Boris Johnson in seiner Videobotschaft für die UN-Vollversammmlung. | Bildquelle: dpa

UN-Generaldebatte Johnson will WHO stärken

Stand: 26.09.2020 19:48 Uhr

Vor den UN hat Großbritanniens Premier Johnson die Staaten zum gemeinsamen Kampf gegen das Coronavirus aufgefordert. Großbritannien ist schwer von der Pandemie getroffen - die harten Beschränkungen im Land sorgen dennoch für Proteste.

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson hat die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zum Zusammenhalt im Kampf gegen künftige Pandemien aufgefordert. "Wenn wir uns nicht vereinen und unser Feuer gegen unseren gemeinsamen Feind richten, wissen wir, dass alle verlieren werden", sagte der Premier bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in einer Videobotschaft.

"Außergewöhnliche Kraft der Spaltung"

Dazu gehöre auch, Ursprung und Ausbreitung des neuartigen Coronavirus genau zu untersuchen. Die Pandemie habe die Menschheit zwar "geeint wie nie zuvor", sagte Johnson. Aber das Virus habe auch eine "außergewöhnliche Kraft der Spaltung" hervorgebracht, etwa als die Länder miteinander um medizinische Güter konkurrierten.

Nach neun Monaten des Kampfes gegen die Pandemie stehe die internationale Gemeinschaft "zerfleddert" dar. Johnson versprach, die bevorstehende britische G7-Präsidentschaft im kommenden Jahr zu nutzen, um "die Welt nach Covid wieder zusammenzubringen".

Seinen UN-Kollegen unterbreitete Johnson einen Fünf-Punkte-Plan, der zusammen mit der Bill and Melinda Gates Foundation und dem britischen Wellcome Trust entwickelt wurde. Demnach soll ein weltweites Netzwerk entstehen, um Krankheitserreger zu identifizieren, bevor sie vom Tier auf den Menschen überspringen.

Als weitere Maßnahmen nannte Johnson den Ausbau von Kapazitäten für die Entwicklung und Produktion von Impfstoffen und Medikamenten. Auch müssten Frühwarnsystemen verbessert und internationale Protokolle für Gesundheitskrisen vereinbart werden. Es gehe darum, "ehrlich zu sein und zu einem gemeinsamen Verständnis darüber zu gelangen, wie die Pandemie begann und wie sie sich ausbreiten konnte", sagte der Premierminister.

Großbritannien verspricht höheren WHO-Beitrag

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) müsse in jedem Fall eine zentrale Rolle spielen - "egal wie groß der Reformbedarf ist". Für Großbritannien kündigte Johnson eine Aufstockung des WHO-Beitrags um 30 Prozent über die kommenden vier Jahre an.

Johnson musste selbst nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus im März intensivmedizinisch behandelt werden. In Großbritannien steht er auch wegen seines Umgangs mit der Pandemie in der Kritik. Sein Land zählt mit 42.000 bestätigten Sterbefällen die meisten Corona-Toten in Europa. Diese Woche kündigte Johnson wegen eines erneuten Anstiegs der Fallzahlen weitere Restriktionen an.

Festnahmen bei Protesten in London

Nach Protesten gegen die Corona-Beschränkungen kam es in London zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Tausende versammelten sich auf dem Trafalgar Square, um gegen Johnsons Politik zu demonstrieren. Weil die Teilnehmer sich nicht an die Auflagen zum Infektionsschutz hielten, löste die Polizei die Kundgebung auf. Vier Polizisten wurden verletzt, zwei mussten im Krankenhaus behandelt werden. Es habe 16 Festnahmen gegeben, teile die Polizei mit.

Zusammenstöße zwischen Polizisten und Demonstranten in London. | Bildquelle: AFP
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Das Ende einer Kundgebung am Trafalgar Square: Zusammenstöße zwischen Polizisten und Demonstranten in London.

Trotz wieder stark steigender Infektionszahlen will die Regierung in London einen zweiten landesweiten Lockdown möglichst vermeiden. Sie setzt stattdessen auf regionale Maßnahmen wie etwa in England, wo alle Restaurants und Pubs um 22.00 Uhr schließen müssen.

Johnson fordert vor UN-Versammlung 5-Punkte-Plan gegen kommende Pandemien
Antje Passenheim, ARD New York
26.09.2020 19:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. September 2020 um 20:00 Uhr und 23:00 Uhr in den Nachrichten.

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