Zwei israelische Soldaten schießen Tränengas auf palästinensische Demonstranten in Hebron | Bildquelle: ABED AL HASHLAMOUN/EPA-EFE/REX/S

Vor Einweihung US-Botschaft Israels Armee rüstet sich

Stand: 14.05.2018 03:42 Uhr

Einen Tag vor der Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem ist die israelische Armee in Alarmbereitschaft. Es werden Palästinenser-Proteste erwartet. Israel schließt einen wichtigen Übergang zum Gazastreifen.

Nach den teilweise gewalttätigen Protesten vom Freitag hat das israelische Militär einen wichtigen Grenzübergang für Versorgungsgüter in den Gazastreifen geschlossen.

Eine Gruppe Palästinenser habe zuvor einen Treibstoffkomplex unmittelbar an der Grenze angezündet und damit am Übergang Kerem Schalom einen Schaden von mehr als 7,5 Millionen Euro angerichtet, teilte die Armee mit. Die wichtigsten Gas- und Treibstoffleitungen seien unbenutzbar, elektrische und andere Anlagen beschädigt.

Kerem Schalom war einziger Versorgungsübergang

Der Grenzübergang soll den Angaben zufolge bis auf weiteres geschlossen bleiben, was die Belastung für die Menschen im Gazastreifen noch verschärfen dürfte. Die Treibstoffanlage in Kerem Schalom ist der einzige Weg, Diesel nach Gaza zu bringen.

Israelische Soldaten am Grenzübergang | Bildquelle: AFP
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Israelische Soldaten bewachen den Kerem-Schalom-Grenzübergang.

Der Treibstoff wird unter anderem für den Betrieb von Generatoren in Krankenhäusern und anderen wichtigen Anlagen gebraucht. Die Zivilbevölkerung verwendet Gas und Benzin auch zum Kochen. Beides wird normalerweise täglich geliefert. Aus Sorge vor Engpässen bildeten sich am Samstagabend bereits Schlangen an Tankstellen.

Luftangriffe nahe Grenzübergang Eres

Die israelische Luftwaffe flog zudem am Abend mehrere Angriffe nahe des Grenzübergangs Eres. Man habe dort einen Tunnel der radikalen Palästinenserorganisation Hamas zerstört, sagte Militärsprecher Jonathan Conricus. Die Hamas sprach dagegen von einem gescheiterten Versuch, für Montag geplante Proteste zu verhindern.

Conricus sagte, der Bau des Tunnels und die Demolierung der Gas- und Treibstoffleitungen zeige, dass die Hamas und andere militante Gruppen mit den Massenprotesten zynisch ihre Angriffe auf Israel tarnten. "Die Hamas tötet Gaza mit ihren Terroraktivitäten gegen zivile Einrichtungen", sagte er. Man habe die Truppenstärke an der Grenze verdoppelt und werde nicht zulassen, dass sich die Gegend in eine Kampfzone verwandle.

Massenproteste erwartet

Israel erwartet in den kommenden Tagen Massenproteste der Palästinenser: Heute wollen Tausende Israelis den Jerusalem-Tag feiern - die Eroberung Ost-Jerusalems während des Sechstagekrieges 1967 durch Israel. Am Montag soll dann die neue US-Botschaft in Jerusalem eingeweiht werden.

Skyline von Jerusalem bei Nacht | Bildquelle: AFP
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Jerusalem im Fokus: Am Sonntag feiern Tausende Israelis den Jerusalem-Tag, am Montag wird die neue US-Botschaft eingeweiht.

Am Dienstag jährt sich zudem zum 70. Mal die "Nakba" (deutsch: Katastrophe oder Unglück). An diesem Tag erinnern die Palästinenser an die Vertreibung und Flucht von rund 760.000 Landsleuten, die 1948 auf die Gründung des Staats Israel folgten. Es wird damit gerechnet, dass dann Zehntausende Palästinenser an der Grenze des Gazastreifens demonstrieren. Die dort herrschende radikalislamische Hamas hatte die Palästinenser in den vergangenen Tagen ermutigt, die Grenzanlage zu überwinden.

Seit Ende März hat die israelische Armee bei den vielfach gewalttätigen Protesten am Gazastreifen gegen Vertreibung und Landnahme bereits 54 Palästinenser erschossen. Das neueste Todesopfer wurde am Samstag gemeldet. Ein am Freitag durch Schüsse israelischer Soldaten verletzter 15-jähriger Palästinenser sei seinen Verletzungen erlegen, teilte das Gesundheitsministerium im Gazastreifen mit. Der Jugendliche war demnach bei Protesten nahe Rafah im Süden des Palästinensergebietes getroffen worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Mai 2018 um 01:00 Uhr.

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