Das italienische Küstenwachenschiff "Diciotti" vor Sizilien | Bildquelle: AP

Bootsflüchtlinge vor Italien Küstenwache darf nicht anlegen

Stand: 19.08.2018 09:59 Uhr

Ein Schiff der italienischen Küstenwache mit 177 geretteten Bootsflüchtlingen liegt vor der Insel Lampedusa. Italiens Innenminister Salvini hatte der "Diciotti" untersagt, mit den Migranten an Bord einen italienischen Hafen anzusteuern.

Wegen eines Streits mit Malta über die Zuständigkeit liegt ein Schiff der italienischen Küstenwache mit 177 geretteten Bootsflüchtlingen an Bord seit mehr als 48 Stunden vor der italienischen Insel Lampedusa. Italiens Innenminister Matteo Salvini hat dem Küstenwachenschiff "Diciotti" untersagt, mit den Migranten an Bord einen italienischen Hafen anzusteuern.

Flüchtlinge hätten Hilfe verweigert

Er argumentierte, die Bootsflüchtlinge seien in Gewässern gerettet worden, für die eigentlich Malta zuständig sei. Die maltesischen Behörden erklärten dazu, dies treffe zwar zu, doch die Bootsflüchtlinge hätten jede Hilfe von Malta verweigert und weiter Kurs auf Lampedusa genommen.

In der Nacht zum Donnerstag nahm die "Diciotti" die insgesamt 190 Migranten schließlich an Bord, 13 von ihnen wurden sofort in ein Krankenhaus auf Lampedusa gebracht. Die übrigen Geretteten durften aber nicht an Land.

Bereits im Juli hatte die "Diciotti" 450 Bootsflüchtlinge gerettet, die zwischen Lampedusa und Malta in Not geraten waren. Die italienische Regierung hatte die Besatzung damals zunächst angewiesen, das Flüchtlingsboot nur aus der Ferne im Auge zu behalten und darauf zu warten, dass Malta sich um die Migranten kümmere.  Die Flüchtlinge mussten drei Tage lang an Bord der "Diciotti" bleiben, bis Salvini ihnen erlaubte, auf Sizilien an Land zu gehen. Zuvor hatte er von anderen EU-Ländern die Zusage erhalten, einen Teil der Bootsflüchtlinge aufzunehmen.

Situation komme Freiheitsberaubung gleich

Italienischen Medien zufolge richtete der italienische Beauftragte für die Freiheit der Bürger, Mauro Palma, ein Schreiben an den Kommandeur der Küstenwache, Giovanni Pettorino. Darin forderte Palma "dringende Informationen" über die aktuelle Situation der "Diciotto", die einer Freiheitsberaubung gleich komme.

Mit seinem Brief wolle er "die Migranten, die Nothelfer, aber auch Italien schützen". Schließlich könne es dem Land drohen, sich vor internationalen Institutionen wegen unterlassener Hilfeleistung rechtfertigen zu müssen, schrieb Palma den Berichten zufolge.

Salvini, der der fremdenfeindlichen Partei Lega vorsteht, will die Zahl der in Italien ankommenden Flüchtlinge drastisch senken. Im Juni hatte er entschieden, dass Schiffe von Hilfsorganisationen mit Flüchtlingen an Bord nicht mehr in italienischen Häfen anlegen dürfen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. August 2018 um 03:00 Uhr.

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