien gelebt, sie war mit einem holländischen IS-Kämpfer verheiratet. Am Wochenende hat sie einen Sohn zur Welt gebracht und will nun nach Großbritannien zurück. Im Interview mit Sky News sagt sie die Worte, die nun die britischen Blätter beschäftigen: "Viele Leute sollten Verständnis für mich haben. Ich hoffe, man lässt mich zurückkommen", sagt sie.

"Enthaupten von Menschen erlaubt"

Begum sitzt während des Interviews in einem kleinen holzverkleideten Raum in einem syrischen Flüchtlingslager. Vor gerade einem Tag hat sie ein Kind geboren. Erschöpft, mit fast unbewegtem Gesicht erzählt die junge Frau. Keine normale Interview-Situation, aber Aussagen, die Anlass zur Debatte geben.

Ob sie von Hinrichtungen gehört habe, fragt der Sky-Reporter, davon, dass Menschen geköpft worden seien. Sie habe davon gehört, erzählt sie, und habe kein Problem damit. Sie sei schon sehr religiös gewesen, bevor sie nach Syrien gekommen sei. Nach islamischem Recht sei das erlaubt und damit in Ordnung.

"Nichts Gefährliches getan"

Die 19-Jährige, die keine Reue zeigt, möchte nach Großbritannien zurück, weil sie Angst um ihr Baby hat. Ihre ersten beiden Kinder seien bereits gestorben, sagt sie. Sie habe sich nichts vorzuwerfen. Sie hätten keine Beweise gegen Begum. Sie sei die vier Jahre lang nur eine Hausfrau gewesen, die auf die Kinder aufgepasst habe. Sie habe nichts Gefährliches getan, niemanden ermutigt, nach Syrien zu kommen.

2015 war Begum als 15-Jährige in die damalige IS-Hochburg Rakka gereist, zusammen mit mehreren Schülerinnen aus dem Londoner Stadtteil Bethnal Green. Die Familie in London hatte vier Jahre lang keinen Kontakt zur Tochter, jetzt gab es ein erstes Telefongespräch. Der Anwalt der Familie, Mohammed Akunjee, sagte im BBC Fernsehen, dass die Familie vom ersten Tag an versucht habe, ihre Tochter zurückzuholen. Sie werde Hilfe brauchen, um der IS-Ideologie zu entsagen, wenn sie wieder da sei.

Darf sie zurück?

Aber darf sie zurück? Man könne eine britische Staatsbürgerin nicht in die Staatenlosigkeit entlassen, sagt Kulturminister Jeremy Wright der BBC, aber man dürfe sie zur Rechenschaft ziehen. Sie dürfe zurückkommen, wenn sie könne. Aber sie müsse wissen, dass man sie verantwortlich mache für das, was sie getan habe.

Innenminister Sajid Javid dagegen ist entschlossen, die Rückkehr von IS-Anhängern nach Großbritannien zu verhindern. Wer unser Land verlassen habe, um sich dem IS anzuschließen, sagt Javid, sei schließlich von Hass auf Großbritannien erfüllt gewesen. Begum hofft trotzdem: "Bitte versucht, mich zurück zu holen. Ich möchte nicht mehr hier im Flüchtlingslager leben."

Debatte um IS-Rückkehrerin in Großbritannien
Udo Schmidt, ARD London
18.02.2019 14:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Februar 2019 um 14:35 Uhr.

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