Demonstranten blockieren die Zufahrt zum Flughafen | Bildquelle: Toni Albir/EPA-EFE/REX

Barcelona Urteil treibt Katalanen auf die Straße

Stand: 14.10.2019 20:57 Uhr

Aus Wut über das Urteil gegen die katalanischen Separatistenführer haben Demonstranten vorübergehend den Flughafen blockiert. Dutzende Flüge fielen aus, etwa 30 Menschen wurden bei Auseinandersetzungen mit der Polizei verletzt.

Tausende Unabhängigkeits-Befürworter haben in Barcelona vorübergehend die Zugangswege zum internationalen Flughafen blockiert. Sie versammelten sich auf Straßen und in U-Bahnhöfen, sodass für Reisende kaum noch ein Durchkommen möglich war. Dabei schwenkten einige katalanische Flaggen. Dutzende Flüge fielen aus, zahlreiche weitere konnten nur mit Verspätung starten. "Es ist ein großes Verkehrschaos", berichtet ARD-Korrespondent Marc Dugge.

Dabei kam es auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Diese ging mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten, etwa 30 Menschen wurden verletzt.

Am Abend versammelten sich Tausende Katalanen in der Innenstadt von Barcelona. Auf der Plaça Sant Jaume vor dem Sitz der Regionalregierung forderten sie Freiheit für die Separatistenführer.

Spaniens Oberstes Gericht verurteilt neun katalanische Separatistenführer
tagesschau 20:00 Uhr, 14.10.2019, Stefan Schaaf, ARD Madrid

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Lange Haftstrafen für Separatistenführer

Grund für die Proteste ist das Urteil des Obersten Gerichts in Madrid gegen neun katalanische Separatistenführer. Sie wurden wegen Aufruhrs zu langjährigen Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt. Es ging dabei um die Rolle der Angeklagten bei dem von der Justiz verbotenen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017 und einem daraus resultierenden Unabhängigkeitsbeschluss der Regionalregierung. Hauptangeklagter war der frühere stellvertretende Regionalpräsident Oriol Junqueras. Der Großteil der Angeklagten sitzt bereits seit zwei Jahren in Untersuchungshaft.

Die Verurteilten erhielten ein Amtsverbot für die Dauer ihrer Haft. Zudem seien einige von ihnen der Veruntreuung öffentlicher Gelder schuldig, hieß es. Drei weitere angeklagte Ex-Politiker wurden des Ungehorsams schuldig gesprochen. Von einer Verurteilung wegen des von der Staatsanwaltschaft eingebrachten Vorwurfs der Rebellion, die mit Gefängnisstrafen von bis zu 30 Jahren geahndet wird, sahen die Richter jedoch ab.

Das Verfahren hatte die Gemüter im ganzen Land erhitzt und galt als eines der wichtigsten seit dem Übergang zur Demokratie nach dem Ende der Franco-Diktatur in den 1970er-Jahren. Insgesamt wurden in dem Prozess fast 600 Zeugen vernommen, darunter der konservative frühere Ministerpräsident Mariano Rajoy, in dessen Amtszeit das Referendum fiel.

Haftbefehl gegen Puigdemont

Der damalige Regionalpräsident Carles Puigdemont stand nicht vor Gericht: Er war im Herbst 2017 zusammen mit anderen Politikern vor einer Festnahme ins Exil nach Belgien geflohen. Gegen ihn erließ das Oberste Gericht erneut einen europäischen Haftbefehl. Im Juli 2018 hatte das spanische Gericht einen internationalen Haftbefehl gegen ihn zurückgezogen, nachdem Deutschland abgelehnt hatte, Puigdemont auszuliefern.

Er kritisierte das Urteil als "Barbarei". Nun müsse reagiert werden wie nie zuvor. "Für die Zukunft unserer Söhne und Töchter", fügte er hinzu.

Proteste in Katalonien: Chaos am Flughafen Barcelona
Marc Dugge, ARD Madrid
14.10.2019 16:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Oktober 2019 um 12:00 Uhr.

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