Passanten vor dem Kolosseum in Rom. | Bildquelle: dpa

Steigende Zahlen in Italien "Wir dürfen keine Zeit verlieren"

Stand: 19.10.2020 11:08 Uhr

Nach stabilen Zahlen im Sommer steigen die Corona-Infektionen in Italien wieder rasant an. Deshalb hat die Regierung die Schutzmaßnahmen erneut verschärft. Einige Lokale müssen nun bereits um 18 Uhr schließen.

Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Tagelang haben sie miteinander gerungen. Die Minister, die Regionen, die Regierung. Doch bei einem sind sie sich alle einig, so Ministerpräsident Giuseppe Conte bei der Vorstellung der neuen Maßnahmen: "Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wir müssen handeln, indem wir alle nötigen Maßnahmen auf den Weg bringen, um einen allgemeinen Lockdown zu verhindern."

Angst vor flächendeckender Ausbreitung

Die Angst vor einem zweiten Lockdown sitzt tief in Italien. Anfang März war das ganze Land als Reaktion auf die Corona-Pandemie, die besonders im Norden entsetzlich wütete, heruntergefahren worden, wochenlang. Tausende Menschen starben innerhalb kürzester Zeit. Nach weitgehend stabilen Zahlen in den Sommermonaten steigen nun die neuen Infektionen mit dem Virus rasant an, zuletzt kletterten sie auf mehr als 11.700 Fällen innerhalb von 24 Stunden.

Es wird zwar mehr getestet als früher - das betonen auch die Experten - , doch trotzdem ist die Sorge groß, dass sich das Virus erneut rasend schnell und dieses Mal auch flächendeckend ausbreiten könnte. Die Regierung hat deshalb vor allem Menschenansammlungen im Blick. Von heute an dürfen Bürgermeister Plätze oder Zentren ab 21 Uhr sperren, wenn sie es für nötig halten. Auch in den Lokalen gelten neue Regeln.

39 Milliarden Corona-Hilfen

"In den Restaurants dürfen höchstens sechs Personen an einem Tisch sitzen. Und die Restaurantbesitzer müssen auf Plakaten im Freien angeben, wie viele Personen sich angesichts der Sicherheitsvorschriften gleichzeitig in dem Lokal aufhalten dürfen", erklärt Ministerpräsident Conte die neuen Maßnahmen. Sind keine Sitzplätze vorhanden, müssen die Lokale bereits um 18 Uhr schließen, um Mitternacht ist für alle Schluss.

Um die Auswirkungen der Covid-Krise etwas abzufedern, hatte die Regierung kurz zuvor im Haushaltsentwurf für 2021 neue Hilfen beschlossen. So soll das Gesundheitssystem ebenso unterstützt werden wie kleine und mittlere Unternehmen oder Schulen und Universitäten. Auch ist eine Steuerreform vorgesehen, ebenso wie großen Summen für die Familien. Die Maßnahmen in Höhe von rund 39 Milliarden Euro finanzieren sich über weitere Schulden des Staates, als auch über die Hilfsgelder aus dem Recovery Fund der Europäischen Union.

Joggen erlaubt, Mannschaftssport verboten

Bei der weiteren Verschärfung der Corona-Regeln spielten die wirtschaftlichen Auswirkungen eine große Rolle, sagte Giuseppe Conte: "Wir müssen uns engagieren, um die Gesundheit zu schützen, aber auch die Wirtschaft." So müssten die Maßnahmen auch immer verhältnismäßig sein.

Lange wurde über die Öffnung der Fitnessstudios diskutiert. Die einen, so Conte, würden sich an die Sicherheitsmaßnahmen halten, die anderen nicht. Nun bekommen sie eine Woche Zeit, um nachzubessern. Sonst müssen sie schließen. Individueller Sport wie Joggen ist weiterhin erlaubt, Mannschaftssport aber nicht. Allerdings nur im Amateurbereich.

Schulen sollen offen bleiben

Weiter geöffnet bleiben sollen die Schulen, vor allem die Jüngeren sollen Präsenzunterricht bekommen. Gerade erst hatte die Region Kampanien, in der die Neuinfektionen besonders stark steigen, Schulen und Universitäten bis Ende Oktober schließen lassen. Dies sorgte für großen Streit zwischen der Regierung in Rom und der Regionalregierung, auch viele Mütter protestierten dagegen. Nun soll in den höheren Klassen der Fernunterricht ausgeweitet werden, eingeführt wird ein gestaffelter Unterrichtsbeginn.

Mit den verschärften Vorschriften hat Italien innerhalb von kurzer Zeit zum dritten Mal auf den Anstieg der neuen Infektionen mit dem Coronavirus reagiert. Erst vor knapp zwei Wochen führte die Regierung eine Maskenpflicht ein, die auch im Freien gilt.

Italien verschärft Corona-Vorschriften
Elisabeth Pongratz, ARD Rom
19.10.2020 07:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 19. Oktober 2020 um 10:10 Uhr.

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