Der Polizeichef von Kandahar, General Abdul Rasik, auf einer Aufnahme aus dem Sommer 2016 | Bildquelle: AP

Attentat im Süden Afghanistans Polizeichef erschossen, US-General unverletzt

Stand: 19.10.2018 01:01 Uhr

Kurz vor den Wahlen zeigt ein Attentat, wie instabil die Sicherheitslage in Afghanistan ist. Der Polizeichef und der Geheimdienstleiter von Kandahar wurden erschossen. Der neue NATO-Kommandeur stand nur wenige Meter entfernt.

In der südafghanischen Provinzhauptstadt Kandahar ist der einflussreiche Polizeichef der gleichnamigen Provinz, General Abdul Rasik, getötet worden. Das bestätigte der Generalstabschef der afghanischen Armee, Mohammed Scharif Jaftali. Ein Attentäter habe nach einem hochrangig besetzten Sicherheitstreffen für die bevorstehenden Parlamentswahlen das Feuer eröffnet. Auch der Geheimdienstchef von Kandahar, Abdul Momin Hussein Chel, sei getötet und der Gouverneur der Provinz, Zulmai Wesa, verletzt worden.

An dem Gespräch hatte auch der neue NATO-Oberbefehlshaber in Afghanistan, General Scott Austin Miller, teilgenommen. Er sei unverletzt geblieben, teilte das Militärbündnis mit.

Der neue NATO-Oberbefehlshaber in Afghanistan, General Miller (li.), nahm an dem Treffen im Gouverneurspalast in Kandahar teil. | Bildquelle: MUHAMMAD SADIQ/EPA-EFE/REX/Shutt
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Diese Aufnahme entstand während des Treffens im Gouverneurspalast. US-General Miller (li.) blieb bei dem Attentat unverletzt.

"Schwer zu ersetzen"

Der Angreifer war offenbar einer der Leibwächter des Gouverneurs. Er soll getötet worden sein. Die radikalislamischen Taliban übernahmen die Verantwortung für den Anschlag. Für die Extremisten ist dies so kurz vor der Wahl ein großer Erfolg.

Rasik war einer der einflussreichsten Männer in Kandahar. Afghanistan-Experte Thomas Ruttig von der Denkfabrik Afghanistan Analysts Network sagte, Rasik sei mehr als nur der Polizeichef von Kandahar gewesen. Insbesondere die Amerikaner hätten im Kampf gegen die Taliban auf ihn gesetzt. "Er wird schwer zu ersetzen sein, es gibt keinen sichtbaren adäquaten Nachfolger", sagte Ruttig der dpa.

Rasik hatte in der Vergangenheit mehrere Mordversuche überlebt. Er war bekannt für seinen Kampf gegen die Aufständischen in Kandahar und kontrollierte die Provinz mit harter Hand. Dabei wurden ihm auch immer wieder Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Der Angriff fand zwei Tage vor den Parlamentswahlen am Samstag statt. Im Wahlkampf verübten Taliban-Kämpfer immer wieder Angriffe, um die Abstimmung zu verhindern. 

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 18. Oktober 2018 um 22:15 Uhr.

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