Boris Johnson | Bildquelle: REUTERS

Großbritannien Streit über Johnsons Burka-Äußerungen

Stand: 09.08.2018 15:13 Uhr

Großbritanniens Ex-Außenminister Johnson schreibt, Trägerinnen von Burka und Nikab sähen wie Briefkästen oder Bankräuber aus. Viele Konservative fordern eine Entschuldigung - andere verteidigen ihn.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Boris Johnson hält Vollverschleierung für ein Instrument der Unterdrückung. Es sei verrückt und verwerflich, Frauen zu zwingen, ihr Gesicht zu verdecken. So schreibt es der Ex-Außenminister in seiner wöchentlichen Kolumne im "Daily Telegraph".

Um seine Haltung noch mehr zu veranschaulichen, fügt er hinzu: Es sei absolut lächerlich, sich dafür zu entscheiden, mit dem Aussehen eines Briefkastens herumzulaufen. Und ein paar Zeilen später: Diese Frauen sähen aus wie Bankräuber.

Viele Parteifreunde fordern eine Entschuldigung

So geht es nicht, sagt Eric Pickles, früherer Vorsitzender der Konservativen. Mit so einer Sprache könne man keine Werte der Freiheit verteidigen, Johnson müsse sich mindestens entschuldigen. Bei den Konservativen rumort es zwischen Johnson-Freunden und Johnson-Gegnern - wieder einmal.

Sayeeda Warsi war die erste Muslima in einem britischen Kabinett, zwei Jahre amtierte sie auch als Co-Vorsitzende der Tories. Johnson wolle nur die Schlagzeile, wirft sie dem Parteifreund vor: "Wer so eine Sprache benutzt und Menschen mit Briefkästen oder Bankräubern vergleicht oder andere blumige Formulierungen verwendet - dem geht es doch nicht um eine ernsthafte Debatte zu einem wichtigen Thema, sondern nur um die Aufmerksamkeit in bestimmten Teilen der konservativen Partei."

Zahlreiche Parteifreunde erwarten jetzt eine Entschuldigung des früheren Chefs im Außenministerium. Unterstützung finden sie dafür bei der Premierministerin, Theresa May. Johnson habe die falsche Wortwahl benutzt, er hätte das nicht tun sollen, sagt May.

Dem Gründer des muslimischen Forums in der konservativen Partei, Mohamed Sheikh, ist das nicht genug. Er fordert, Johnson seine Rechte in der Unterhausfraktion zu entziehen: "Die Partei muss reagieren. Eine Entschuldigung ist nicht genug. Wir müssen mit scharfen Maßnahmen gegen diesen Mann vorgehen", sagt er. "Entziehen wir ihm doch die Rechte als Fraktionsmitglied - warum nicht?"

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Johnsons Unterstützer: Nicht "in die Falle laufen"

Andrew Bridgen, ebenfalls Tory-Abgeordneter, aber Johnson-Freund, hat dafür kein Verständnis. Johnson habe gesagt, dass er gegen ein Burka-Verbot in Großbritannien sei, und er habe das mit einer Prise Humor gewürzt. Da gebe es nichts, wofür man sich entschuldigen müsse, meint Bridgen - das verlangten nur die, die ihm politischen Schaden zufügen wollten.

Aus dem Umfeld Johnsons heißt es bereits: Keine Entschuldigung, wir werden nicht in diese Falle laufen, sondern die Debatte über schwierige Themen weiter führen.

Johnson gilt trotz aller Volten immer noch als einer, der für die konservativen Tories Wahlen gewinnen kann und eines Tages vielleicht sogar in Number Ten Downing Street sitzen könnte.

Burka-Streit: Parteifreunde fordern Entschuldigung von Boris Johnson
Thomas Spickhofen, ARD London
08.08.2018 15:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. August 2018 um 13:12 Uhr.

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