Benny Gantz | Bildquelle: AP

Hackerangriff auf Netanyahu-Herausforderer Einmischung aus Teheran?

Stand: 18.03.2019 05:30 Uhr

Kurz vor der Parlamentswahl in Israel haben sich Unbekannte in das Smartphone des Kandidaten Gantz gehackt. Nun rätselt das Land: Wer steckt hinter dem Angriff? Und warum wird er jetzt öffentlich?

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Eigentlich wollte Benny Gantz über die Sicherheit Israels reden. Der ehemalige Armeechef und aktuelle Spitzenkandidat seiner Wahlliste "Blau-Weiß" bei den israelischen Parlamentswahlen stand in der Nähe der Grenze zum Gaza-Streifen - keine 24 Stunden, nachdem von dort Raketen auf Tel Aviv geschossen wurden.

Gantz forderte eine harte Antwort auf den Beschuss, wollte sich profilieren als einer, dem die Israelis die Sicherheit ihres Landes unbesorgt anvertrauen können. Doch dann musste Gantz über ein völlig anderes Sicherheitsthema reden. Sein Smartphone war gehackt worden und die Reporter hatten nun viele Fragen. Waren vertrauliche oder pikante private Daten darauf? Ist der Kandidat Gantz möglicherweise erpressbar? Die Antwort - ein klares Nein.

 "Es gibt auf diesem Telefon keinerlei Dinge, die die Sicherheit betreffen und auch keine Bedrohung, die gegen mich gerichtet ist, auch keine Erpressung. Das ist einfach nur eine unethische Einmischung, auf die ich mich nicht einlassen möchte", sagt der Kandidat.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu | Bildquelle: REUTERS
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Ministerpräsident Netanyahu wirft Gantz Nähe zu Iran vor.

Geheimdienst verdächtigt Iran

Israels Inlandsgeheimdienst informierte Gantz schon vor einiger Zeit über den Hackerangriff. Der Geheimdienst vermutet einem Fernsehbericht zufolge den Iran hinter der elektronischen Ausspähung. Versucht eine ausländische Macht, den Wahlkampf in Israel zu beeinflussen?

Details zu dem Hackerangriff sind in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Der Inlandsgeheimdienst schweigt sich aus. Ran Bar-Zik, israelischer Experte für Cybersecurity, sagte: "Uns liegen keine genauen Informationen vor, ob es sich zum Beispiel um einen Angriff auf die Bilderdateien des Telefons handelte oder ob ein Programm installiert wurde. Es gibt so viele Wege, ein Telefon anzugreifen. Aber gerade, weil es sich um einen ehemaligen Generalstabschef handelt, hätte ich erwartet, dass der Geheimdienst seinem Schutz größere Aufmerksamkeit schenken würde." 

Für Benny Gantz, der sich Chancen ausrechnen kann, Amtsinhaber Benjamin Netanyahu bei den Wahlen im April zu besiegen, kommt die Veröffentlichung des Hackerangriffs zur Unzeit. Dass der Iran hinter dem Angriff stecke, sei nicht bewiesen, erklärte seine Partei. Das Lager von Gantz fordert nun Ermittlungen, um herauszufinden, wer die Medien mitten im Wahlkampf über den Hackerangriff informierte.

Opposition spricht von Ablenkungsmanöver

Benjamin Netanyahu twitterte ein Video, in dem er behauptet, Gantz werde vom Iran unterstützt und habe das Nuklearabkommen mit Teheran befürwortet. Netanyahus Likud-Partei warf in Social-Media-Kanälen die Frage auf, ob man einen Kandidaten wählen wolle, der vom Iran unterstützt werde.

Netanyahu wolle so nur von seiner eigenen Korruptionsaffäre ablenken, sagte Avi Gabbay, der Vorsitzende der oppositionellen Arbeitspartei: "Ich habe keinen Zweifel daran, dass diese Nachricht nicht zufällig drei Wochen vor der Wahl bekannt wird. Was uns vielmehr Sorgen machen sollte, ist, dass unser Premierminister den Wahlen entgegengeht als wäre nichts geschehen."

Die Justiz plant Netanyahu wegen Bestechlichkeit, Untreue und Betrug anzuklagen. Doch darüber wird in der israelischen Öffentlichkeit gerade weniger diskutiert als über das Smartphone des Netanyahu-Herausforderers Benny Gantz.

Einmischung aus Teheran oder wer steckt hinter dem Angriff?
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
18.03.2019 07:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. März 2019 um 05:51 Uhr.

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