Ein Wahlplakat der Lega-Kandidatin für die Toskana bei den Regionalwahlen in Italien, der Europaparlamentarierin Susanna Ceccardi | Bildquelle: AFP

Regionalwahlen in Italien "Rote Hochburgen" könnten fallen

Stand: 20.09.2020 09:34 Uhr

Bei den Regionalwahlen heute und morgen in Italien könnten die Rechten in linken Hochburgen gewinnen. In der Toskana hat die Lega-Kandidatin Ceccardi gute Chancen. Ermöglicht "die Löwin" Parteichef Salvini ein Comeback?

Von Verena Schälter, ARD-Studio Rom

Federico Gelli läuft durch die Gänge des Krankenhauses Santa Maria Nuova in Florenz. An den Wänden hängen Fotos, die teils dramatische Szenen zeigen. "Diese Fotoausstellung ist das Werk eines tollen Fotografen, der wirklich dramatische Momente hier im Krankenhaus festgehalten hat: Er zeigt die Gesichter von Krankenpflegern und Ärzten in teils sehr intimen Momenten, aber auch wie wir in dieser Pandemie als Team zusammengehalten haben." 

Gelli war in den vergangenen Monaten ein sehr gefragter und viel beschäftigter Mann in der Toskana. Denn er leitet das Corona-Krisenzentrum der regionalen Gesundheitsbehörden in Florenz. Wenn man der Pandemie überhaupt etwas Gutes abgewinnen wolle, dann, dass sie ein Schlaglicht auf das marode Gesundheitssystem in Italien geworfen habe, findet Gelli. "Ich glaube, dass die gesamte Politik aufgerufen ist, sich über die Zukunft des Gesundheitssystems Gedanken zu machen. Nicht nur in der Toskana, in ganz Italien. Zum ersten Mal haben alle verstanden, wie wichtig ein staatliches und gerechtes Gesundheitssystem ist."

Wechselstimmung trotz Zufriedenheit

Dabei hätten sie die Lage in der Toskana noch verhältnismäßig gut im Griff gehabt, so Gelli. Das Gesundheitssystem dort gilt als eines der besten in ganz Italien. Und auch sonst zeigen sich die Toskaner recht zufrieden mit ihrer Region. Laut einer aktuellen Umfrage sagen 63 Prozent, dass die Toskana gut bis sehr gut verwaltet werde. Dennoch könnte es hier bald einen historischen Wandel geben.

Die Toskana gilt als "rote Hochburg": Hier wurde die Kommunistische Partei Italiens gegründet. Mehr als 70 Jahre regierten zuerst die KPI und nach ihrer Auflösung der sozialdemokratische Partito Democratico.

Eine Frau im italienischen Neapel gibt bei der Regionalwahl ihre Stimme ab. | Bildquelle: REUTERS
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Seit dem Morgen wird abgestimmt - bei den Regionalwahlen in Teilen des Landes und über eine Verfassungsänderung in ganz Italien. In dem referendum geht es um eine Verkleinerung des Parlaments.

Die Lega setzt auf Ceccardi

Doch nun ist die Jahrzehnte anhaltende Alleinherrschaft der Linken bedroht. "Diese Wahlkampagne ist fantastisch gewesen. Wir sind durch die ganze Toskana gefahren und haben überall gespürt, wie groß die Begeisterung ist. Und sie wird von Tag zu Tag größer." Susanna Ceccardi, 33 Jahre, war bereits Bürgermeisterin von Càscina, einer gut 45.000-Einwohner-Stadt bei Pisa und saß im Europaparlament. Jetzt, bei den Regionalwahlen, ist sie die große Hoffnung der Rechten in der Toskana - und von Lega-Chef Matteo Salvini.

2019 brachte Salvini, damals noch Innenminister, die italienische Regierung zu Fall, um dann selbst Ministerpräsident zu werden. Doch der Plan ging nicht auf: Die Sozialdemokraten und die populistische Fünf-Sterne-Bewegung haben es mit Mühe und Not geschafft, eine Regierung zu bilden. Und Salvini musste zurück in die Opposition.

Salvinis Chance auf ein Comeback

Seitdem sind seine Umfragewerte auf nationaler Ebene zwar gesunken, doch die Lega ist nach wie vor die stärkste Partei im Land, wenn auch nur knapp. Sollte nun die "Leonessa", die Löwin, wie Lega-Kandidatin Ceccardi von der Presse genannt wird, in der Toskana gewinnen, könnte das Salvinis Weg für ein Comeback ebnen. 

Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ceccardi und Eugenio Giani, dem Kandidaten der Sozialdemokraten voraus. Dementsprechend stecken Salvini und sein Team bis zuletzt besonders viel Energie in den Wahlkampf in der Toskana. 

"Um Italien und die Toskana wieder voranzubringen, brauchen wir niemanden, der schon am Ende seiner Karriere steht", so der Lega-Chef. "Wir brauchen den Enthusiasmus und den Mut, um etwas zu verändern! Susanna Ceccardi war Bürgermeisterin von Càscina und wird bald Bürgermeisterin für alle Toskaner."

Politiker rechter Parteien stehen mit der toskanischen Lega-Kandidatin Ceccardi beim Wahlkampfabschluss zu den Regionalwahlen auf der Bühne. | Bildquelle: AFP
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Wahlkampfabschluss am Freitag: Ceccardi flankiert von Vertretern rechter Parteien, ganz rechts Salvini.

Wahlen in sechs Regionen

Außer in der Toskana finden in sechs weiteren Regionen Wahlen statt: In Ligurien, Kampanien, Venetien, den Marken, Apulien und dem Aostatal. Venetien und Ligurien werden bereits von Vertretern der Rechten regiert. Und laut Umfragen stehen ihre Chancen für eine Wiederwahl gut. Auch in der Region Marken, bislang links regiert, liegt der Kandidat der Rechten in den Umfragen mit Abstand vorn.

Sollte Lega-Kandidatin Ceccardi auch in der Toskana einen Sieg einfahren, wäre das ein wichtiger symbolischer Sieg der Rechten, der die ohnehin zerstrittene Regierung in Rom stark unter Druck setzen dürfte.

Regionalwahlen in Italien als Stimmungstest für Regierung
Verena Schälter, ARD Rom
20.09.2020 08:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. September 2020 um 08:00 Uhr.

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