Italien ist wegen des Coronavirus Sperrzone. | Bildquelle: ANGELO CARCONI/EPA-EFE/Shutterst

Coronavirus in Italien Entspannte Stimmung in der Sperrzone

Stand: 10.03.2020 13:59 Uhr

Trotz der landesweiten Reisebeschränkungen ist die Stimmung in der italienischen Hauptstadt entspannt. Die Römer haben Verständnis für die Maßnahmen - einige fordern sogar noch strengere.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Die 50 Jahre alte Römerin Cristina macht in der Nähe des Gianicolo in Rom ihren Vormittagsspaziergang - ganz entspannt, wie jeden Tag. Dass die Regierung wegen der Coronavirus-Krise über Nacht das Land zur Schutzzone erklärt, nimmt sie gelassen. Wenn man das nicht so mache, werde man das Problem nicht los, stellt sie fest. "Einige haben bis zuletzt so getan, als könne es so weitergehen wie bisher. Das ist nicht in Ordnung."

An die Weisung der Regierung, nun möglichst viel zu Hause zu bleiben, will sich die Hausfrau halten.

"Ich werde mein Möglichstes tun. Zur Arbeit gehe ich nicht, also bleibe ich zu Hause", erzählt sie. "Am Vormittag gehe ich raus, um ein bisschen frische Luft zu schnappen. Und dann kehre ich wieder nach Hause zurück."

Keine Panik spürbar

Die Stimmung auf den Straßen in Rom am Tag eins in der nationalen Schutzzone ist entspannt. Panik ist nicht zu spüren, auch von der eigentlich üblichen Verärgerung über die Regierung, die die Menschen hier sonst gerne kundtun, ist diesmal nichts zu hören.

Der 52-jährige Giuseppe parkt gerade seine Vespa, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Auch von ihm kommt Zustimmung zu den drastischen Maßnahmen der Regierung gegen die Ausbreitung des Coronavirus.

Er findet das richtig gut, betont Guiseppe. "Die Situation ist ernst. Ich finde, man könnte sogar noch härtere Maßnahmen ergreifen. Beispielsweise eine komplette Ausgangssperre am Abend. Weil es immer noch Menschen gibt, die nicht die Ernsthaftigkeit des Problems begreifen."

Restaurants und Bars müssen ab 18 Uhr schließen

Durch das Regierungsdekret ist von heute an das Reisen von einer Stadt in die andere nur noch aus triftigen Gründen erlaubt - zum Beispiel, weil man an seinen Arbeitsplatz oder zu einem Arzttermin muss.

Innerhalb der Städte müssen ab 18 Uhr alle Restaurants und Bars geschlossen haben, auch Kinos, Musikclubs, Fitnesszentren oder andere Treffpunkte bleiben zu. Öffentliche Veranstaltungen sind untersagt.

Ministerpräsident Giuseppe Conte sagt, der Schritt, das Leben der Italiener so stark einzuschränken, sei ihm schwer gefallen. Er sei sich der Verantwortung und der Schwere der Entscheidung bewusst, die damit verbunden ist, die Maßnahmen für die gesamte Halbinsel anzuwenden. "Aber ich war gezwungen, noch entschiedener als bislang vorzugehen, um uns alle zu schützen - vor allem die Schwächeren und Verwundbareren."

"Italiener verzichten auf alles, aber nicht aufs Essen"

Hauptauslöser für die Entscheidung, ganz Italien zur Schutzzone zu erklären, sei sowohl die drastisch gestiegene Zahl der Infektionen als auch die der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus, sagt Conte.

Innerhalb von 24 Stunden wurden 1800 neue Ansteckungsfälle registriert, insgesamt sind fast 9200 Italiener mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Toten ist um 100 auf 463 gestiegen. Tödlich verläuft die Erkrankung vor allem für viele Ältere. Mehr als 40 Prozent der Verstorbenen waren älter als 80.

Der 79 Jahre alte Giuseppe geht in Rom gerade in einen Supermarkt, um einzukaufen. Auch er findet die von der Regierung beschlossenen neuen Maßnahmen gut. Dass es jetzt aufgrund der Schutzzonen-Regeln zu Engpässen in der Versorgung mit Lebensmitteln kommen könnte, befürchtet der Rentner nicht.

Er glaube nicht, dass es Schwierigkeiten geben werde, etwas zu finden, meint Giuseppe. "Die Italiener verzichten auf alles, aber nicht auf das Essen. Daher wird der Handel mit Lebensmitteln keine dramatischen Stopps erleiden".

Hamsterkäufe bleiben bislang aus

Aus einigen rund um die Uhr geöffneten Supermärkten in Rom wird allerdings berichtet, dass es in der Nacht zumindest zu verstärkten Einkäufen gekommen ist. Regelrechte Hamsterkäufe aber gab es bislang nicht, in vielen Supermärkten sind die Regale am Tag eins der Schutzzone gut gefüllt. Auch der öffentliche Nahverkehr läuft weiter.

Keine Probleme gibt es nach derzeitigem Stand für Touristen, die das Land verlassen wollen. Eine Rückreise nach Hause ist einer der akzeptierten Gründe, um trotz des inneritalienischen Reiseverbots unterwegs zu sein.

Entspannte Stimmung in Italien an Tag eins der nationalen Schutzzone
Jörg Seisselberg, ARD Rom
10.03.2020 12:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL am 10. März 2020 um 12:06 Uhr.

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