Zwei Kostümierte am Canal Grande, Venedig. | Bildquelle: AFP

Karneval in Venedig Die Magie der Masken

Stand: 22.02.2020 09:46 Uhr

Sie gehören zu Venedig wie die Wassertaxis oder die Rialtobrücke: die Karnevalsmasken. Mal geheimnisvoll-spöttisch, mal düster-unheimlich. Ihre Herstellung hat eine lange Tradition.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Hunderte leerer Augenhöhlen scheinen jeden anzustarren, der den Laden von Carlos Brassesco betritt. Überall an der Wand hängen Masken, einige haben Hakennasen, wirken düster und gruselig. Andere scheinen traurig. Und daneben hängen die klassischen, reich verzierten, bunt bemalten Karnevalsmasken. Brassesco lächelt, er ist es gewohnt, dass die Besucher erst einmal erschlagen sind von den vielen Gesichtern. Und erklärt dann: "Die venezianische Maske hat drei Ursprünge. Die Karnevalsmaske, die Pestmaske und die Theatermaske."

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Karneval in Venedig

Die Magie der Masken

Drei Kostümierte mit Pestmasken in Venedig.

| Bildquelle: AFP

Ursprung in der Zeit der Pest

Er zeigt auf eine Pestmaske. Sie ist weiß, hat einen langen Schnabel. In den steckten Ärzte Kräuter und setzten die Maske auf, wenn sie während der großen Pest in Venedig Patienten behandelten. In der Hoffnung, sich nicht anzustecken.

Auch wenn sie unterschiedlich aussehen - hergestellt werden fast alle Masken ähnlich, sagt Brassesco und führt zu seinem Assistenten Nico. Erst einmal macht man ein Modell aus Ton, erklärt er, dann einen Gipsabdruck - eine Art Negativ. Darauf kommen dann Schichten aus Pappmaché. Die sind mittlerweile getrocknet. Nico löst die Maske vom Negativ ab, nimmt Schleifpapier in die Hand. "Man schmirgelt die ganze Maske ab, dann schneidet man Augen rein, malt sie weiß an. Es gibt viele Modelle, mit Goldfolie, mit Stuck, man kann sie einfarbig gestalten."

Show zum Auftakt des Karnevals in Venedig | Bildquelle: AFP
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Venedigs Karneval - in diesem Jahr unter dem Motto "Il Gioco, l'Amore e la Follia" (Das Spiel, die Liebe und der närrische Spaß) - begann mit einem Spektakel auf einem Kanal im Stadtteil Cannaregio. Das bunte Treiben endet am 25. Februar.

Lange Karnevalstradition

Nico kommt ursprünglich aus Rumänien, sein Chef Brassesco ist gebürtiger Argentinier. Wie ausgerechnet er, der Südamerikaner, Maskenmacher wurde, das ist eine lange Geschichte, sagt Brassesco und beginnt zu erzählen. "Venedig hat eine große Karnevalstradition. Der Karneval ist hier vor fast 1000 Jahren entstanden. Und als Napoleon eingefallen ist, wurde die Karnevalstradition unterbrochen. Den Karneval von Venedig haben sie erst ab etwa 1980 so richtig wiederaufleben lassen."

Und genau in dieser Zeit war Brassesco in Venedig, spezialisierte sich an der Universität auf Stadtplanung. Er habe immer gerne mit den Händen gearbeitet - und dringend einen Job gebraucht, sagt Brassesco und lächelt.

"Wir waren eine Gruppe von Leuten und sind auf die Idee gekommen, Masken für den Karneval zu machen. Also haben wir angefangen, so ein bisschen Masken für den Karneval herzustellen, und sie haben sie uns aus den Händen gerissen. Es gab viel mehr Nachfrage als wir produzieren konnten. Das war ein etwas merkwürdiger Moment, ein Moment, in dem ein neuer Beruf entstanden ist."

Ein kostümierter Mensch steht beim Karneval in Venedig, Italien vor einem Tea Room. | Bildquelle: dpa
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Vor einem Cafe beim Karneval in Venedig. Opulent, geheimnisvoll, sinnlich - das ist der Karneval in Venedig.

Konkurrenz aus China

Ein neuer alter Beruf. Denn die Masken gehören zur Tradition des ursprünglichen venezianischen Karnevals, nur waren sie damals fast vergessen. Fast alle Maskenmacher der ersten Generation waren keine Venezianer, sagt Brassesco. Er schwelgt ein bisschen in Erinnerungen. In den 1980ern und 90ern sei der Karneval noch richtig venezianisch, nicht so kommerzialisiert gewesen, sagt er. Die Leute hätten noch die echten Masken gekauft. Dann kamen die vielen Touristen - und die Billigmasken aus China. 

"Sie sind alle gleich, aber man bekommt sie für den halben Preis im Vergleich zu dem, den wir verlangen. Die meisten Leute kaufen eine Maske hier bei uns. Und für die fünf, sechs, die sie Freunden oder Verwandten schenken wollen, da kaufen sie chinesische Ware."

Bei ihm kostet eine Maske etwa 30 bis 50 Euro - aber für ein besonders aufwendiges Stück kann man auch mal 300 bis 400 Euro ausgeben. Brassesco verkauft das ganze Jahr über Masken, aber am besten läuft sein Geschäft natürlich rund um den Karneval. Doch auch er merkt, dass in diesem Jahr die Touristen ausbleiben - wegen des Hochwassers im November und wegen des Coronavirus. Doch Carlos Brassesco glaubt an die Magie der Masken - es werde sie immer geben, sagt er.

"Die Maske verändert die Persönlichkeit. Wenn man eine Maske trägt, ist das befreiend, sie verwandelt die Person."

Die Masken von Venedig
Lisa Weiß, ARD Rom
22.02.2020 09:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Februar 2020 um 06:41 Uhr.

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