Joshua Wong  | Bildquelle: JEROME FAVRE/EPA-EFE/Shutterstoc

Demokratiebewegung Hongkonger Aktivist Wong festgenommen

Stand: 24.09.2020 10:26 Uhr

Der Demokratie-Aktivist Joshua Wong ist von der Polizei festgenommen worden. Das ging aus einer Mitteilung auf seinem Twitter-Account hervor. Ihm werde die Teilnahme an einer unerlaubten Versammlung vorgeworfen.

In Hongkong ist die Polizei erneut gegen einen bekannten Anhänger der Demokratiebewegung vorgegangen. Demnach ist der Aktivist Joshua Wong von der Polizei festgenommen worden. Seine Verhaftung stehe im Zusammenhang mit der Teilnahme an einer nicht genehmigten Veranstaltung im vergangenen Jahr, heißt es in einer Mitteilung auf Wongs Twitter-Account.

Vorwurf des Verstoßes gegen Vermummungsverbot

Wong habe sich demnach auf einer Polizeiwache gemeldet und sei dort festgenommen worden. Dem 23-Jährigen wird vorgeworfen an einer unerlaubten Versammlung am 5. Oktober des vergangenen Jahres teilgenommen zu haben. Zudem werde er laut der Mitteilung beschuldigt, gegen das damals geltende Vermummungsverbot bei Protesten in Hongkong verstoßen zu haben.

Die Hongkonger Polizei bestätigte lediglich, zwei Männer im Alter von 23 und 74 Jahren in Zusammenhang mit der Versammlung im Oktober festgenommen zu haben.

Erst in der vergangenen Woche hatte sich Wong zusammen mit 25 anderen angeklagten Aktivisten bereits wegen einer verbotenen Gedenkenveranstaltung an die Proteste auf dem Pekinger Tiananmen-Platz verantworten müssen. Die Polizei in Hongkong hatte in diesem Jahr erstmals seit 30 Jahren die Tiananmen-Mahnwache am 4. Juni untersagt. Als Grund nannte die Polizei die wegen der Corona-Pandemie geltenden Versammlungsbeschränkungen. Den Beschuldigten drohen Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren.

Proteste in der Sonderverwaltungszone

China hatte Ende Juni ein hoch umstrittenes "Sicherheitsgesetz" für Hongkong verabschiedet. Es richtet sich gegen Aktivitäten, die China als subversiv, separatistisch oder terroristisch ansieht. Es ist der bisher weitestgehende Eingriff in Hongkongs Autonomie und gibt Chinas Staatssicherheit weitreichende Vollmachten. Hongkongs demokratische Opposition geht davon aus, dass das Gesetz auf sie abzielt.

Im vergangenen Jahr hatte es große Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone gegen den zunehmenden Einfluss Pekings gegeben. Seit der Rückgabe der früheren britischen Kronkolonie 1997 an China war Hongkong autonom mit eigenen Freiheitsrechten regiert worden. Aus Sicht von Kritikern bedeutet das Staatssicherheitsgesetz das Ende des seit 1997 verfolgten Grundsatzes "ein Land, zwei Systeme".

Wong befürchtete Festnahme schon länger

Wong hatte im Juli bekanntgegeben, bei der Hongkonger Parlamentswahl antreten zu wollen, die eigentlich am 6. September stattfinden sollte. Die Wahlen wurden jedoch um ein Jahr verschoben. Als offiziellen Grund nannte die Regierung die Corona-Pandemie.

Vor rund einem Monat äußerte Aktivist Wong bereits seine Befürchtungen, festgenommen zu werden. Seit Inkrafttreten des umstrittenen Sicherheitsgesetzes in der chinesischen Sonderverwaltungszone rechne er ständig mit seiner Festnahme, sagte er damals in einer Videobotschaft an die Buchmesse in Edinburgh. Dennoch fühle er sich weiter verpflichtet, auf die Lage in Hongkong hinzuweisen, wo China zunehmend in die Politik eingreift, so Wong.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. September 2020 um 11:00 Uhr.

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