Der Chef des kasachischen Oberhauses, Kassym-Schomart Tokajew bei seiner Vereidigung zum Präsidenten des Landes.  | Bildquelle: STRINGER/EPA-EFE/REX

Präsidentenwechsel in Kasachstan Der Neue ist ein alter Bekannter

Stand: 20.03.2019 12:48 Uhr

Mit dem überraschenden Rücktritt des langjährigen Präsidenten Nasarbajew endet in Kasachstan eine Ära. Als Nachfolger wurde Kassym Tokajew vereidigt. Gibt es nun Reformen?

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Für viele Kasachen war es ein historischer Moment. Der erste und bislang einzige Präsident des Landes seit der Unabhängigkeitserklärung 1991 tritt ab. Mancher Abgeordnete wischte sich verstohlen eine Träne aus den Augen.

Beide Parlamentskammern waren in Astana zusammengekommen, um der feierlichen Zeremonie zur Einführung und Vereidigung des neuen Präsidenten beizuwohnen.

Ein treuer Gefährte Nasarbajews

Kassym Tokajew ist für die Kasachen kein Unbekannter. Er war Premier- und Außenminister. Zum Präsidenten wird er nun gemäß der Verfassung, weil er zuletzt Vorsitzender des Senats war.

Tokajew ist ein treuer, langjähriger Weggefährte von Nursultan Nasarbajew, wie er bei seiner Vereidigung deutlich machte. Der gelernte Diplomat versprach, die Arbeit seines Vorgängers fortzusetzen.

Nasarbajew sei in die Weltgeschichte als außerordentlicher Reformer eingegangen, so Tokajew. Er habe Kasachstan in einen modernen und fortschrittlichen Staat umgewandelt. Seine politischen und wirtschaftlichen Reformen seien zum Symbol einer weisen, klugen Staatspolitik geworden.

Amtswechsel Nasarbajew und Tokajew | Bildquelle: AP
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Amtswechsel: Der alte kasachische Präsident Nasarbajew (links) und sein Nachfolger Tokajew

Umbennenung der Hauptstadt in "Nursultan"

Auch Nasarbajews Rücktritt bewertete Tokajew als Ausdruck höchster Verantwortung für das Volk und das Land und kündigte an, den Ex-Präsidenten entsprechend würdigen zu wollen.

"Ich halte es für notwendig, den Namen von unserem großen Zeitgenossen, dem ersten Präsident der Republik Kasachstan, Nursultan Nasarbajew, wie folgt zu verewigen: Unsere Hauptstadt sollte den Namen unseres Präsidenten tragen und ab jetzt "Nursultan" heißen."

Stürmischer Applaus brandete immer wieder auf. Auch als Tokajew vorschlug, Nasarbajew nicht nur ein Denkmal in der Hauptstadt zu setzen, sondern auch Straßen in den Städten des ganzen Landes nach ihm zu benennen.

Der ehemalige Präsident Nursultan Nasarbajew bei einer Pressekonferenz im Juli 2017. | Bildquelle: dpa
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Nach ihm soll die Hauptstadt benannt werden: Der ehemalige Präsident Nursultan Nasarbajew bei einer Pressekonferenz im Juli 2017.

Auch ohne Präsidententitel an der Macht

Nasarbajew wird auch ohne Präsidententitel die Fäden der Macht in der Hand behalten. Er bleibt "Führer der Nation", Parteichef und Vorsitzender des Sicherheitsrates und kann damit jederzeit auf zentrale politische Entscheidungen Einfluss nehmen.

Auch dann, wenn er das Gefühl haben sollte, dass der Machtwechsel in Kasachstan doch nicht wie geplant in seinem Sinne verlaufen sollte.

Kasachstan hat einen neuen Präsidenten
Christina Nagel, ARD Moskau
20.03.2019 13:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. März 2019 um 12:00 Uhr.

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