Mehrere Tote und Verletzte bei Anschlag am Istanbuler Flughafen

Terrorismus in der Türkei Viele Tote bei Anschlag auf Istanbuler Flughafen

Stand: 30.06.2016 09:03 Uhr

Drei Selbstmordattentäter haben am Istanbuler Atatürk-Flughafen mindestens 36 Menschen getötet. Die türkische Regierung vermutet den IS als Urheber. Präsident Erdogan verurteilte die Tat und rief die Welt zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus auf.

Auf den auch international bedeutsamen Atatürk-Flughafen der türkischen Millionenmetropole Istanbul hat es einen verheerenden Anschlag gegeben. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte bei einem Besuch des Tatorts, 36 Menschen seien getötet worden. Viele Menschen seien zudem verletzt worden, die meisten allerdings nur leicht. Zuvor hatte Justizminister Bekir Bozdag von 147 Verletzten gesprochen.

Yildirim sagte, unter den Opfern seien Türken und Ausländer. Das Auswärtige Amt erklärte, es gebe noch keine Hinweise, dass unter ihnen Deutsche sind.

Nach Angaben des Regierungschefs deuten erste Hinweise darauf hin, dass die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Urheber des Angriffs ist. Die türkische Behörden vermuten den IS laut eigenen Angaben hinter mindestens fünf Attentaten in dem Land - die Miliz bekannte sich aber bislang zu keiner dieser Taten.

Der türkische Ministerpräsident Yildirim (Mitte) am Ort des Anschlags
galerie

Ministerpräsident Yildirim besuchte den Anschlagsort noch in der Nacht.

Ministerpräsident spricht von drei Selbstmordattentätern

Yildirim sagte weiter, laut bisherigen Erkenntnissen hätten die drei Selbstmordattentäter zunächst das Feuer eröffnet und sich dann in die Luft gesprengt. Sie seien per Taxi zum Flughafen gekommen. Angaben zu ihrer Identität machte er nicht. Auf die Frage, ob ein möglicher vierter Attentäter entkommen sei, antwortete er, es gebe keine entsprechenden Erkenntnisse, aber die Behörden gingen jeder Spur nach. Der Regierungschef bestritt, dass es an dem Flughafen Sicherheitsmängel gebe.

Aufnahmen von Überwachungskameras dokumentierten dramatische Szenen: Die im türkischen Fernsehen ausgestrahlten Bilder zeigen, wie ein Attentäter im Terminalgebäude zu Boden geht - offenbar getroffen vom Schuss eines Polizisten. Liegend zündet er einen Sprengsatz. Die Bilder einer anderen Kamera zeigen einen massiven Feuerball am Eingang zu dem Terminal. Die Detonation ließ Flughafenbesucher in Panik davonlaufen. An dem Gebäude entstand beträchtlicher Sachschaden.

Der Flugverkehr wurde vorübergehend komplett eingestellt. Laut ARD-Korrespondent Oliver Mayer-Rüth ist der Flughafen bereits wieder geöffnet, um ein logistisches Chaos zu vermeiden. Denn der Atatürk-Flughafen, der im europäischen Teil Istanbuls liegt, ist der größte der Türkei. Er lag 2015 weltweit auf Platz elf der verkehrsreichsten Airports und hat ein Passagieraufkommen, das mit dem des Frankfurter Flughafens vergleichbar ist.

Erdogan: "Anschlag galt allen Menschen"

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Attacke scharf und forderte die Welt zum entschlossenen Handeln gegen den Terrorismus auf: "Ich hoffe, dass der Anschlag am Istanbuler Flughafen auf der ganzen Welt, allen voran in den westlichen Staaten, ein Meilenstein, ein Wendepunkt für den gemeinsamen Kampf gegen die Terrororganisationen sein wird." Der Angriff habe nicht nur 79 Millionen Türken, sondern allen Menschen gegolten: "Jeder soll wissen, dass die Terrororganisationen nicht unterscheiden zwischen Istanbul und London, Ankara und Berlin, Izmir und Chicago, Antalya und Rom."

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Opfern ihre Anteilnahme aus. Sie sei erschüttert über "diese neuen und hinterhältigen Akte des Terrorismus", sagte sie am Rande des EU-Gipfels in Brüssel: "Ich möchte dem ganzen türkischen Volk von hier aus sagen, dass wir uns im Kampf gegen den Terrorismus vereint sehen und uns gegenseitig unterstützen werden."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich "entsetzt" über die Nachrichten aus Istanbul. "Unsere Gedanken gelten in diesen Stunden den Menschen in der Türkei", schrieb er auf Twitter.

Spezialeinheiten am Anschlagsort
galerie

Spezialeinheiten sichern den Anschlagsort: Die Attentäter sollen zuerst das Feuer eröffnet und sich dann in die Luft gesprengt haben.

Viele Anschläge in den vergangenen Monaten

In der Türkei hatte es in den vergangenen Monaten eine Reihe von Attentaten gegeben. Für diese machte die Regierung in Ankara meist die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) oder die Terrormiliz "Islamischer Staat" verantwortlich. In Istanbul war erst Anfang des Monats ein Anschlag auf einen Polizeibus verübt worden. Sechs Polizisten und fünf Zivilisten wurden dabei getötet. Zu dem Anschlag bekannte sich die kurdische Rebellengruppe "Freiheitsfalken Kurdistans" - TAK. Sie warnte bereits damals Touristen, die Türkei sei nicht länger sicher für sie.

Die USA hatten schon im April ihre Bürger zu extremer Vorsicht aufgerufen. Es gebe "glaubwürdige Drohungen" gegen Touristenziele in der Türkei, vor allem an öffentlichen Plätzen in Istanbul und im Badeort Antalya. Auch das Auswärtige Amt in Berlin warnte "in allen Teilen der Türkei grundsätzlich" vor einer "terroristischen Gefährdung". Reisenden in Istanbul, Ankara und anderen Großstädten wird zu "erhöhter Vorsicht" geraten.

Darstellung: