Plastiktüten verfangen sich an einem Zaun | Bildquelle: dpa

Maßnahmen gegen Plastikmüll Die Tüte der Schande

Stand: 14.06.2019 21:42 Uhr

Plastiktüten sind eine Umweltsauerei - und zeitgemäß schon gar nicht mehr. Das weiß eigentlich jeder. Und nutzt sie trotzdem, schlechtes Gewissen inklusive. Einem Supermarktbesitzer in Vancouver reicht das jetzt.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Die Kundin an der Supermarktkasse des West Market in Vancouver, einem Bioladen, staunt, lacht - und lehnt ab: "Ich trag die Sachen lieber alle einzeln in meinem Arm, bevor ich eine solche Tüte nehme." "Eine solche Tüte", damit meint die Dame Plastiktüten. Aber nicht irgendwelche. Es sind gewissermaßen Tüten der Schande. Weil der Biomarktbesitzer es satt hatte, dass seine Kunden zwar Biowaren kaufen, dann mit umweltschädlichen Tüten nach Hause gehen, ließ er die Plastiktüten eben bedrucken. Mit - sagen wir - zweifelhaften Werbesprüchen.

"Selbst wenn die Leute heute einen Stoffbeutel oder eine andere Tasche vergessen haben, beim nächsten Mal denken sie jetzt daran", sagt Besitzer Quinn über seine Tütenidee. Drei Tütenmodelle gibt es zur Auswahl: Das erste macht Werbung für einen fiktiven Pornoshop. Das zweite wirbt für Dickdarmpflege. Und das dritte für eine wirksame Warzenmedizin. Tüten als Abschreckungsmaterial. Diese Kundin findet die Idee genial: "Vermeide die Schande, bring deine eigene Tasche mit", sagt sie.

Plastiktüte | Bildquelle: dpa
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Eine "Tüte der Schande" - mit solchen Aufdrucken versucht ein Supermarkt in Vancouver, seinen Kunden die Plastiktüten auszutreiben. Allerdings mit mäßigem Erfolg.

Trudeau will das Müllproblem angehen

Millionen Einwegplastiktüten werden in Kanada Jahr für Jahr ausgeteilt. Ganze neun Prozent davon werden recycelt. Der Rest wandert auf die Müllkippe. Kanadas Premier Justin Trudeau, der auf dem G7-Gipfel in seinem Land im Vorjahr für den Schutz der Weltmeere vor Plastikmüll warb, will jetzt alle Einwegplastikverpackungen, Strohhalme, Becher und Tüten bis 2021 verbieten lassen.

Plastik im Wert von acht Milliarden kanadischen Dollar wandert Jahr für Jahr auf den Müll. "Schwachsinn", sagt Trudeau. "Blödsinn", sagt auch Supermarktbesitzer Quinn. Seine Tüten der Schande jedenfalls verkauft er für fünf Cent, Peinlichkeit auf der Straße inklusive.

"Die Botschaft dahinter ist: Wir sollten einen bewussten Versuch machen, unseren Planeten zu retten. Egal wie klein der Beitrag ist, jeder Schritt zählt", sagt Quinn. Und eben auch jede Plastiktüte. Der PR-Gag des Bioladenbesitzers jedenfalls schlug ein. Machte die Runde im Netz und machte Kanadier aufmerksam auf die Plastikproblematik. Kanadische Firmen, die künftig ab 2021 noch Plastikverpackungen produzieren und vertreiben, sind laut Trudeau ab dann für die Sammlung und Wiederverwertung des Materials verantwortlich.

Heißbegehrt, weil cool

Die Tüten der Schande aber sind in Vancouver offenbar ein Renner. Und - das sagt einer von Quinns Kunden - könnten auch ein Problem werden. Denn die Dinger seien so cool, dass die Leute extra welche kaufen, um sie zu sammeln.

Tüten der Schande gegen den Plastikmüll der Welt. Vielleicht funktioniert es ja. Bioladenbesitzer Quinn hat nur tausend Tüten drucken lassen. Glaubt, daran, dass die Kunden sich schnell ändern. Der Mann ist Optimist.    

Tüten der Schande - Supermarkt in Kanada kämpft gegen Plastikmüll
Georg Schwarte, ARD New York
14.06.2019 21:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 15. Juni 2019 um 07:23 Uhr im Morgenecho.

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