Eine Gruppe junger Juden besucht am Holocaust-Gedenktag das ehemalige KZ Auschwitz. | Bildquelle: AP

Gedenkmarsch in Auschwitz "Um der Welt zu sagen: nie wieder!"

Stand: 12.04.2018 18:53 Uhr

Tausende haben in Auschwitz der Opfer des Holocaust gedacht. Neben vielen jungen Menschen kamen zum "Marsch der Lebenden" auch die Präsidenten von Polen und Israel. Der Streit um das neue Holocaust-Gesetz bleibt.

Sie zündeten Kerzen an, hielten sich in den Armen, einige schwenkten Israel-Flaggen: Besonders viele junge Menschen aus aller Welt sind im früheren NS-Konzentrationslager Auschwitz durch das Tor mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" gezogen. Nach Angaben der Organisatoren waren insgesamt rund 12.000 zum Gedenken an die sechs Millionen jüdischen Opfer der Nazis nach Polen gereist.

Begleitet von Überlebenden des Holocaust gingen sie beim "Marsch der Lebenden" den etwa drei Kilometer langen Weg von Auschwitz nach Birkenau - das größte ehemalige deutsche KZ. Auch die 18-jährige Michelle aus Panama war dabei: "Wir kennen die Orte nur aus Filmen und Büchern. Aber jetzt, wo wir hier sind, beginnen wir zu verstehen, was unsere Vorfahren erlebt haben".

Teilnehmer bereiten sich auf den Start des "Marsches der Lebenden" im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz vor. | Bildquelle: dpa
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Sie sind zu Tausenden aus Israel und aller Welt angereist, um am "Marsch der Lebenden" teilzunehmen: Junge Juden im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz.

"Polen wurde zu ihrem Friedhof"

Zum 30. Jahrestag des Gedenkmarsches nahmen auch die Staatspräsidenten von Israel und Polen, Reuven Rivlin und Andrzej Duda, teil. "Polen war einst Heimat für viele Juden und wurde später zu ihrem Friedhof", sagte Rivlin. Und Duda ergänzte: "Unser gemeinsames Auftreten hier zeigt der Welt: nie wieder Antisemitismus, nie wieder Genozid, nie wieder Holocaust".

Überschattet wurde das Gedenken vom Streit um Polens neues Holocaust-Gesetz. Es hatte eine diplomatische Krise zwischen Israel und der nationalkonservativen Regierung in Warschau ausgelöst. Die Regelung sieht Geld- und sogar Haftstrafen für diejenigen vor, die dem polnischen Staat oder Volk "öffentlich und entgegen den Fakten" die Verantwortung oder Mitverantwortung für Verbrechen des Nazi-Regimes zuschreiben. Polen war von 1939 bis 1945 von NS-Deutschland besetzt.

Holocaust-Überlebender im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz | Bildquelle: REUTERS
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Der Holocaust-Überlebende Zoltan Matyah zeigt die Nummer, die auf seinen Arm tätowiert ist. Er nimmt auch am "Marsch der Lebenden" teil.

"Unbequeme historische Wahrheit"

"Ein großer Schatten liegt immer noch auf unseren Beziehungen", sagte Israels Staatspräsident Rivlin vor dem Marsch. Duda warb um Verständnis für das Gesetz: "Wir wollen die historische Wahrheit schützen, auch wenn sie für Polen unbequem ist", verteidigte er die Regelung.

Auch die jungen Teilnehmer des Gedenkmarsches diskutierten teilweise heftig über das Gesetz. "Die Polen hatten keine Regierung, sie haben nichts getan", meinte Michelle aus Panama. Einer ihrer Kameraden widerspricht ihr. Er meint, auch Polen hätte Straftaten verübt: "Sie können sich nicht einfach per Gesetz von ihrer Schuld befreien."

"Marsch der Lebenden" erinnert an Holocaust-Opfer
tagesschau 20:00 Uhr, 12.04.2018, Olaf Bock, ARD Warschau

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Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. April 2018 um 20:00 Uhr.

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