Polizisten laufen an einer brennenden Straߟenbarrikade vorbei. | Bildquelle: dpa

Protest gegen Separatisten-Urteile Kataloniens Zorn

Stand: 19.10.2019 03:41 Uhr

Steinwürfe, Barrikaden, Chaos: Die Proteste nach den Urteilen gegen die katalanischen Separatistenführer werden immer heftiger. Nun schlägt auch die spanische Regierung einen anderen Ton an.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid, zzt. Barcelona

An der Plaza Cataluña im Zentrum von Barcelona - ein Platz, über den normalerweise Touristen flanieren - stellen jetzt Jugendliche die Mehrheit. Sie beobachten, wie Container in Flammen stehen, bengalische Feuer gezündet werden - und wie die Polizei in den Seitenstraßen immer wieder versucht, randalierende Demonstranten zurückzudrängen. Die jungen Radikalen werfen Steine auf Polizisten und liefern sich Straßenschlachten mit ihnen.

In Katalonien gehen die Menschen gegen die Gefängnisstrafen für führende Separatistenführer auf die Straße. Mindestens 89 Menschen werden in der Nacht verletzt, 60 von ihnen in Barcelona.

Krawalle am Rande der Proteste in Barcelona
tagesthemen 21:45 Uhr, 18.10.2019, Stefan Schaaf, ARD Madrid

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Koordiniertes Chaos

Brennpunkt der Proteste ist das Polizeipräsidium. Der spanische Innenminister beziffert die Zahl der gewalttätigen Demonstranten hier auf rund 400. 400 Menschen, die hier sehr koordiniert und zielstrebig das Chaos säen. Sie beherrschen die Berichterstattung über die Protestwelle in Barcelona, obwohl dort rund eine halbe Million Separatisten am Abend friedlich für ihre Sache demonstrierten. 

Laia, 33 Jahre, aus Reus kann die Wut der jungen Katalanen verstehen: "Es gibt Menschen, die Probleme machen wollen. Aber es gibt auch viele normale Leute, die protestieren", sagt sie. "Es ist ja nicht erst jetzt, dass sie die Menschen ins Gefängnis stecken - sie sind schon seit zwei Jahren dort." Die Leute hätten es satt. "Sie sagen: 'Jetzt reicht’s. Denn vielleicht stecke ich ja schon bald im Gefängnis'."

Kein Verständnis für die Wut

Für die Wut der randalierenden Jugendlichen hat Fernando Grande-Malaska überhaupt kein Verständnis. Der spanische Innenminister meldet sich am Abend noch einmal mit einer Ansprache zu Wort. Er lässt wissen, dass den Gewalttätern bis zu sechs Jahre Haft drohen: "Wir werden dem gewalttätigen Separatismus mit aller Härte des Gesetzes begegnen. Und dem Separatismus, der sich außerhalb der Gesetze bewegt, ebenso."

Der Ton, den die spanische Regierung anschlägt, wird schärfer. Die Proteste in Barcelona scheinen nicht abzuflauen, sondern an Gewalttätigkeit zuzunehmen. Brennende Autos, zerschlagene Schaufensterscheiben oder zertrümmertes Mobiliar erinnern an den G20-Gipfel in Hamburg. In Barcelona kennt man so etwas nicht.

In der Nacht jagen Polizisten junge Krawallmacher durch die engen Gassen des Gotischen Viertels hinter dem Polizeipräsidium. Ein paar Meter weiter ist ein Restaurant gut gefüllt. Die Proteste scheinen weit weg - auch wenn es nur wenige Hundert Meter sind.

"Wir leben hier vom Tourismus"

Kellnerin María sagt: "Wir leben hier vom Tourismus. Hier im Gotischen Viertel sind nachts viele Touristen unterwegs. Sie lassen viel Geld hier. Und wenn die Gäste ausbleiben …"

Viele Lokale hätten schon schließen müssen, viele Menschen seien entlassen worden, sagte sie. "Gerade die Leute, die Saisonverträge haben, müssen schon jetzt aufhören - auch wenn die Saison noch nicht zu Ende ist."

María ist nicht die einzige, die sich große Sorgen um den Tourismus in Barcelona macht - und um das Image der Stadt. Denn es sind keine schönen Bilder, die dieser Tage aus Barcelona kommen - wie schon vor zwei Jahren, beim Unabhängigkeitsreferendum. Sie hofft, dass die Proteste bald abebben und dass wieder Normalität Einzug hält. Doch wann das passieren wird, ist derzeit nicht abzusehen.

Gewalttätige Proteste in Barcelona flauen nicht ab
Marc Dugge, ARD Madrid, zzt. Barcelona
19.10.2019 06:47 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Oktober 2019 um 06:21 Uhr.

Darstellung: