Indische Soldaten stehen Wache vor einem Gebäude in Srinagar im Kaschmir. | Bildquelle: AP

Kaschmir-Konflikt Ausgangssperre und Angst vor Eskalation

Stand: 05.08.2019 08:01 Uhr

Pakistan wirft Indien in Kaschmir Beschuss vor, die Regierung in Neu-Delhi stellt Lokalpolitiker unter Hausarrest: Außerdem hebt sie den Sonderstatus der Region auf.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Um Mitternacht wurden in Srinagar und in der Umgebung der Sommerhauptstadt von Kaschmir Ausgangssperren verhängt. Der Internetservice wurde blockiert, auch das Mobilfunknetz und Teile des Festnetzes sind Medienberichten zufolge abgeschaltet.

Wie die Tageszeitung "Times of India" und auch der indische Fernsehsender NDTV berichteten, wurden drei prominente Politiker der vorwiegend muslimischen Region unter Hausarrest gestellt. Omar Abdullah, der frühere Regierungschef von Kaschmir, hatte vor seinem Hausarrest noch gestern Abend noch bei einer Pressekonferenz in Srinagar die Regierung scharf kritisiert. "Seit die Regierung die Touristen und die Pilger aufgefordert hat, Kaschmir zu verlassen, hat sich die Lage noch verschlechtert", sagte er. "Wir haben den Gouverneur um Aufklärung gebeten, aber wir bekommen keine Antworten bezüglich der Situation."

Chaos am Flughafen, Tumulte in Geschäften

Die genauen Gründe für die Ausgangssperren sind noch unklar. Die indische Regierung hatte in den vergangenen Wochen Zehntausende zusätzliche Soldaten in die ohnehin hochgerüstete Region entsandt und eine Terrorwarnung ausgesprochen. Touristen wurden aufgefordert, Kaschmir zu verlassen. Eine hinduistische Pilgerreise wurde abgebrochen.

Chaos brach am Flughafen und am Busbahnhof in Srinagar aus, als Tausende Menschen ihre Heimreise antreten wollten. Die einheimische Bevölkerung wiederum deckte sich in der Erwartung, dass etwas passieren könnte, mit Vorräten ein.

Bewohner der Region Kaschmir warten mit Kanistern vor einer Tankstelle in Srinagar. | Bildquelle: AP
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Bewohner der Region Kaschmir warten mit Kanistern vor einer Tankstelle in Srinagar.

Pakistaner verlassen die Gegend

Gestern Abend erklärte die indische Armee, pakistanische Soldaten und Milizionäre hätten versucht, die Demarkationslinie in Kaschmir zu überqueren. Der Versuch sei abgewehrt, fünf bis sieben Angreifer seien getötet worden.

Pakistan wies die Angaben zurück und warf der indischen Seite vor, Granaten mit Streumunition in die von Pakistan kontrollierte Zone von Kaschmir geschossen zu haben.

Bewohner der pakistanischen Ortschaften entlang der Demarkationslinie haben begonnen, die Gegend zu verlassen. Es sei einfach zu gefährlich geworden, sagte der Familienvater Munir Ahmed einem Reporter der Nachrichtenagentur AP: "Plötzlich wurde unser Haus von einer Granate getroffen. Unsere Kinder waren im Haus, schauen Sie mal, meine Tochter hat drei kleine Wunden am Kopf. Ihre Großmutter ist ernsthaft verletzt."

Sonderstatus von Kaschmir aufgehoben

Für heute Vormittag wurde in Neu-Delhi eine Kabinettssitzung einberufen, bei der der Sonderstatus Kaschmirs aufgehoben wurde. Schon seit Tagen hatte es in indischen Medien Gerüchte gegeben, dass dies geplant sei.

Innenminister Amit Shah erklärte im Parlament, ein Dekret des Präsidenten zur Streichung von Artikel 370 der indischen Verfassung, der dem Bundesstaat Jammu und Kaschmir Autonomierechte garantiert hatte, trete "sofort" in Kraft.

Die Entscheidung könnte in der mehrheitlich muslimischen Region in Himalya, die auch von Pakistan beansprucht wird, massive Spannungen hervorrufen.

Indien - Ausgangssperre in Kaschmir
Bernd Musch-Borowska, NDR Neu-Delhi
05.08.2019 07:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 05. August 2019 Deutschlandfunk um 05:40 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen" und die tagesschau um 08:00 Uhr.

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