Geberkonferenz für den Jemen Erbitterte Kämpfe trotz neuer Hoffnung

Stand: 01.03.2021 03:33 Uhr

Der Jemen-Konflikt hat das Land in eine humanitäre Krise gestürzt. Um die Not zu lindern, wollen die UN drei Milliarden Euro Hilfsgelder sammeln. Die Chancen für ein baldiges Kriegsende stehen schlecht.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Als 13 Jahre altes Mädchen müsste sie eigentlich um die 45 Kilogramm wiegen, doch Ahmadiya Taher bringt gerade einmal ein Viertel davon auf die Waage. Wie sie da auf einem Krankenhausbett sitzt, in Jemens Hauptstadt Sanaa, wirkt sie viel zu klein für ihr Alter. Ihre Wangen sind hohl, ihre Arme und Beine dürr, ihre Haut wie Pergament.

Ihr erwachsener Bruder Mohammed erklärt einem Reporter: "Sie ist meine Schwester, und sie leidet an Unterernährung. Seit zwei oder drei Jahren - seit wir zu Flüchtlingen wurden - bringe ich sie zur Behandlung in private Krankenhäuser. Sie ist deshalb so schlecht ernährt, weil wir kein Einkommen haben, keine Arbeit, keine Unterstützung von den Vereinten Nationen (...). Wir sind Flüchtlinge."

Immer mehr unterernährte Kinder

Um seine Schwester ins Krankenhaus fahren zu können, bat Mohammed Freunde und Nachbarn um Spenden. Der behandelnde Arzt, Abdul Malik al-Wahedi, berichtet, dass immer mehr unterernährte Kinder zu ihm gebracht würden - mehr als im vergangenen Jahr.

"Für den Anstieg der Unterernährung gibt es mehrere Gründe: zum Beispiel der Abzug von Hilfsorganisationen, der gestiegene Ölpreis und dass Organisationen keine Medikamente und keine Lebensmittelhilfe mehr geben, vor allem nicht in Konfliktregionen", so al-Wahedi. "Die meisten unserer Patienten müssen eine Reise von zwei oder drei Tagen auf sich nehmen, bis sie das Krankenhaus in Sanaa erreicht haben. Dann geht es ihnen noch schlechter, und es gibt Komplikationen."

400.000 Kindern droht akut der Hungertod

Die Vereinten Nationen befürchten, dass in diesem Jahr die Zahl der schwer unterernährten Kinder im Jemen im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent steigen könnte, auf 2,3 Millionen Kinder im Alter unter fünf Jahren. Von ihnen - so die UN-Berechnung - könnten 400.000 dieses Jahr verhungern.

Seit Langem gilt die humanitäre Krise im Jemen als die schlimmste der Welt. Dabei ist das Problem der Unterernährung von Jahr zu Jahr immer noch fürchterlicher geworden.

US-Präsident Joe Biden | Bildquelle: AP
galerie

Der neue US-Präsident Joe Biden änderte die Jemen-Politik seines Landes.

Biden mit neuer Jemen-Politik

Jetzt hoffen viele Menschen auf eine Wende, denn der neue US-Präsident Joe Biden hat die Jemen-Politik seines Landes geändert. Bislang hatten die USA Saudi-Arabien geholfen. Das Land versucht seit Jahren, mit Luftangriffen die Huthi-Rebellen zurückzudrängen und die international anerkannte Regierung wieder an die Macht zu bringen.

"Dieser Krieg muss enden. Und um unsere (diesbezügliche) Verpflichtung zu unterstreichen, beenden wir jede amerikanische Unterstützung für offensive Operationen im Krieg im Jemen, relevante Waffenverkäufe eingeschlossen", sagte Biden. Gleichzeitig strich er die Huthi-Rebellen von der US-Terrorliste. Das soll die Lieferung von Hilfsgütern aller Art vereinfachen.

Huthis mit neuer Offensive

Doch die Huthis verstanden Bidens Wende offenbar als Schwäche. Umgehend reaktivierten sie ihre Offensive auf die Region Marib, der letzten Hochburg der Regierung im Norden. "Diese Eskalation ist extrem gefährlich; sie droht Hunderttausende (Binnenflüchtlinge) erneut um ihr Leben rennen zu lassen - zu einem Zeitpunkt, wenn alle alles tun sollten, um die Hungersnot zu stoppen", sagte UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock.

Trotz dieses Appells: In der Region Marib wird nun erbittert gekämpft, es sind einige der heftigsten Gefechte seit Jahren. Beide Seiten erleiden hohe Verluste.

Der Jemen vor der Geberkonferenz
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
01.03.2021 06:45 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 01. März 2021 um 13:50 Uhr.

Darstellung: