Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen, Danny Dannon, in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats. | Bildquelle: AFP

UN nach Kampfjet-Abschuss Explodiert der Nahostkonflikt?

Stand: 25.07.2018 04:49 Uhr

Israel feuert Raketen auf einen syrischen Kampfjet ab - und bei den UN hält man den Atem an. Eine Explosion des Nahost-Konflikts scheint unvermeidbar, wenn die Dynamik anhält.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Die Nahostkrise - ein großes Wort, ein weites Feld. Nur Stunden, bevor die UN-Gesandten im Sicherheitsrat wieder zusammensaßen, eskaliert die Lage - dieses Mal über den Golanhöhen. Israel schießt einen syrischen Kampfjet ab.

Der Nahostbeauftragte des UN-Generalsekretärs, Nikolaj Mladenov, sitzt in Jerusalem und erklärt sachlich per Videokonferenz die Lage. Die Spannungen zwischen Israel und Syrien nähmen zu, sagt er. So kann man es auch sagen.

Die israelische Armee feuerte zwei Patriot-Bodenluftraketen auf einen syrischen Kampfjet ab. Die Maschine stürzte über syrischem Gebiet zu Boden. Israels UN-Botschafter Danny Danon sagt, man habe Syrien gewarnt:

"Wir haben gewarnt, die entmilitarisierte Zone von 1974 nicht zu verletzen. Israel wird keine Verletzung seiner Souveränität dulden."

Schon 2014 schoss Israel einen syrischen Kampfjet ab

Bei den Vereinten Nationen halten sie den Atem an. Israel als neue, weitere Konfliktpartei im Syrienkrieg? 2014 schon hatten die Israelis einen syrischen Kampfjet abgeschossen, im Februar 2018 eine offenbar bewaffnete iranische Drohne. Am selben Tag holte Syrien einen israelischen Kampfjet vom Himmel. Es folgten Raketenbeschuss und Scharmützel.

Israel mahnte an, die Vereinbarungen von 1974 einzuhalten. In jenem Jahr hatten die Vereinten Nationen die UNDOF-Blauhelmmission im Golan stationiert, eine entmilitarisierte Zone eingerichtet, nachdem Israel 1967 die Golanhöhen von Syrien erobert hatte.

Jetzt aber eskaliert die Lage dort auch wegen des Syrienkrieges und der Rolle Irans. Iranische Truppen kämpfen an der Seite des syrischen Regimes. Israel aber dulde keine iranischen Kämpfer nahe israelischer Grenzen - auch das ist die Botschaft jetzt im Sicherheitsrat.

Israels UN-Botschafter Danon machte klar: Egal, ob unser Premier mit Putin oder Trump redet: Wir erlauben keine iranischen Stellungen nahe Israel.

Nichts geht mehr weiter - außer dem Konflikt

Israel und die USA gegen Syrien und den Iran. Saudi-Arabien gegen den Iran. Libanon gegen Israel. Der Nahostkonflikt explodiert. Und die Palästinenser, seit 70 Jahren mitten drin, sagt der leicht verzweifelte UN-Nahostbeauftragte Mladenov:

"Wenn wir jetzt nicht ernsthaft versuchen, die Dynamik zu stoppen, ist eine Explosion unvermeidbar."

Dem UN-Hilfswerk für Palästina geht derweil das Geld aus. 250 Millionen Dollar fehlen. Die USA hatten Gelder gestrichen, weil die Palästinenser nicht mit Israel verhandeln wollten.

Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley sagt, Amerikaner seien stets sehr großzügig, aber sie seien nicht dämlich. Die USA, so Haley, erwarteten, dass ihre ausgestreckte Hand nicht auch noch gebissen werde.

Ende der Sitzung nach 45 Wortmeldungen und fast sechs Stunden Reden. Nichts geht mehr weiter bei den UN - außer der Krise im Nahen Osten.

Israel schiesst syrischen Jet ab - UN-Sicherheitsrat tagt
Georg Schwarte, ARD New York
25.07.2018 07:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Juli 2018 um 15:00 Uhr.

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