Der britische Premier Boris Johnson spricht auf einer Pressekonferenz in London.  | Bildquelle: AFP

Johnson hält an Berater fest "Den Instinkten eines Vaters gefolgt"

Stand: 24.05.2020 20:10 Uhr

Weil er gegen Lockdown-Regeln verstoßen haben soll, steht Dominic Cummings, enger Berater des britischen Premiers, in der Kritik. Johnson trat nun vor die Presse und ergriff Partei für dessen Verhalten.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat seinen umstrittenen Chefberater in der Affäre um angebliche Lockdown-Verstöße verteidigt. Nach einem ausführlichen Gespräch mit Dominic Cummings sei er zu dem Schluss gekommen, dass dieser "den Instinkten eines jeden Vaters gefolgt" sei, sagte Johnson bei einer Pressekonferenz. Er stehe zu Cummings. Dieser habe nicht gegen Gesetze verstoßen.

Rücktrittsforderungen - auch aus eigener Partei

Cummings steht wegen des Vorwurfs in der Kritik, mit einer unerlaubten Reise gegen die Corona-Regeln verstoßen zu haben. Deshalb hatten Oppositionspolitiker und ein Abgeordneter aus Johnsons konservativer Partei Cummings zum Rücktritt aufgefordert.

Dominic Cummings | Bildquelle: AFP
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Hat Rückendeckung vom Chef bekommen: Johnson-Berater Cummings.

Cummings hatte bereits am Samstag gesagt, er habe sich gesetzeskonform verhalten, als er Ende März mit seiner Frau und seinem vierjährigen Sohn im Auto rund 400 Kilometer weit durch England zu seiner Familie nach Durham gefahren sei.

Er habe die Betreuung für seinen Sohn sicherstellen wollen, weil seine Frau an Covid-19 erkrankt gewesen sei und er selbst auch mit einer Ansteckung habe rechnen müssen. Er erkrankte nach eigener Darstellung kurz nach seiner Ankunft in Durham. Gemäß den Richtlinien der Regierung waren zu diesem Zeitpunkt Reisen nur bei zwingenden Gründen erlaubt.

Jüngsten Medienberichten zufolge reiste er sogar mindestens zwei Mal dorthin. Das bestreitet die Regierung jedoch.

Erfolgreich mit Brexit-Kampagne

Cummings gilt schon seit Langem als umstritten. Ihm werden der Erfolg der Brexit-Befürworter im Referendum über den EU-Austritt 2016 und der Sieg der Konservativen bei der vergangenen Parlamentswahl zugeschrieben. Doch auch irreführende Slogans wie das Versprechen, der EU-Austritt werde 350 Millionen Pfund (390 Millionen Euro) pro Woche freisetzen, die in das marode britische Gesundheitssystem investiert werden könnten, sollen auf ihn zurückgehen.

Wachsender Einfluss

Unter Johnson stieg Cummings zur "grauen Eminenz" in der Downing Street auf. Wie groß sein Einfluss in der Regierung inzwischen ist, wurde im Februar deutlich, als Finanzminister Sajid Javid nach einem Machtkampf mit dem Berater seinen Hut nehmen musste. Das Amt des Schatzkanzlers ist in Großbritannien traditionell der zweitwichtigste Posten nach dem Premierminister. Cummings gilt daher inzwischen als faktisch zweiter Mann im Vereinigten Königreich.

Boris Johnson stützt seinen Chef-Berater Cummings
Thomas Spickhofen, ARD London
24.05.2020 22:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Mai 2020 um 20:00 Uhr.

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