Demonstranten vor einer brennenden Barrikade in Bareclona. | Bildquelle: AFP

Barcelona Massenproteste und schwere Unruhen

Stand: 19.10.2019 00:49 Uhr

Hunderttausende haben in Barcelona gegen die Haftstrafen der Separatistenführer demonstriert. Dabei kam es erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Massenproteste, schwere Unruhen und ein 24-stündiger Generalstreik haben die Stimmung in Barcelona bedrohlich angeheizt. Mehr als eine halbe Million Menschen versammelte sich nach Schätzungen der Stadtpolizei im Zentrum der Regionalhauptstadt, um gegen die Haftstrafen für neun Separatistenführer zu protestieren.

Die Hauptkundgebung auf dem Prachtboulevard Passeig de Gracia verlief ohne größere Zwischenfälle. Die Teilnehmer forderten in zumeist ausgelassener Stimmung die Freilassung der "politischen Gefangenen" und sangen auch die katalanische Hymne. Rund 30.000 der Teilnehmer waren in fünf "Märschen für die Freiheit" aus verschiedenen Städten nach Barcelona gekommen.

In der Nähe der Großkundgebung kam es aber auf einer Demo von mehreren Hundert zumeist jungen Menschen vor dem Polizeipräsidium erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Wie die Sicherheitsbehörden mitteilten, wurden am Freitagabend in Barcelona mindestens 14 Demonstranten festgenommen. Zudem seien 41 Verletzte registriert worden.

Es war der fünfte Krawalltag in Folge in Barcelona.

Festnahmen und gestrichene Flüge

Mittlerweile nehmen dunkel gekleidete Antifa-Aktivisten an den Separatisten-Demos teil. Sie bewarfen Polizisten unter anderem mit Steinen und Eiern und zündeten Müllcontainer an. Die Beamten setzten Schlagstöcke gegen die Krawallmacher ein.

Wegen des Generalstreiks wurden unter anderem mehrere Dutzend Flüge gestrichen. Auch der Zugverkehr war beeinträchtigt. Zahlreiche Straßen wurden von Demonstranten blockiert. Hafenarbeiter und Angestellte der VW-Tochter Seat legten die Arbeit ebenso nieder wie die Belegschaft einer Supermarktkette. Auch zahlreiche Hörsäle an den Unis und viele Klassenzimmer blieben leer.

Demontstranten blockieren die Eingänge zur Basilika Sagrada Familia. | Bildquelle: dpa
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Demontstranten blockieren die Eingänge zur Basilika Sagrada Familia. Mit einem Generalstreik demonstrieren sie für die Freilassung der Separatistenführer.

Wahrzeichen der Stadt blockiert

Zeitweise blockierten Hunderttausende Demonstranten die Zugänge zum Wahrzeichen der Stadt, der Sagrada Familia, Barcelonas weltberühmtem Gotteshaus. Um die Sicherheit der Besucher, Arbeitern und Belegschaft zu gewährleisten, wurden die Pforten der Basilika später komplett geschlossen.

In anderen Teilen der Stadt wirkten Straßen teilweise wie ausgestorben. Geschäfte waren geschlossen, Autos kaum auf der Straße. Er habe das so noch an einem Wochentag gesehen, sagte ein Hausmeister im zentralen Viertel Eixample.

Rund 400 gewaltbereite Demonstranten

Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte, seit Beginn der Proteste seien in ganz Katalonien 128 Demonstranten festgenommen worden. Von diesen seien neun aktuell hinter Gittern, entweder in U-Haft oder sie warteten auf die Anhörung durch den Ermittlungsrichter.

Man werde gegen gewalttätige Demonstranten "das Strafrecht in aller Härte anwenden", sagte der Minister der sozialistischen Zentralregierung vor Journalisten in Madrid. Grande-Marlaska bezifferte die Zahl der "organisierten gewaltbereiten Demonstranten" auf etwa 400. Zur Unterstützung der Polizei forderte er die Guardia Civil an.

Puigdemont bleibt vorerst frei

Der oberste Gerichtshof in Madrid hatte am Montag sieben ehemalige Spitzenpolitiker der abtrünnigen Region und zwei Anführer ziviler Organisationen des Aufruhrs für schuldig befunden hatte. Wegen ihrer Rolle bei dem illegalen Unabhängigkeitsreferendum vom Oktober 2017 wurden sie zu Gefängnisstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt. Seither gibt es in Katalonien massive Proteste von Befürwortern einer Unabhängigkeit der vergleichsweise wohlhabenden Region im Nordosten Spaniens.

Spanien erlies erneut einen internationalen Haftbefehl gegen den Anführer der Seperatistenbewegung, Carles Puigdemont. Der im Exil in Brüssel lebende ehemalige Regionalpräsident meldete sich daraufhin bei der dortigen Polizei und widersprach den Vorwürfen der spanischen Justiz. Puigdemont wurde zunächst verhaftet, anschließend aber unter Auflagen wieder freigelassen.

Der frühere Separatistenführer war 2017 nach Belgien geflohen. Die spanische Justiz wirft ihm Aufruhr und Zweckentfremdung öffentlichen Geldes vor. Einem früheren Auslieferungsbegehren waren die belgischen Behörden nicht gefolgt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 18. Oktober 2019 um 21:45 Uhr.

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