Israel/Jordanien - Warnschilder an der Grenze

Israel und Jordanien 25 Jahre kalter Frieden

Stand: 26.10.2019 04:36 Uhr

Der Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien gilt auch nach 25 Jahren noch als historisch. Doch am Streit um ein Stück Land zeigt sich exemplarisch, wie schwer das mit dem Frieden im Alltag ist.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Oran Reuveni ist Landwirt. Er schaut auf die Felder, die seine Familie jahrzehntelang bestellt hat. Mit Oliven, Avocados, Mangos und Datteln. Doch zwischen Reuveni und den Feldern liegt eine Brücke mit zwei Flaggen. Die Grenze.

Reuveni ist Israeli. Seine Felder liegen in Jordanien. Und es ist gut möglich, dass er sie nie wieder betreten kann. "Das letzte Mal habe ich die Grenze, glaube ich, vor acht Monaten passiert. Da haben wir den Olivenanbau gestoppt. Wenn dieses Land wieder an Jordanien geht, wollen wir dort keinen einzigen Schekel mehr ausgeben."

Wenige Meter entfernt fließen der Jordan und der Yarmouk. "Zwei Flüsse" - Naharahim heißt die Gegend auf Hebräisch. Auf Arabisch heißt sie Baqoura. Die jüdischen Vorgänger des israelischen Bauern Reuveni arbeiteten hier bereits vor der Staatsgründung Israels. Nach dem Krieg im Jahr 1948 war die Gegend jahrzehntelang umstritten. 1994 folgte dann der historische Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien. Darin wurde bekräftigt, dass das Gebiet zu Jordanien gehört. Eine Zusatzklausel räumte israelischen Bauern jedoch ein, das Land zu pachten und zu nutzen.

Oran Reuveni (Mitte) mit israelischen Landwirten.
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Landwirt Oran Reuveni (Mitte) fürchtet, dass er bald nicht mehr auf die Felder kann, die seine Familie seit Jahrzehnten bestellt.

Das Ende des Pachtvertrags

Israelische Landwirte auf jordanischem Boden: Eine Vereinbarung mit großer Symbolik. Sie stand vor 25 Jahren für die Hoffnungen, die beide Seiten mit dem Friedensvertrag verbanden. Doch der Frieden zwischen Israel und Jordanien blieb ein kalter Frieden.

Und so verkündete Jordaniens König Abdullah fristgerecht vor einem Jahr, die Vereinbarung nicht zu verlängern:

"Ich habe schon oft gesagt, dass unsere Priorität sein muss, unsere Interessen zu schützen. Alles für Jordanien und die Jordanier zu tun. Ich ordne daher an, die Vereinbarung zu beenden. Wir wollen volle Souveränität auf unserem Land."

"Insel des Friedens" nennen die Israelis die Gegend, die sie ab Mitte November nicht mehr nutzen dürfen. 1997 hatte hier ein jordanischer Soldat sieben israelische Schülerinnen erschossen. Hussein, damals König von Jordanien, fuhr sofort nach Israel und entschuldigte sich bei den Familien. Eine Geste, für die ihm viele Israelis Anerkennung zollten. Die "Insel des Friedens" sollte trotz der gewaltvollen Geschichte zwischen Israel und Jordanien Hoffnung machen.

Die Insel des Friedens - ab November dürfen die Israelis die Gegend nicht mehr nutzen.
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Die "Insel des Friedens" - ab November dürfen die Israelis die Gegend nicht mehr nutzen.

Die Hoffnungen wurden nicht erfüllt

Doch ein Ort der Begegnung wurde sie nie. Die einzigen Jordanier, die Reuveni bei seiner Arbeit traf, waren Grenzsoldaten. Dabei hätte er sich eine enge Zusammenarbeit mit den Nachbarn gut vorstellen können. "Der große Traum jedes israelischen Landwirtes im Jordantal ist doch, dass jordanische Arbeiter auf unsere Felder kommen. Wir haben kein Land, sie haben es. Wir haben die Technik und das Know-How, sie haben das etwas weniger. Ich glaube, zusammen würden beide Seiten gewinnen."

Ein israelischer Soldat blickt an der grenze Richtung Jordanien.
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25 Jahre nach Unterzeichnung des Friedensvertrags blickt ein israelischer Soldat an der Grenze Richtung Jordanien.

Oran Reuveni macht den Jordaniern keine Vorwürfe. Für ihn sei die israelische Regierung zuständig. Die habe versagt und keinen Kompromiss gefunden. "Dieses Gebiet ist ein großer Teil von mir. Ich habe keinen großen Hoffnungen, dass es noch eine Einigung gibt. Die einzige Chance ist, dass uns König Abdullah einen Gefallen tut."

Doch danach sieht es aktuell nicht aus. Spätestens ab Mitte November dürfte das Gebiet - das zu einer gemeinsamen Insel des Friedens werden sollte - vollständig an die Jordanier fallen.

25 Jahre Friedensvertrag - Aus für die Insel des Friedens?
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
26.10.2019 17:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Oktober 2019 um 07:50 Uhr.

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