Shamima Begum | Bildquelle: LONDON METROPLITAN POLICE/HANDOU

Britische IS-Anhängerin in Syrien London will Staatsbürgerschaft entziehen

Stand: 20.02.2019 15:31 Uhr

Die britische Regierung will der IS-Anhängerin Begum die Rückkehr nach Großbritannien verweigern. Sie plant offenbar, ihr dafür die Staatsbürgerschaft zu entziehen.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio London 

Die britische Regierung will der 19-jährigen Shamima Begum die Staatsbürgerschaft aberkennen, um ihre Rückkehr nach Großbritannien zu verhindern. Das geht aus einem Schreiben an die Londoner Familie der jungen Frau hervor, das dem Fernsehersender ITV vorliegt. Großbritanniens Innenminister Sajid Javid hatte bereits am Wochenende erklärt hatte, die Rückkehr der britischen IS-Anhängerin unbedingt stoppen zu wollen.

Das Innenministerium geht offenbar davon aus, dass die 19-Jährige neben der britischen Staatsangehörigkeit auch Anspruch auf die Staatsbürgerschaft von Bangladesch hat. Dann könnte ihr der britische Pass entzogen werden, ohne sie in die Staatenlosigkeit zu entlassen.

Maßnahme rechtlich umstritten

Rechtlich ist diese Position haltbar, sagt der britische Rechts- und Terrorexperte Lord Carlile: "Wenn ihre Mutter aus Bangladesch ist, dann kann Shamima nach dortigem Recht die Staatsbürgerschaft von Bangladesch erwerben. Sie war nie dort, aber das spielt keine Rolle. Und dann wird sie nicht staatenlos, wenn ihr die britische Staatsbürgerschaft entzogen wird."

Dal Babu, früherer Scotland-Yard-Inspektor und Freund der Familie Begum, widerspricht: "Es ist sehr schwierig. Ich wüsste nicht, woher die Regierung die Rechtfertigung für den Entzug der Staatsbürgerschaft nimmt." Begum sei nie in Bangladesch gewesen, sagt Babu. "Sie hat ihr ganzes Leben in Großbritannien verbracht, bis sie dann der IS einer Gehirnwäsche unterzogen hat."

Gesicht von Shamima Begum, die ein schwarzes Kopftuch trägt. | Bildquelle: AP
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Begum bekam im IS-Lage drei Kinder - zwei starben an Unterernährung.

Der Labour-Abgeordnete Ken Clarke gibt zu bedenken: "Wir können nicht für jeden IS-Anhänger, der zurückkehren will, eine obskure Begründung für die Zurückweisung finden. Und alle britischen IS-Anhänger in Syrien zu lassen, wäre ein Desaster."

Begum will ihr Kind retten

Begum war 2015 nach Syrien gegangen, hatte dort einen niederländischen IS-Kämpfer geheiratet und drei Kinder bekommen. Zwei starben an Unterernährung. Damit das dritte, neugeborene Kind bessere Überlebenschancen hat, will die 19-Jährige nun nach Großbritannien zurückkehren.

In mehreren Interviews hatte sie sich nur zögerlich von der Terrorgruppe "Islamischer Staat" distanziert. Zum IS-Attentat in Manchester, bei dem im Mai 2017 23 Menschen ums Leben kamen, sagte die junge Frau im BBC Interview: "Ich war schockiert. Es war falsch, unschuldige Menschen zu töten."

Kritik an Medien

Die Art der Interviews mit der 19-jährigen IS-Anhängerin wird allerdings in Großbritannien auch kritisiert. "Wir müssen über die Berechtigung der Interviews reden", sagt Babu, der frühere Scotland-Yard-Inspektor. "Ist es richtig, die junge Frau im Flüchtlingslager zu treffen, wo sie von IS-Sympathisanten umgeben ist, und ihr Aussagen zu entlocken, die dann in der westlichen  Welt bewertet werden?"

Begum erklärte auf Nachfrage von ITV, sie empfinde die Pläne der Regierung, ihr den Pass zu entziehen, als ungerecht.

Debatte um Staatsbürgerschaft
Udo Schmidt, ARD London
20.02.2019 14:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Februar 2019 um 15:10 Uhr.

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