Appell auf Geberkonferenz "Das Leben im Jemen ist unerträglich"

Stand: 01.03.2021 19:37 Uhr

Millionen Menschen im Jemen brauchen Hilfe, doch 2020 waren zu wenige Spenden zusammengekommen. Auf einer Geberkonferenz appellierte UN-Generalsekretär Guterres eindringlich an die Staaten - ohne großen Erfolg.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Die humanitäre Lage im Jemen sei niemals schlimmer gewesen als jetzt: Zum Auftakt der Geberkonferenz zeichnete UN-Generalsekretär Antonio Guterres ein düsteres Bild von dem Land auf der arabischen Halbinsel. Es drohe eine Hungersnot, sagte er:

"Es ist unmöglich, beim Ausmaß des Leids im Jemen zu übertreiben. Mehr als 20 Millionen Jemeniten benötigen humanitäre Hilfe und Schutz, wobei Frauen und Kinder am stärksten betroffen sind. Zwei von drei Menschen im Jemen benötigen Nahrungsmittelhilfe, medizinische Versorgung oder andere lebensrettende Unterstützung durch humanitäre Organisationen."

Der UN-Generalsekretär führte weiter aus, dass Krankheiten, wie Covid-19 und Cholera die Lage verschlechterten. Für die meisten der 28 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner sei das Leben im Jemen mittlerweile unerträglich. Rund 400.000 Mädchen und Jungen unter fünf Jahren seien unterernährt und könnten in diesem Jahr sterben, wenn sie keine Hilfe bekommen.

1,9 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr

Nachdem auf einer ähnlichen internationalen Geberkonferenz im vergangenen Jahr mit 1,9 Milliarden Dollar gerade einmal die Hälfte der erhofften und benötigten Spenden zusammengekommen war und Hilfsorganisationen ihre Einsätze daraufhin reduzieren mussten, appellierte Guterres nun eindringlich an die virtuell versammelten Staatenvertreter, die Geldbörsen zu öffnen:

"Dies ist nicht der Moment, den Jemen fallen zu lassen. Wir müssen die Mittel, die wir in den Jahren 2018 und 2019 hatten, wieder erreichen und übertreffen. In diesem Jahr brauchen wir mehr als 3,8 Milliarden Dollar, um 16 Millionen Jemeniten am Rande der Katastrophe zu unterstützen. Ich flehe alle Spender an, unseren Appell heute großzügig zu unterstützen, um eine Hungersnot im Land zu verhindern. Jeder Dollar zählt."

Der Bürgerkrieg im Jemen dauert schon fast sechs Jahre. Auf der einen Seite kämpft die Regierung, unterstützt von Saudi-Arabien und anderen Ländern, auf der anderen Seite kämpfen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen. Zehntausende wurden getötet, Millionen mussten flüchten.

Maas: Appell an die Konfliktparteien

Deutschland versprach Unterstützung für das jemenitische Volk. 200 Millionen Euro sagte Bundesaußenminister Heiko Maas zu - für humanitäre Hilfe, Stabilisierungsmaßnahmen und Entwicklungshilfe. Der Minister nutzte seinen Redebeitrag, um darauf hinzuweisen, dass das Leid im Jemen von Menschen gemacht sei:

"In den letzten Wochen hat sich die humanitäre Lage aufgrund der jüngsten Offensive der Huthi in Marib noch weiter verschlechtert. Genug ist genug! Alle Konfliktparteien müssen umgehend die Kampfhandlungen einstellen und sich der Initiative anschließen des UN-Jemen-Beauftragten Martin Griffiths für einen landesweiten Waffenstillstand, vertrauensbildende Maßnahmen und die Aufnahme eines umfassenden politischen Prozesses."

Enttäuschendes Ergebnis

UN-Generalsekretär Guterres appellierte ebenfalls an die Kriegsparteien und ihre Unterstützer, Willen zum Frieden zu zeigen. Es sei nun das fünfte Mal, dass man eine hochrangige Geberkonferenz einberufen habe, um auf die Krise im Jemen zu reagieren, sagte er. "Die bittere Wahrheit ist, dass wir nächstes Jahr eine sechste Veranstaltung einberufen werden, wenn der Krieg nicht endet."

Die bittere Gewissheit nach der Konferenz: Die finanziellen Mittel für die Nothilfe bleiben äußerst knapp. Insgesamt kamen nur rund 1,7 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) an Spenden zusammen - weniger als die Hälfte der benötigten Summe und sogar weniger als im vergangenen Jahr.

 

Auftakt der UNO-Geberkonferenz für den Jemen
Karl Dietrich Mäurer, ARD Zürich
01.03.2021 18:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. März 2021 um 20:00 Uhr.

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